Arbeitskampf

10. März 2011 06:57; Akt: 10.03.2011 12:03 Print

Streik stürzt Deutschland ins Pendlerchaos

Die Lokführer in Deutschland fordern bessere Arbeitsbedingungen. In grossen Städten fuhren nur noch wenige Züge. Reisende aus der Schweiz und in die Schweiz müssen mit Verspätungen rechnen.

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10. März 2011: Seit vier Uhr morgens stehen die deutschen S-Bahnen still. (Bild: Mark Keppler/dapd)

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Ein Streik der deutschen Lokführer hat am Donnerstag in Deutschland für starke Beeinträchtigungen im Bahnverkehr gesorgt. «Wir haben im Güterverkehr teilweise 90 Prozent zum Stehen gebracht, im Personenverkehr über 80 Prozent. Die Wirkung ist enorm», sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky. Der gesamte Personenverkehr der Deutschen Bahn wurde ab 4 Uhr bestreikt. Nach sechs Stunden beendeten die Lokführer den Streik, wie ein GDL-Sprecher mitteilte.

Stark betroffen waren nach Angaben der Deutschen Bahn die S-Bahnen in Berlin, Hannover, München, Frankfurt am Main, Nürnberg und Stuttgart sowie die S-Bahn Rhein/Neckar. Auch im Regionalverkehr kam es im ganzen Land zu Behinderungen. Und der am Morgen angelaufene Fernverkehr war ebenfalls stark eingeschränkt.

Selbst nach Ende der Ausstands müssten sich Bahnreisende noch bis in den Abend auf Behinderungen einstellen, da die betroffenen Züge erst nach einigen Stunden wieder an den vorgesehenen Einsatzstellen zur Verfügung stünden, teilte die Bahn mit. Im Schienengüterverkehr hatte der Ausstand bereits am Vorabend um 20 Uhr begonnen. Bis zum Morgen seien rund 300 Güterzüge nicht gefahren und befänden sich im Rückstau, meldete die Bahn.

Verspätungen im Verkehr mit der Schweiz

Wer von der Schweiz nach Deutschland oder von Deutschland in die Schweiz will, muss bis Betriebsschluss mit Verspätungen rechnen, bestätigt SBB-Mediensprecher Roman Marti kurz vor Mittag gegenüber 20 Minuten Online. Die Deutsche Bahn bietet auf ihrer Homepage Informationen zu den Verspätungen an.

Reisende innerhalb der Schweiz waren gamäss SBB-Sprecher Marti jedoch kaum betroffen. «Die SBB setzt Ersatzzüge für verspätete ICE-Züge ein», sagt Marti. So konnte der Taktfahrplan zwischen Zürich und Basel eingehalten werden. Reisende von und nach Deutschland mussten zwischen den beiden Schweizer Städten teilweise vom ICE in den Ersatzzug umsteigen, weil die ICE nur bis Basel fuhren.

Die von der SBB GmbH Deutschland betriebene Wiesental-Bahn (Linie 5 und 6 ab Basel) ist laut Roman Marti vom Streik nicht betroffen.

Weitere Streiks nicht ausgeschlossen

Die Gewerkschaft GDL verlangt höhere Löhne und einen Flächentarifvertrag für alle 26 000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und Privatkonkurrenten scheiterten. Die grosse Teilnehmerzahl zeige, dass die Mitglieder der GDL einen flächendeckenden Tarifvertrag «wollen und auch brauchen», sagte Gewerkschaftsvize Norbert Quitter. Über weitere Massnahmen, etwa zusätzliche Streiks in den kommenden Tagen, wolle er nicht spekulieren. Weitere Arbeitskämpfe seien aber nicht ausgeschlossen.

GDL-Chef Weselsky bat die Bahnreisenden um Verständnis. «Es ist eine harte Tarifauseinandersetzung.» Sieben Monate Verhandlungen hätten kein Ergebnis gebracht, «weil die Arbeitgeber sich nicht bewegen. Deswegen müssen wir zum letzten Mittel, zum Streik greifen».

Fronten verhärtet

Verhandlungsangebote, die keine Verbesserung darstellen, «nehmen wir nicht an», sagte Weselsky. Quitter forderte, dass der GDL direkt «verhandlungsfähige Angebote» gemacht würden. Bewegungsspielraum bei der Kernforderung nach einem Flächentarifvertrag gebe es aber nicht.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber plädierte für «Verhandlungen in sachlicher Atmosphäre mit allen Beteiligten». Einzelne Verhandlungen mit den jeweiligen Betreibern machten den «Prozess noch aufwendiger», sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Er forderte die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

(rub/sda)