Erdbeben in Neuseeland

23. Februar 2011 06:29; Akt: 23.02.2011 13:56 Print

Suche nach Überlebenden zu gefährlich

Die Suche nach Überlebenden des Erdbebens von Christchurch ist teilweise abgebrochen worden. 75 Leichen sind bisher geborgen, 300 Menschen werden vermisst.

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Unter einer umgestürzten Statue des Stadtgründers aus dem 19. Jahrhundert fanden die Rettungsarbeiter ein handgeschriebenes Pergament in einer Flasche und einen versiegelten Kupferzylinder, in dem historische Dokumente vermutet werden. Die Statue stand auf dem Hauptplatz der Stadt nahe der historischen Kathedrale. Während des Erdbebens am vergangenen Dienstag stürzte sie um. Museumsexperten untersuchen nun die Gegenstände. Die Presslufthammer schwiegen, die Kirchenglocken läuteten und über dem Parlamentsgebäude der Hauptstadt Wellington erklang ein maorisches Klagelied: Die Welt stand für zwei Minuten still, um der vermutlich 240 Erdbebenopfer zu gedenken. Das Erdbeben der Stärke 6,3 hatte am 22. Februar 2011 um 12.51 Uhr Ortszeit Christchurch erschüttert und schwere Schäden angerichtet, wie das Leser-Bild zeigt. Auf den Strassen der zweitgrössten neuseeländischen Stadt herrschte Angst und Panik. Das Beben liess den Turm der örtlichen Kathedrale umstürzen. «Der Turm ist einfach abgebrochen», berichtet Leser-Reporter Philippe Mösch. Der 25-Jährige hat das Beben in seiner Sprachschule miterlebt. Zahlreiche weitere Gebäude stürzten ein und begruben Menschen unter sich. Zahlreiche Menschen sind bei dem Erdbeben in Neuseeland ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten wurden durch zahlreiche Nachbeben behindert. Das Zentrum des Erdstosses lag rund zehn Kilometer südwestlich von Christchurch. Die Erde bebte nach Augenzeugenberichten mehr als eine Minute lang. Tausende Menschen flüchteten aus der Innenstadt.

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Allein im Canterbury-Television-Gebäude wurden 50 Menschen vermutet, die nach Einschätzung der Polizei das Beben aber ohnehin nicht überlebt haben dürften. «Wir glauben, dass es dort keine Überlebenschance gab», sagte Einsatzleiter David Lowry.

Die teils ausgebrannte Ruine des Gebäudes drohe einzustürzen und es sei zu gefährlich für die Helfer, dort weiterzusuchen, sagte Lowry. Frühere Berichte, wonach mindestens 15 Menschen in dem Gebäude überlebt hätten, erwiesen sich als falsch.

Die Helfer hätten seit Stunden keinerlei Lebenszeichen aus den Trümmern gehört. In dem Gebäude werden auch elf japanische Studenten vermutet.

Auch das 26-stöckige Grand Chancellor Hotel in der Nähe stand unter akuter Einsturzgefahr. Christchurch wurde immer wieder von deutlich spürbaren Nachbeben erschüttert.

Ausgangssperre

Das Beben war am Dienstagmittag passiert, als in der Innenstadt von Christchurch mit 390 000 Einwohnern Hochbetrieb herrschte. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus. Damit erhält das Amt für Zivilverteidigung weitreichende Befugnisse, um die Rettungsaktion mit Kräften aus dem ganzen Land zu koordinieren.

Für Teile von Christchurch wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Wer sich nach 18.30 Uhr Ortszeit noch in dem abgesperrten Gebiet in der Innenstadt auf der Strasse aufhalte, werde festgenommen, kündigte die Polizei am Mittwoch an. Das Gebiet sei zu gefährlich, da dort noch Gebäude vom Einsturz bedroht seien.

Ein Polizeivorsteher erklärt ein Stadtgebiet zur gesperrten Zone:

«Fürchterliches Ausmass»

Regierungschef John Key sprach von «Tod und Zerstörung in fürchterlichem Ausmass». Er hatte das Erdbebengebiet am Dienstag besucht. «Familien haben ihre Angehörigen verloren, Freunde ihre Freunde. Dieser Verlust ist das Schlimmste», sagte Regierungschef Key. «Gebäude sind nur Gebäude, Strassen nur Strassen, aber die Menschen sind unersetzlich.»

Am Mittwoch waren mehr als 200 Retter im Einsatz, um nach Verschütteten zu suchen. 500 weitere waren auf dem Weg nach Christchurch, unter anderem auch aus Australien.

Gut 120 Menschen waren in den Stunden nach dem Beben aus den Trümmern befreit worden. Die Stadtverwaltung richtete an einem Militärstützpunkt eine Leichenhalle ein. 55 Todesopfer seien identifiziert worden, sagte Bürgermeister Bob Parker. Er hoffe, das viele der zunächst vermisst Gemeldeten im Laufe des Tages auftauchen.

Kleine Lichtblicke

Einen Lichtblick konnten die Helfer aus dem schwer beschädigten Pyne-Gould-Guinness-Gebäude melden: Die Australierin Anne Voss wurde nach mehr als 22 Stunden gerettet (siehe Video unten).

Sie hatte sich mit einem Hechtsprung unter ihren Schreibtisch gerettet, war dort aber eingeklemmt. Sie rief ihre Familie und das australische Fernsehen von dort aus mit dem Handy an. Voss hatte andere Überlebende in den Ruinen um Hilfe rufen gehört.

Rettung nach über 24 Stunden in den Trümmern:

(Videos: AP Television)

(sda)