Eisbären-Drama

27. März 2011 10:35; Akt: 27.03.2011 20:44 Print

Streitereien nach Knuts Tod wollen nicht enden

Knuts Tod bewegt immer noch. Die Spekulationen über die Todesursache, über ein Denkmal für Knut, aber auch eine Debatte um die Haltung von Zootieren gehen weiter.

Knuts letzte Augenblicke vor seinem Tod (Video: B.Z.).
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Nach Einschätzung eines Facharztes soll das Tier in den letzten Minuten seines Lebens einen epileptischen Anfall erlitten haben, wie das Nachrichtenmagazin «Focus» meldete. Einer Vorabmeldung vom Samstag zufolge sah sich der Bonner Neurologe Christian Elger einen im Internet kursierenden Film an, auf dem Knuts letzte Momente zu sehen sein sollen. Die darauf zusehenden «typischen Drehbewegungen» des Tieres mit einem angezogenen Bein deutete der Epilepsie-Experte als einen Anfall.

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Der Facharzt meint: Nach dem Anfall hätten Knuts Schutzreflexe versagt. Ähnliches kenne er auch aus Beobachtungen von Laborratten, wird der Professor der Universität Bonn zitiert. Laut Augenzeugen stürzte Knut in das Wasser seines Geheges im Berliner Zoo. Der Krampf, den Elger bei dem Eisbären im Film erkannt haben will, habe entsprechende Schutzreflexe vor dem Ertrinken im Gehirn ausgeschaltet.

Vorwürfe gegen Berliner Zoo

Auch Bärenkurator Heiner Klös und andere Zoobesucher, die den Vorfall beobachteten, vermuteten, dass Knut «eine Art epileptischer Anfall» geschüttelt habe. Vor einigen Tagen hatte der Berliner Zoo bekannt gegeben, dass bei Untersuchungen «deutliche Veränderungen des Gehirns» festgestellt wurden. Der epileptische Anfall war laut Experte Elger Folge einer Hirnerkrankung.

In einer Traueranzeige im «Tagesspiegel» (Samstagausgabe) haben Knut-Freunde aus aller Welt unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Berliner Zoo erhoben. In der Anzeige heisst es, die Zooleitung habe das Tier «nur verwahrt». Weiter schreiben die Fans: «Du hattest das Leben eines Polarprinzen verdient. Stattdessen wurdest du mit den billigsten Lösungen abgespeist.» Unter anderem wird moniert, dass Knut wenig Spielsachen gelassen wurden und er sich häufig durch die drei Eisbärinnen in seinem Gehege bedrängt fühlte.

Zoodirektor verteidigt Tierhaltung in Gehegen

Derartige Vorwürfe wies Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen SonntagsZeitung» erneut zurück. Er verteidigte die Haltung von Zootieren generell. Zoos seien heutzutage «nötiger denn je, und zwar zu Bildungszwecken», sagte Blaszkiewitz dem Blatt. Er begründete dies mit schlechten Kenntnissen vieler Deutscher in Biologie. Blaszkiewitz äusserte sich kritisch über die tiefe Bestürzung nach dem Tod des Eisbären. «Ich hatte Knut auch gern. Aber in Japan sind mehr als 20 000 Menschen gestorben. In Nordafrika herrscht Krieg», sagte der Zoodirektor dem Blatt zufolge. Schon zu Knuts Lebzeiten seit der Grad der Vermenschlichung des Tieres «extrem gewesen». Wie die «Bild am Sonntag» berichtet, soll Knut dennoch ein Denkmal im Berliner Zoo erhalten.

Es solle ein überlebensgrosses Bild eines Eisbärenbabys vor jener Anlage gebaut werden, in der das Tier von seinem ebenfalls schon verstorbenen Pfleger Thomas Dörflein aufgezogen wurde. Der Verein Freunde des Hauptstadt-Zoos hatte bereits Anfang der Woche eine aus Spenden finanzierte Knut-Skulptur vorgeschlagen. Die Untersuchung des Kadavers wurden noch nicht abgeschlossen. Nach den Plänen des Berliner Zoos soll Knut ausgestopft und im Naturkundemuseum ausgestellt werden. Das Tier war am 5. Dezember 2006 als erstes Eisbärenjunges seit 33 Jahren in Berlin geboren worden und erlangte weltweite Bekanntheit.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.S. am 27.03.2011 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Solche Tiere gehören sowieso nicht in den Zoo sondern in die Wildnis.

  • Tierfreund am 27.03.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zootiere

    Knut geht's gut, Zoo=Guantanamo für Tiere

  • Marco Kälin am 27.03.2011 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Welch ein Wiederspruch...

    Da machen sich Wichtigtuer/Innen bei einem normalen und natürlichen Ereignis hervor, versuchen ihre 15 Minuten Mittelpunkt sein zue ergattern und auf der anderen Seite der Erde sterben 100erte Menschen an verseuchter und verstrahlter Luft und Wasser, alte Menschen fegetieren und sterben... Welch ein Wiederspruch in unserer Gesellschaft! Schade das diese Leute sich nicht mit wichtigen Problemen beschäftigen, doch anscheinend reicht es dafür nicht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sandra am 27.03.2011 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Japan, Knut und Zoos

    Ich habe für Japan gespendet und war trotzdem betroffen über den Tod von Knut. Auf dem Video kann man sehen, dass er keinen all zu schönen Tod hatte. Ja, Zoos sind umstritten aber ich denke sie haben durchaus ihre Berechtigung, wenn sie gut geführt sind. Ich hoffe dass sich all jene die sich so wehement gegen Zoos aussprechen, sich sehr intesiv für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume von Wildtieren einsetzen. (Spenden). Nur dagegen reden kann jeder!

  • shady am 27.03.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    ?????

    Das ist ein Bär.. Hallo?! Es gibt Schlimmeres als das!!

  • 807687 am 27.03.2011 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    endlich sagt das auch eine Fachperson...

    ...denn ich habe den Film mehrfach angeschaut und meine Feststellung war die gleiche. Es war ein komplex-fokaler Anfall. Übrigens: Wäre er nicht ins Wasser gefallen, wäre er wieder aus dem Anfall aufgewacht und hätte weitergelebt. Der Fehler, der der Zooleitung vorzuwerfen ist, ist, dass sie einen Epileptiker als Zuchttier benutzten (Lars, der Vater von Knut war Epileptiker!). Tiere mit solchen Erkrankungen gehören nicht in die Zucht, besonders bei enggeführten Linien!

  • Christa Pardeller am 27.03.2011 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    In Zoos: schlechte Ernährung, Stress

    Keine Tiere gehören in den Zoos-Platzmangel, zuwenig natürlicher artgerechter Lebensraum, schlechte Ernährung bekommen sie, zuwenig Bewegung haben sie in diesen eingepferchten Plätzen, Stress, zuviele in einem Gehege. Knut wurde zudem noch angefeindet von den anderen . Aussdem haben sie Knut schlecht ernährt: Fleisch, Fisch, mit Tiermilch anstatt mit pflanzlicher Milch aufgezogen und hat somit zuviel Fett-Cholesterin bekommen und hat zuwenig Gemüse, Obst usw. bekommen. So entstehen Krankheiten, wie enge Blutbahnen-Herz-Kreislaufprobleme, Epilepsie (Kalziummange; Kalzium ist in Gemüse, Obst).

  • Tierfreund am 27.03.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zootiere

    Knut geht's gut, Zoo=Guantanamo für Tiere