USA

20. Dezember 2019 02:46; Akt: 20.12.2019 06:10 Print

Tabak und E-Zigis gibt es neu erst ab 21 Jahren

Der US-Senat hat am Donnerstag das Mindestalter zum Erwerb von Tabak und E-Zigaretten von 18 auf 21 Jahre angehoben. Die neue Regelung tritt ab dem kommenden Jahr in Kraft.

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57 Tote und über 2000 schwer lungenkranke Personen bereiten der US-Gesundheitsbehörde CDC Sorgen: Was hat ihrer Gesundheit so stark zugesetzt? Und: War wirklich der Konsum von E-Zigaretten dafür verantwortlich? Einige Antworten darauf scheinen nun gefunden. Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und gewissen E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) – die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einer Mitteilung. Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Im September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Doch auch wenn sich der Verdacht nun bestätigt hat, sind laut CDC weitere Untersuchungen notwendig. So könnte es sein, dass noch weitere Chemikalien zu den Erkrankungen beitragen. Vitamin-E-Acetat hat in E-Zigi-Liquids nichts zu suchen, so Frank Henkler-Stephani vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). «Vor allem nicht in dieser Menge. In einigen Liquids lag der Vitamin-E-Acetat-Gehalt zwischen 31 und 88 Prozent. Gleichzeitig war der THC-Gehalt niedriger als angegeben.» (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids) Dieser Umstand deutet laut Henkler-Stephani darauf hin, «dass der Stoff zum Strecken diente – womöglich als Folge von Ernteausfällen, Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Cannabis, die es dieses Jahr in den USA gab». (Im Bild: illegale Marihuana-Plantage in Kalifornien) Grundsätzlich sei so etwas auch in Europa möglich, so der Experte: «Zwar ist das Hinzufügen von Vitaminen in Liquids in Europa verboten. Den Schwarzmarkt interessiert das aber nicht. Vielleicht hatten wir auch Glück, dass es solche Fälle nicht in Europa gab.» Laut Fachmann Henkler-Stephani müssen Vaper keine Angst haben, wenn sie gängige E-Zigis und Liquids nutzen. Besonders sicher sei es, Geräte und Liquids im Fachhandel zu kaufen und bei Produkten zu bleiben, die bereits schon über Wochen und Monate ohne Probleme gedampft wurden. Gemieden werden sollten E-Zigis und Liquids unklarer Herkunft und Zusammensetzung. Halte man sich daran, drohten Vapern in unseren Breitengraden nach aktuellem Kenntnisstand keine erhöhten Risiken, sofern sie Produkte verwenden, die europäischen Regelungen entsprechen, so Henkel-Stephani. Er betont, dass es bei den Fällen in den USA nicht um die Risiken des E-Zigi-Konsums geht, sondern um solche, die sich aus besonderen Formen des Konsums von Cannabis ergeben haben. (Im Bild: Amerikanerin mit CBD-Vape-Pen) «THC-Liquids sind öliger als klassische E-Zigi-Flüssigkeiten und nur mit angepassten Geräten, wie zum Beispiel den sogenannten Oil Vape Pens (Bild), inhalierbar», erklärt Henkler-Stephani. Doch auch wenn die herkömmlichen Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten und ... ... den dazugehörigen Liquids nach bisherigem Wissen deutlich unter jenen von Tabakzigaretten liegen: Harmlos sind sie nicht. Neben Benutzerfehlern geht auch von den handelsüblichen Liquids eine Gefahr aus. So könnten die Verneblungsmittel wie Propylenglykol die Atemwege reizen und die Lungenfunktion vermindern. Zudem entsteht durch Erwärmen des Stoffs kanzerogenes Propylenoxid. Studien haben ausserdem gezeigt, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Eine Studie der University of North Carolina ergab zudem, dass E-Zigaretten Forscher warnen im Fachjournal «Cardiovascular Research» vor potenziellen Risiken des Dampfens für die Herzgesundheit. Demnach enthalten die für das Dampfen benutzten Liquids Feinstaub, Metalle und Aromen, die kardiovaskuläre Probleme verursachen könnten. Auch ist es möglich, dass die Liquids verunreinigt sind. So seien bereits krebserregende Chemikalien, Schwermetalle und andere Stoffe in entsprechenden Produkten gefunden worden, Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weitverbreitet ist. Eine Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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In den USA wurden in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten mehr als 50 Todesfälle und mehr als 2500 Fälle von schweren Lungenerkrankungen registriert.

Eine Mehrheit der Senatoren stimmte im Rahmen einer Haushaltsabstimmung für die Anhebung des Mindestalters. In 19 der 50 US-Bundesstaaten sowie in der Hauptstadt Washington liegt das Mindestalter bereits bei 21 Jahren. Landesweit ist es verboten, Alkohol an Jugendliche unter 21 Jahren zu verkaufen.

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, sagte, er sei stolz darauf, dass die Parlamentskammer für eine Anhebung des Mindestalters gestimmt habe, «um der dringlichen Krise» im Zusammenhang mit E-Zigaretten etwas entgegenzusetzen. Zudem müssten «gefährliche Produkte von unseren Kindern» ferngehalten werden.

«Dampfen» ist steil im Kurs

E-Zigaretten, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft wird, haben in den vergangenen Jahren weltweit enorm an Beliebtheit gewonnen. In einer kürzlich von der US-Regierung in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 28 Prozent der High-School-Schüler an, in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten geraucht zu haben. Drei Jahre zuvor waren es nur elf Prozent.

Die Ursachen für die dutzenden Todesfälle und Lungenerkrankungen durch E-Zigaretten in den USA sind weiterhin nicht vollständig geklärt. Die Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) in den USA erklärten Anfang November, dass wahrscheinlich ein aus Vitamin E gewonnenes Öl die Erkrankungen hervorgerufen habe. Anders als in den USA gab es in der Schweiz bislang keine bedrohliche Zahl an Vergiftungen durch E-Zigaretten.

(scl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bündner am 20.12.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaftes USA

    Und Waffen gibt es im Supermarkt ohne Alterseinschränkung....!

    einklappen einklappen
  • Andy, B am 20.12.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mit 18 in den Krieg geschickt werden

    und sein Leben für das Vaterland, in aus Eigeninteresse selbst angezettelten Kriegen verlieren, darf man dann ?? Alkohol und Zigaretten aber erst ab 21 ???

    einklappen einklappen
  • R.D. am 20.12.2019 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Dann sollten Medikamente verboten werden für alle, da sie bei Kindern Schaden anrichten können? Ausserdem müsste man dann so ziemlich alles verbieten, denn die Dosis macht das Gift. Und es gibt halt Substanzen die bei Kindern und Jugendlichen erhebliche Schäden anrichten können, während der Konsum bei vollständig entwickelten Körper (Gehirn) der Schaden geringer ist. Aufklärung ist jedoch sinnvoller als Verbote!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Billie Boy am 24.12.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Abschreckung der anderen Art

    So hält man die nervigen Teenie-Touristen fern - bravo !

  • Swissgirl am 21.12.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem ist damit nicht gelöst

    Das Problem wird nur verschoben, die Erkrankung und der Tod um ein paar Jahre hinausgezögert. Kein Mensch braucht Zigaretten, E-Zigis, Alkohol und andere Drogen. Was jeder aber braucht ist eine sinnvolle Beschäftigung und die Courage sein Leben zu leben statt es zu ruinieren!

  • D. Stufer am 21.12.2019 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so, niemand braucht Zigis,

    und seien es elektronische, am Allerwenigsten Kinder und Jugendliche...

  • Ganjaflash am 21.12.2019 01:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Signor Rossi am 20.12.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleichen und selbst entscheiden!