New York himmelhoch

17. Dezember 2013 10:48; Akt: 17.12.2013 10:48 Print

Superdünne Türme für die Superreichen

von Martin Suter, New York - Milliardäre aus der ganzen Welt kaufen sich Prestigewohnungen in New Yorks neuen Apartmenttürmen. Die schlanken Wolkenkratzer wollen so hoch hinaus wie noch nie.

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Während unten, im Dreck der Aussenquartiere, 22’000 Kinder obdachlos sind, greifen die Krösusse dieser Welt in New York nach den Sternen. In Manhattan wird eine neue Klasse superhoher, superdünner und superteurer Apartmenttürme hochgezogen. Die Anbieter der Immobilientrophäen können sich des Ansturms von Kaufwilligen kaum erwehren.

Am weitesten ist «One57» vorangeschritten, ein hellblauer Glasturm südlich des Central Parks. Unlängst haben die Bauherren Medienvertreter in die schwindelerregende Höhe des 87. Stockwerks entführt. «Wow!» war die Reaktion der Reporterin der «New York Times» 300 Meter über den Strassen Manhattans. Solch blankes Erstaunen ist genau das, worauf Gary Barnett hofft, der Chef der Bauherrin Extell Development. Wegen der atemberaubenden Rundumsicht über ganz New York kann er für das 581 Quadratmeter grosse Apartment 67 Millionen Dollar verlangen.

Auch hohe monatliche Kosten

Für das Geld erhalten die Käufer neben Raum auch Service. Das Hyatt-Hotel in den unteren Geschossen des Turms liefert ihnen auf Wunsch Mahlzeiten in die Wohnung. Im 25 Meter langen Schwimmbecken des Hotels können sie Runden schwimmen. Kehren sie mit dem Hund vom Central Park zurück, reinigen sie die Pfoten des Vierbeiners im «Pet Wash Room».

Der Luxus kostet natürlich Unterhalt. Laut «USA Today» muss der Eigentümer der Wohnung auf dem 87. Stock jeden Monat 13’000 Dollar an die Gemeinkosten beisteuern. Selbst bei einem kleineren Apartment auf der 41. Etage kostet die «Maintenance» monatlich 4600 Dollar.

Reiche wollen ihr Vermögen parken

Doch die Käufer der Wohnungen - jene im One57 sollen bereits zu 70 Prozent vergeben sein - haben Geld im Überfluss. Die Milliardäre und Multimillionäre kommen zur Hälfte aus dem Ausland. Reiche Russen, Chinesen, Scheichs und die Elite der aufstrebenden Schwellenländer Brasilien und Indien haben genug Bares, um sich eine Prestigewohnung in New York zu leisten. Viele von ihnen wollen vor allem ihr Vermögen sicher «parkieren». Der Immobilienexperte Jonathan Miller sagte zur «Times»: «Wir bauen Schliessfächer im Himmel, wo die Käufer ihr Kapital deponieren können.»

Gegenüber anderen Metropolen ist New York nicht einmal so teuer. Nach Recherchen der «Times» wird der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 58’000 Franken im One57 von Wohnprojekten in Monaco, Hongkong und London weit übertroffen. Dort zahlen kaufkräftige Investoren Quadratmeterpreise von 84’000 bis 91’200 Franken.

Stararchitekten kommen zum Zug

Der Nachfrage entsprechend wird in New York emsig gebaut. In Downtown Manhattan entsteht ein aufsehenerregender Wolkenkratzer, den die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron als Stapel aufeinandergeschichteter Etagen gestaltet haben. An der Park Avenue Nummer 432 soll ein extradünner Wohnturm des berühmten Architekten Rafael Viñoly dereinst 426 Meter hoch werden.

Einen Strassenblock westlich des One57 wollen die gleichen Bauherren mit ihrem nächsten Turm sogar 434 Meter erreichen. Das ist zwar immer noch weniger als beim One World Trade Center, das 541 Meter hohe Bürogebäude auf Ground Zero. Doch hat der Wohnturm keinen Mast, weshalb das Penthouse dort höher liegen wird als die Aussichtsetage im WTC 1.

Nicht alle sind glücklich

Für die stratosphärische Architektur braucht es extraharten, besonders verwindungssteifen Beton. Nötig sind auch Höhenrechte, die in New York als sogenannte «Air Rights» den Liegenschaften in der Umgebung abgekauft werden. Ästhetisch sind nicht alle begeistert von den neuen Gebäuden. Der «Times»-Kritiker Michael Kimmelman nannte das vom namhaften Architekten Christian de Portzamparc entworfene One57 eine «Verschandelung der Skyline».

Besonders stossend finden manche das Auftrumpfen der Superreichen, während sonstwo in der Stadt die Wohnungsnot zunimmt. Wie Benjamin Dulchin vom Verband für Nachbarschaft und Wohnentwicklung zu «USA Today» sagte, erhalten Bauprojekte wie One57 Steuerrabatte im Umfang von Dutzenden Millionen Dollar. «Wir sind uns in New York Ungleichheit gewohnt», sagte Dulchin bitter. «Wir sind nicht daran gewöhnt, dass sie von den Steuerzahlern subventioniert wird.»

So berichtete «USA Today» über One57