12. April 2005 08:21; Akt: 12.04.2005 11:07 Print

Stichwort: Papstname

Der Abschied vom Geburtsnamen ist der erste programmatische Akt eines neuen Papstes. Direkt nach der Wahl wird er vom Dekan des Kardinalskollegiums zunächst gefragt, ob er die Wahl annimmt. Die zweite Frage lautet: «Wie willst Du Dich nennen?»

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Mit der Wahl eines päpstlichen Namens signalisiert das neue Kirchenoberhaupt, an welche Traditionen es anzuknüpfen gedenkt. Der erste Papst der Kirchengeschichte, der seinen Namen änderte, war der Adlige Octavian, der sich als Papst im Jahr 955 den Amtsnamen Johannes XII. gab. Er wollte damit die Kontinuität zu seinem Vorgänger kund tun, der noch wirklich Johannes hiess und als solcher der elfte Träger dieses Namens auf dem Stuhl Petri war. Andere Gründe hatte Pietro Boccadiporco - weil sein Name übersetzt «Schweinsmaul» bedeutet, war er froh, im Jahr 1009 seinen Namen ändern zu können und als Papst Sergius IV. aufzutreten. Die Kontinuität der päpstlichen Namensgebung korrespondierte im Mittelalter auch mit der weltlichen Herrschaft der Kaiser, die ihre Namen in dynastischer Folge an ihre Nachkommen vererbten.

Als die Renaissance im 16. Jahrhundert die Bedeutung der individuellen Persönlichkeit in den Vordergrund rückte, behielten Hadrian von Utrecht (als Hadrian VI.) und Marcello Cervini (Marcellus II.) zumindest ihre richtigen Taufnamen. Martin V. und Clemens XI. entschieden sich für die Namen der Heiligen, an deren Tag sie zum Papst gewählt wurden.

Johannes Paul I. war 1978 der erste Papst, der sich einen Doppelnamen gab. Damit wollte er sich in die zweifache Traditionsreihe seiner Vorgänger Johannes XXIII. und Paul VI. stellen - der beiden Päpste, die das Zweite Vatikanische Konzil leiteten. Mit der Entscheidung für den Namen Johannes Paul II. demonstrierte Karol Wojtyla, dass er die kurze Amtszeit dieses «lächelnden Papstes» fortsetzen wollte.

(ap)