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25. Januar 2014 08:38; Akt: 25.01.2014 11:28 Print

Syrien-Foto retuschiert, Job verloren

Die Nachrichtenagentur AP hat einen ihrer renommiertesten Fotografen per sofort entlassen. Er hatte massiv in ein Bild aus dem syrischen Bürgerkrieg eingegriffen.

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Bei Fotoretuschen kennt die Nachrichtenagentur AP kein Pardon. Das bekam jetzt der Fotograf Narciso Contreras zu spüren. Der Pulitzer-Preisträger, der für AP als Freelancer arbeitete, wurde per sofort entlassen. Grund ist ein Bild, das Contreras im September 2013 in Syrien aufgenommen hatte. Das Foto zeigt einen Kämpfer der syrischen Opposition mit einer Waffe in der Hand. Auf dem Originalfoto ist unten links im Bild noch eine Videokamera eines Kollegen des Fotografen zu sehen. Diese Kamera hatte Contreras wegretuschiert, wie er selber zugab.

Den Rauswurf kommentierte AP mit deutlichen Worten: «Absichtlich Elemente aus unseren Fotos zu entfernen, ist absolut inakzeptabel und wir haben alle Beziehungen zum freischaffenden Fotografen beendet. Er wird nie wieder in irgendeiner Weise für AP arbeiten», sagte Santiago Lyon, Vizepräsident und Verantwortlicher für Fotografie, in einer Stellungnahme.

Der Ruf von AP habe höchste Priorität und man handle entschlossen, wenn dieser Ruf durch Manipulationen gegen die Vorschriften befleckt werde, hiess es weiter. AP erlaubt zwar, Fotos mittels Software aufzuhellen oder abzudunkeln. Andere Veränderungen sind aber strikt untersagt.

Fälschungsvorwurf auch an Foto des Jahres 2013

Immer wieder wird über das Bearbeiten von Bildern unter Fotografen und Bildagenturen heftig gestritten. Erst im letzten Jahr musste der schwedische Fotograf Paul Hansen sein mit dem World Press Photo Award ausgezeichnetes Bild gegen massive Vorwürfe verteidigen. Das Foto zeigt die Beerdigung zweier Kinder in Gaza-Stadt. Hansen wurde vorgeworfen, er habe das Bild manipuliert. Er habe, hiess es unter anderem, das Bild aus drei verschiedenen zusammengesetzt. Hansen bestreitet die Vorwürfe bis heute.

(bat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sky Captain am 25.01.2014 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut von AP

    Ich finde die Haltung von AP vorbildlich..Recht so auch ein Fotograf der ein Preis gewonnen hat soll sich gefälligst auch an die Regeln halten. Gerade in Konflikten wie in Syrien wo verschiedene Interessen wirken ist es wichtig.

  • Jol Bear am 25.01.2014 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kritische Distanz immer wichtiger

    Nicht nur bei Fotos, auch bei Filmbeiträgen, z.B. Tagesschau, News ist Vorsicht geboten. Die technischen Möglichkeiten bieten Gelegenheit für Manipulation, Sachverhalte so zu verfälschen, dass eine gewünschte aber nicht wahre Aussage gemacht werden kann. Mit dem Ziel, die Meinung der Öffentlichkeit zu manipulieren.

  • FiFi am 25.01.2014 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wilkommen in der Welt der Täuschung

    Heutzutage gibts es bereits spezialisierte Firmen, die Massaker-Inszenierungungen produzieren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tammy am 27.01.2014 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    gehört zur Fotografie, manuell + digital

    Bilder wurden bereits zu Zeiten der manuellen Fotografie bearbeitet und verändert nur war es damals ein wesentlicher mehr Aufwand als heute. Wer glaubt die Bilder von vor 50 Jahren wurden von den Fotografen nicht "retuschiert" sollte sich mal etwas mit der Fotografie beschäftigen. Der Rauswurf ist sicher berechtigt, da er gegen die Regeln der AP verstossen hat. Ich frage mich eher was machte die Videokamera auf dem Bild?

  • janine am 27.01.2014 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    es war ja nur eine kamera....

    ... also ganz ehrlich, es war ja nur eine kamera nichts das irgendwie eine dramatische szene schwächen oder stärken würde...

  • Anonymus am 27.01.2014 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    da laufen Männer mit ihren toten Kindern in den Armen.. Aber die Hauptsache ist doch, dies zu veröffentlichen um so einen Preis zu gewinnen. Wo bleibt die Menschlichkeit? Traurige Welt

  • Grunder am 26.01.2014 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Leute

    Ihr glaubt gar nicht was Ihr alles Retuschiert vorgesetzt bekommt. Ihr werdet einfach in allem Manipuliert.

    • Heinz am 27.01.2014 08:17 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gemacht, AP

      JA da gebe ich Dir absolut recht. Heute kann man leider nicht mehr viel bis gar nichts glauben was einem vorgesetzt wird. Wir werden so manipuliert, damit man ja ruhig ist. Aber es sollte jeder endlich mal bei sich selbst beginnen mit nachdenken und das Hirn einschalten was richtig und falsch ist. Und nicht blind alles glauben. Doch leider können das die wenigsten Menschen noch. Ist doch viel bequemer so wie es ist.

    • magnus am 27.01.2014 10:02 Report Diesen Beitrag melden

      RICHTIG

      Wenn sogar ARD bewusst gefälschte Videos zum Syrienkrieg zeigt (usprünglich Irak-Videos) dann ist es sowieso schon lange vorbei mit der Wahrheit! Uns reicht ja ein Bild von einer bärtigen aufgebrachten Meute in Wüstenatmosphäre und wir glauben gleich an eine Revolution ;)

    • Marlon am 27.01.2014 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz

      Wie auch? Wer nicht vor Ort ist, kann gar nicht selbst urteilen und ist auf Medien angewiesen. Woher soll man nun Richtig oder Falsch unterscheiden können. Die Menschheit ist zu allem fähig. Somit kann niemand sagen, dass das bestimmt nicht sein kann. Und im Krieg ist eh alles möglich. Leider

    • justin am 27.01.2014 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Marlon

      alternative Medien / Internet!

    einklappen einklappen
  • M. Walking On The Water am 26.01.2014 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Manipulation überall

    Man kann da allerlei manipulieren: Sei es mit Photoshop wie in diesem Fall, sei es durch gestellte Szenen. Dann auch durch geschickte Wahl des Bildausschnittes oder schon allein durch die Auswahl der Photos, die man zeigt oder auch die man nicht zeigt. Ob andere Photos, die nicht mit Photoshop verändert worden sind, die Realität zeigen, ist noch lange nicht bewiesen. Wir als Betrachter sollten uns eine gesunde Skepsis gegenüber allem, was uns präsentiert wird, bewahren.