Krise auf der Trauminsel

28. Dezember 2017 21:22; Akt: 29.12.2017 19:19 Print

Bali ruft Notstand wegen Abfall am Strand aus

Am Kuta-Strand auf der indonesischen Insel Bali türmen sich täglich 100 Tonnen Abfall. Jetzt wurde der Notstand ausgerufen.

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Bali hat ein riesiges Abfallproblem: Am Kuta-Strand im südlichen Teil der Insel sammelt ein Reinigungstrupp bestehend aus 700 Mann jeden Tag rund 100 Tonnen Plastikmüll, den dann 35 Lastwagen abtransportieren. Die Abfallkrise ist derzeit so schwer, dass die indonesische Regierung den Notstand ausgerufen hat.

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Der betroffene Strand ist bei Touristen eigentlich besonders beliebt, doch: «Wenn ich schwimmen will, ist es nicht sehr angenehm», erzählt die österreichische Touristin Vanessa Moonshine der Nachrichtenagentur AFP. «Ich sehe hier täglich jede Menge Müll. Es ist wirklich schrecklich.»

Kein Ferienparadies mehr: Am Kuta-Strand türmt sich der Abfall. (Video: Tamedia/AFP)

Besonders schlimm zwischen November und März

«Putzmannschaften sammeln Abfälle, aber am nächsten Tag ist die Situation die gleiche», sagt der deutsche Tourist Claus Dignas. Sein Eindruck ist, dass die Menge an Schmutz und Dreck, die aus dem Meer ihren Weg an den Kuta-Strand von Bali findet, mit jedem Jahr zunimmt.

Das Problem verschlimmert sich besonders während der Regenzeit von November bis März, wenn starke Winde und Meeresströmungen Abfall an die Strände bringen und Flüsse Müll an die Küste tragen, sagt Putu Eka Merthawan, Mitglied einer lokalen Umweltschutzagentur.

Menschen essen Plastikmüll durch Fische

Die Müllberge, die sich an den Stränden türmen, machen Balis Ruf als Trauminsel zunichte. Die Inselgruppe im Indischen Ozean ist mit rund 255 Millionen Einwohnern auf Platz vier der bevölkerungsreichsten Länder der Erde – und nach China der zweitgrösste Produzent von Meeresmüll. Jährlich werden 1,29 Millionen Tonnen ins Meer geworfen, die immense Schäden an Ökosystemen verursachen.

Für I Gede Hendrawa, einen Meeresforscher an der Udayana-Universität in Bali, ist das Plastik eine ebenso ernste Bedrohung wie der grosse Vulkanausbruch, den Bali seit zwei Monaten erlebt. «Der Abfall stört die Touristen vor allem aus ästhetischen Gründen, aber das Problem des Plastiks ist viel ernster als das: Mikroplastik kann die Fische verseuchen, die, wenn sie dann von Menschen verzehrt werden, gesundheitliche Folgen wie Krebs verursachen können», so Hendrawa.

70 Prozent des Abfalls müssen weg

Um die Müllkrise zu bekämpfen, hat sich Indonesien der Kampagne «Saubere Ozeane» der Vereinten Nationen angeschlossen, die Anfang 2017 gestartet wurde. Die indonesische Regierung hat sich dazu verpflichtet, den Meeresmüll bis 2025 um 70 Prozent zu reduzieren.

Das Programm zielt darauf ab, die Recyclingquote von Plastik zu erhöhen – im Moment praktisch nicht existent –, Sanierungskampagnen zu starten und den Einsatz von Kunststofftaschen im Einzelhandel zu reduzieren.

Für Meeresforscher Hendrawa sollte die Regierung sogar «Plastiktüten in den Läden verbieten» und die Bevölkerung stärker mobilisieren: «Die Zentralregierung sollte die Kampagne zur Reduzierung der Verwendung von Plastikverpackungen verstärken», meint er.

Sind Sie derzeit auf Bali und erleben die Abfallkrise? Dann schreiben Sie uns.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • philipp am 28.12.2017 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    meere

    einfach traurig wie wir mit den meeren umgehen. aber nur gut, wenn die abfälle an land geschwemmt werden. sonst würde es niemanden interessieren.

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  • nowaste am 28.12.2017 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Entsetzt

    Jährlich werden 1,29 Millionen Tonnen ins Meer geworfen - Ich bin entsetzt! Wie kann man nur!

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  • Diegito am 28.12.2017 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    PERFEKT!

    Erst dann merken die Leute was abgeht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RS am 30.12.2017 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unpassender Film

    Der kleine Film zeigt inhaltlich kein Müll, sonder Schwemmholz oder sogar Holz von einer Überschwemmung. Lasst doch das Filmi weg, wenn ihr kein passendes dazugehöriges Fimmaterial habt. Sonst der Bericht interessant.

  • PH am 29.12.2017 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Saya suka Bali

    Seit meiner ersten Reise vor mehr als zwanzig Jahren, viele Weitere folgten stelle ich fest, dass das Abfallproblem nach wie vor nicht gelöst ist, Ansätze sind zwar vorhanden, leider wird die kleine Insel von Touristenmassen überschwemmt und der Profit steht im Vordergrund, Sanur ist ebenfalls verdreckt und es wird jedes Jahr mehr, schade um dieses ehemals kleine Paradies...

  • War dort.. am 29.12.2017 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

    Ich war vor 25Jahren auf Bali, da war das noch kaum ein Problem. Doch auch in anderen Asiatischen Ländern mit Meeresanstoss, ist dieses Problem vorhanden. Man sollte auf alle Plastikflaschen ein Pfand einführen. Es gäbe genug arme Leute in diesen Länder die sich durch sammeln dieser Flaschen einen Lebensunterhalt erarbeiten könnten.

  • die steirische eiche am 29.12.2017 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein spannendes Interviev

    mehr gibts zu diesem thema nicht zu sagen. Youtube Interview mit Arnold Schwarzenegger zu Klimaschutz und Trump

  • Karin christebän am 29.12.2017 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Glück u pech

    Ich hatte glück im mai 2016 war in bali,jimbaran u war sehr schön. Aber die fischer u einheimischen werfen doch selber abfälle ins meer. Das haben wir am flighafen pistedamm abfallmüll entdeckt. Es ist vom meereströmung,ob das zum strand schwimmt.