12. April 2005 08:25; Akt: 12.04.2005 11:08 Print

Stichwort: Sixtinische Kapelle

Wenn die wahlberechtigten Kardinäle am 18. April zum Konklave zusammenkommen, werden sie sich in einem der bedeutendenste Gebäude der europäischen Kulturgeschichte einschliessen, der Sixtinischen Kapelle.

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Als «Kulturgut von unschätzbarem Wert» hat der verstorbene Papst Johannes Paul II. die zwischen 1477 und 1480 errichtete Kapelle bezeichnet. «Die Sixtinische Kapelle ist das Heiligtum der Theologie des menschlichen Körpers», erklärte Johannes Paul.

Weltweit berühmt ist die Kapelle wegen ihrer Fresken. Einige der bedeutendsten Maler der italienischen Renaissance haben an der Ausschmückung des nach Papst Sixtus IV. benannten Gebäudes mitgewirkt, darunter Botticelli und Ghirlandaio. Keiner aber hat dem Innenraum der Kapelle derart seinen Stempel aufgedrückt wie Michelangelo, der mit Unterbrechungen von 1508 bis 1541 an den Fresken gearbeitet hat und dabei auch nicht davor zurück schreckte, Werke seiner Vorgänger zu übermalen.

Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle, darunter das Jüngste Gericht und die Erschaffung Adams, gehören zu den bedeutendsten Werken der italienischen Renaissance. Nicht allen Päpsten aber haben die realistischen Details von Michelangelos Malerei so gefallen wie Johannes Paul II. Nach dem Tod des Künstler 1564 verfügte der Vatikan, dass die Geschlechtsteile der Figuren mit Tüchern übermalt wurden. Zwischen 1979 und 1999 wurden die Decken- und Wandmalereien behutsam restauriert.

Der Kamin der Sixtinischen Kapelle steht während des Konklave unter permanenter Beobachtung der Öffentlichkeit. Hier verbrennen die Kardinäle nach altem Brauch ihre Stimmzettel. Weisser Rauch aus dem Schornstein der Kapelle ist das Zeichen, dass die katholischen Christen einen neuen Papst haben.

(ap)