Anschlag in Brüssel

25. Mai 2014 15:01; Akt: 25.05.2014 15:31 Print

Täter war allein, bewaffnet und gut vorbereitet

Ein Einzeltäter soll den Anschlag im jüdischen Museum in Brüssel verübt haben. Die Behörden rufen die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Ein Opfer schwebt noch immer in Lebensgefahr.

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Nach der Schiesserei im Jüdischen Museum von Brüssel mit drei Toten sucht die Polizei jetzt nach einem einzelnen Tatverdächtigen. Die stellvertretende Staatsanwältin Ine Van Wymersch sagte am Sonntag, der Verdächtige sei «wahrscheinlich allein, bewaffnet und gut vorbereitet» gewesen. Die Polizei hatte nach der Tat am Samstag später am Abend einen Mann festgenommen, dann aber wieder freigelassen und betrachtet ihn nun als Zeugen.

Die Behörden verschärften die Sicherheitsmassnahmen vor jüdischen Einrichtungen und riefen die Bevölkerung auf, bei der Festnahme des Verdächtigen mitzuhelfen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollten noch am Sonntag Videoaufzeichnungen veröffentlicht werden.

Zwei Männer in Paris verhaftet

Zu der Tat am Vorabend der Europawahl bekannte sich zunächst niemand. Es gebe jedoch Hinweise auf einen antisemitischen Hintergrund, hiess es. Durch die Schüsse des Unbekannten kamen ein israelisches Paar und eine Französin ums Leben, ein Belgier wurde den Angaben zufolge schwer verletzt.

Innenministerin Joëlle Milquet sagte, der Schütze habe ein Auto vor dem Jüdischen Museum geparkt, habe dann «eher schnell geschossen, kam heraus und fuhr weg».

Politiker verurteilen die Tat

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Tat in der Nacht als Folge einer Aufstachelung gegen Juden verurteilt. Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

Der belgische Ministerpräsident Elio di Rupo sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er habe bei einem Telefongespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu auch seine tiefe Erschütterung ausgedrückt, teilte dessen Büro am Sonntag mit.

Tiefe Anteilnahme

Der französische Staatspräsident François Hollande verurteilte ebenfalls die Bluttat und versicherte dem benachbarten Belgien die Solidarität Frankreichs zu.

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Plattform der Liberalen Juden der Schweiz (PLJS) zeigten sich bestürzt über den «heimtückischen Anschlag». Die beiden Dachverbände seien entsetzt, teilten sie am Sonntag mit. Den Angehörigen der Opfer drückten sie «ihre tief empfundene Anteilnahme aus».

Das Jüdische Museum in Brüssel war vor neun Jahren eröffnet worden. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Es will nach eigenen Angaben am Dienstag wieder öffnen

(sda)