Tötungsdelikt Prozess in Genf

29. März 2011 19:44; Akt: 29.03.2011 22:33 Print

Täterin leidet an Borderline-Syndrom

Im Prozess um die Ermordung einer jungen schwangeren Frau im November 2007 in Vernier GE haben am Dienstag mehrere Psychiater vor dem Genfer Kriminalgericht zur Persönlichkeit der beiden Angeklagten ausgesagt. Das Paar hatte die Frau im November 2007 getötet.

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Die zwei Experten, welche die 30-jährige, mutmassliche Täterin begutachtet hatten, diagnostizierten bei ihr eine Borderline- Persönlichkeitsstörung.

Bereits 1999 hatte man bei ihr diese Störung festgestellt. Damals stand sie wegen Raubs vor Gericht. Bei ihrer Straftat hatte sich die Frau besonders grausam verhalten. Dafür war sie zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Im aktuellen Fall attestierten ihr die beiden Psychiater eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit. Trotzdem habe sie gewusst, dass sie etwas Verbotenes tue, schlussfolgerten die Experten. Die Angeklagte habe sich als Opfer der Umstände dargestellt, habe Bedauern über ihr Schicksal geäussert, ohne jedoch auf die Konsequenzen für die Familie der Ermordeten einzugehen.

Rückfall ausgeschlossen

Ihr Partner, ein 28-jähriger Mann, tendiert laut dem dritten Experten dazu, sich anderen zu unterwerfen. Schlüssig erklären, warum der sozial gut integrierte, zum Elektriker ausgebildete Mann seine im dritten Monat schwangere Geliebte erwürgt hatte, konnte jedoch er nicht.

Als mögliche Erklärung für die Tat des Mannes sah der Experte entweder eine «abnormale Wechselwirkung», die in der Beziehung des Paares spielte, oder eine «Laisser-Faire-Haltung» des Angeklagten. Einen Rückfall des 28-Jährigen schloss der Psychiater aber aus.

Leiche angezündet

Die beiden Angeklagten waren seit 2005 ein Paar und haben einen gemeinsame Sohn. Als die 20-jährige Geliebte des Mannes schwanger wurde, tötete das Paar die junge Frau in der Nacht vom 2. auf den 3. November 2007. In der Industriezone von Vernier GE erwürgten der Mann seine Geliebte.

Anschliessend brachten sie den leblosen Körper der Frau in einen Wald im Kanton Freiburg. Dort zündeten sie die Leiche an, legten diese in ein Loch und streuten Kalkpulver darüber, um den Verwesungsgeruch zu unterdrücken.

Die Angeklagten müssen sich wegen Mordes, strafbaren1 Schwangerschaftsabbruchs und Störung der Totenruhe vor Gericht verantworten. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

(sda)