Mysteriöses Sterben

15. Mai 2011 13:50; Akt: 16.05.2011 10:38 Print

Strahlen, Viren, Pestizide - woran krankt die Biene?

von Annette Hirschberg - Die fleissigen Honigsammler werden seit Jahren dahingerafft, die Population geht dramatisch zurück. Neuste Studien geben der Mobiltelefonie die Schuld.

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Die Bienen erledigen für uns eine wichtige Arbeit: Sie bestäuben Blüten, damit Früchte wachsen können.

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In der westlichen Welt werden grosse Teile der Bienenbevölkerung regelrecht dahingerafft. In den USA ist es am Schlimmsten. Seit 2006 sterben jedes Jahr 30 Prozent der amerikanischen Bienen weg. Einige Imker haben im Frühling kein einziges lebendes Volk mehr.

Die Kosten wegen der mangelnden Bestäubung von Mandelbaum-, Frucht- und Gemüseplantagen gehen in die Milliarden. Auch in Europa sind die Zahlen alarmierend: Der Bestand schrumpft je nach Land jährlich um zehn bis zwanzig Prozent – Tendenz steigend.

Über Nacht verschwunden

Beunruhigend am Eingehen der fleissigen Insekten ist, wie es geschieht. Die Bienen sterben nicht im Bienenkasten sondern verschwinden einfach. Colony Collapse Disorder (CCD), auf deutsch Bienenvolk-Kollaps, nennen Forscher das neue Phänomen.

Typisch für CCD ist, dass die Bienenbevölkerung keine der gängigen Symptome wie bekannte Krankheiten oder Parasitenbefall aufweist. Im Gegenteil: Die Honigsammler schienen gemäss Forschern (CCD Steering Committee 2007) noch kurz vor ihrem Verschwinden gesund und kräftig zu sein. Die Arbeiterbienen haben – oft über Nacht – den Bienenkasten verlassen und die Königin mit der Brut zurückgelassen. Dieses mysteriöse Verhalten der Bienen versuchen Imker und Forscher mit verschiedensten Hypothesen zu erklären.

Schuld ist die moderne Welt

So wird spekuliert ob es wohl ein Bienen-Aids gebe, eine bisher unerkannte Infektionskrankheit, die die Völker dahinrafft. Die Varroa-Milbe, ein blutsaugender Parasit, und die Monokulturen werden als Ursache genannt. Andere geben den genetisch veränderten Pflanzen die Schuld. Sie produzierten Bakteriengift, das für die Bienen schwer verdaulich sei. Es wird auch vermutet, dass ein mysteriöses, bisher unbekanntes Gift den Bienen zusetzt. Und der Klimawandel wird angeführt. Er verschiebe die Blütezeit und setze so die Bienen einem grossen Stress aus.

Zum Reigen der möglichen Ursachen kommt aus der Ecke der Biotechnologie eine weitere Theorie hinzu: Schuld ist die Mobiltelefonie. Die Wellen aktiver Handys sollen Bienen so grossem Stress aussetzen, dass sie ihren Stock verlassen. Was zunächst wie ein weiterer verzweifelter Erklärungsversuch aussieht, scheint nach einer Versuchsreihe des Lausanner Biotechnologen Daniel Favre (Mobile phone-induced honeybee worker piping 2009) Hand und Fuss zu haben.

Mehrere Forscher haben bereits einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonie und CCD hergestellt. «Ich habe aber als erster nachgewiesen, dass die Bienen unter Einfluss der Handystrahlen anfangen zu piepsen wie kurz vor dem Ausschwärmen», sagt Favre gegenüber 20 Minuten Online. Er hat ein aktives Handy direkt auf den Bienenkasten gelegt, worauf das Volk nach kurzer Zeit in grossen Stress kam.

Zwanzig Stunden Handysignal reichen nicht fürs Schwärmen

Die von Favre festgestellten Schwärmsignale würden erklären, wieso scheinbar gesunde Bienen ihre Königin samt Brut einfach im Stich lassen. Favre vermutet, dass Bienen, die konstant oder immer wieder den Wellen telefonierender Handys ausgesetzt sind, irgendwann tatsächlich ausschwärmen. «Eine Studie von Sahib und Pattazhy hat 2009 ergeben, dass Völker in Bienenkästen bei Handyantennen nach fünf bis zehn Tagen verschwinden», sagt Favre. Die Arbeiter finden wegen der Strahlen nicht mehr nach Hause oder verlassen den Stock einfach. Favre selbst hat seine Versuche zur Schonung der Bienen jeweils nach 20 Stunden abgebrochen. «Zu einem Ausschwärmen ist es in dieser Zeit nicht gekommen.»

Für Favre ist aber klar, dass nicht die Handystrahlen allein am Verschwinden der Insekten Schuld sind. «Pestizide, Milben, Viren, Monokulturen und Klimawandel. Alles zusammen führt zum Bienenvolk-Kollaps», sagt er. Er will nun aber untersuchen, wie gross der Einfluss der Handystrahlen ist. «Ich werde für weitere Tests strahlensichere Bienenkästen bauen.» Zudem will er versuchen, von zahlreichen Bienenvölkern jeweils einige Bienen einzufrieren. «Verschwindet dann ein Volk, kann anhand der toten Bienen untersucht werden, ob es im Stock zu viele Pestizide, Milben oder Krankheiten gab.»

Favre ist nicht der einzige, der sich bemüht, dem Mysterium CCD auf den Grund zu gehen. In den USA sind seit 2008 Forschungsgelder gesprochen worden, um die Bienen zu retten. In Europa gibt es seit 2009 ein internationales Projekt, das sich dem Bienensterben widmet. Eine Lösung wurde bisher noch nicht gefunden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tonimarroni am 15.05.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    wie die Wale und Delphine

    durch Sonare unter Wasser, werden auch die Bienen durch Handystrahlen in ihrem sensiblen Ortungssystem gestört und finden ihre Stöcke nicht mehr. Hoffentlich wird der ganze Scheiss endlich abgestellt!

  • E. Gisler am 15.05.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe Favre's Studie gelesen

    Die Bienen haben zwar tatsächlich reagiert, wenn ein aktives Gespräch 45 min auf ein Telefon mitten im Bienenkorb ging - für 3 Minuten. Handys auf Standby hatten gar keinen Effekt. Einen Langzeiteffekt hatte nur ein Gespräch über 20 h (ich möchte gerne jemand sehen, der 20 h mit dem Telefon 10cm vom Bienenkorb telefoniert). Da Strahlung mit dem Abstand im Quadrat abnimmt, sagt die Studie gar nichts aus. Zumal die Bienenpopulationen seit den 60er Jahren zurückgehen, was nicht mit der Verbreitung des Mobilfunk korrelliert. Wenn die Studie etwas beweist, dann dass Handys nichts damit zu tun haben

  • wildbee.ch am 16.05.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können etwas tun

    Wir können viel Gutes für Bienen tun, mit wenig Aufwand und geringen Kosten: wunderschöne einheimische Wildblumen anpflanzen, Nisthilfen aufstellen für Wildbienen, ökologisches bevorzugen, einfacher leben, mal geniessend Verzichten etc. - das geht auch auf kleinem Raum z.B. auf Balkon, Terrasse, Garten und Hauseingang :-) Von den 575 Wildbienenarten in der Schweiz ist bereits die Hälfte bedroht - das können wir ändern, damit unsere Welt bunt bleibt, vielfältig und faszinierend ... Jede Biene zählt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gehirnathlet am 17.05.2011 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hochleistungsmähgeräte und StahlenWellen

    Wenn ich sehe wie ein Bauer das Grass mäht. Mit 35kmh 2.5 meter breit und die Messer mit Blachen abgedeckt. Da wird ein ganzes Volk auf der Wiese innert kürze zerhäckselt. Auch bringen Kurze,- Mittlere und Lange Wellen unserer Sendemasten die Tiere in Verwirrung. Was der Mensch nicht hört, hören vielleicht die Tiere. Pflanzt gaaaanz viele Blumen!

  • wildbee.ch am 16.05.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können etwas tun

    Wir können viel Gutes für Bienen tun, mit wenig Aufwand und geringen Kosten: wunderschöne einheimische Wildblumen anpflanzen, Nisthilfen aufstellen für Wildbienen, ökologisches bevorzugen, einfacher leben, mal geniessend Verzichten etc. - das geht auch auf kleinem Raum z.B. auf Balkon, Terrasse, Garten und Hauseingang :-) Von den 575 Wildbienenarten in der Schweiz ist bereits die Hälfte bedroht - das können wir ändern, damit unsere Welt bunt bleibt, vielfältig und faszinierend ... Jede Biene zählt!

    • Wildbiene am 17.05.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      SumSum

      Bei mir im Fensterrahmen leben ein paar Wildbienen. Seit 2 Jahren besuchen Sie mich und ich lasse Sie gewähren :-)

    • Sanel Schweizer am 17.05.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Albert Einstein

      Traurig, Albert Einstein hat gesagt, wenn die Honigbienen aussterben, haben die Menschen noch 4 Jahre zum Leben.

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  • Alfred Büsihoger am 16.05.2011 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Hochschauen

    Also wieder einmal alles vertuschen. Wie wäre es mit Chemtrails! Es fliegen ab und zu auch Vögel runter upps wohl in der Dosierung vertan.

    • justin am 17.05.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      nicht zu vergessen

      das fischsterben. alles auf chemtrails zurückzuführen. aber darüber will man ja nicht berichten da es ja "verschwörungs-theorie" ist...

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  • Chris am 16.05.2011 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Bienen - kein Essen

    Die Welt ohne Bienen würde schnell zum Aussterben verdonnert sein - hoffentlich findet man bald eine Lösung für dieses Phänomen!

    • Daniel Düsentrieb am 16.05.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Gravitationswellen

      Ich weis nicht ob es eine Lösung ist, aber man hat mit Gravitationswellen Übertragung bereits gute erfarungen gemacht! Wie steht es damit ihr klugen Geister? GW ist eine Natürlich vorhandene Welle. Soll heisse - ist da ob wir sie brauchen oder nicht - und müsste somit kein Problem darstellen für die Bienen!?!?!

    • Qilué am 16.05.2011 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Bestäubung nicht nur durch Bienen

      Stimmt nicht - die Hauptarbeit der Bestäubung wird von anderen Insekten übernommen, die Herr Einstein bei seiner Aussage wohl vollkommen vergessen hat.

    • Muhkuh am 17.05.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Gravitationswellenübertragung?!

      Gravitationswellen, sind noch nichtmal nachgewiesen, bis jetzt sind sie noch immer rein Hypothetisch aufgrund Einsteins Relativitätstheorie. Ein Nachweis ist meines Wissens bis heute nicht erbracht worden.

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  • Mathias Gallati am 16.05.2011 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Strahlung

    @Marc Schneider: deine Mikrowelle funktioniert auch mit einer Art Licht. Ob du da freiwillig reingehen würdest? Tauben und Schildkröten orientieren sich am Erdmagnetfeld. Da kann ich mir gute vorstellen, dass ein noch sensibleres Lebewesen wie die Biene auf relativ schwache Strahlung reagiert.

    • Martin am 16.05.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Hö....

      Warum zum Geier soll die Biene ein sensibles Lebewesen sein?

    • Sunny am 16.05.2011 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      An Martin

      Vielleicht einfach weil die Biene eh schon alles in Minatür hat. Miniatür Augen füsse und Herz, vielleicht hat eine Biene eine andere Wellendichte, dinge die unsere Haut z.b. nicht spüren kann.

    • Marc Schneider am 16.05.2011 21:25 Report Diesen Beitrag melden

      Mikrowelle

      Ja stimmt. Es bleibt die Frage der Dosierung.

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