McDonald's-Attacke

29. November 2014 00:26; Akt: 29.11.2014 00:26 Print

Tapfere Tugçe schläft nun für immer

Eine junge Studentin kommt zwei Mädchen zu Hilfe – und wird ins Koma geprügelt. Heute, an ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet.

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Der Fall von Tugçe A. beschäftigt Deutschland seit Tagen: Die junge Studentin aus dem Kreis Offenbach war auf dem Parkplatz einer McDonald's-Filiale ins Koma geschlagen worden, weil sie zwei belästigten Mädchen zu Hilfe geeilt war. Mittlerweile ist Tugçe A. für hirntot erklärt worden – heute, an ihrem 23. Geburtstag, wurden die lebenserhaltenden Maschinen laut deutschen Medien abgestellt. Am Freitagabend wollten sich unter dem Motto «Tugçe zeigte Zivilcourage, zeigen wir ihr unseren Respekt» zahlreiche Menschen vor dem Spital versammeln, wie deutsche Medien berichten .

In Deutschland hat die Tat eine neue Debatte über Zivilcourage ausgelöst. In einer Online-Petition fordern bereits mehr als 12'000 Menschen, der jungen Frau postum das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik für besondere Leistungen.


Tugçe A. wollte zwei Mädchen schützen

Fast zwei Wochen bangten Familie, Freunde und Bekannte um das Leben der couragierten Lehramts-Studentin. Dabei sah es von Anfang an schlecht für sie aus. In der Nacht des 15. November war Tugçe A. mit Freunden unterwegs, auf dem Weg nach Hause machten sie noch einmal Halt bei einem McDonald's. Als die 22-Jährige Schreie aus der Toilette hörte, ging sie nachschauen. Eine Gruppe junger Männer, so berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», bedrängte zwei minderjährige, offenbar betrunkene Mädchen. Tugçe A. ging dazwischen, wollte die Mädchen schützen.

Als sie und ihre Freundinnen das Fastfood-Restaurant kurz darauf verliessen, warteten die Männer draussen schon auf sie. Sanel M., ein 18-jähriger Serbe, versetzte Tugçe A. einen Schlag gegen die Schläfe. Sie stürzte auf den Asphalt, wurde bewusstlos, Blut floss aus ihrem Ohr. Ein Stück Burger rutschte offenbar in die Luftröhre, im Spital stellten die Ärzte später einen Schädelbasisbruch fest. Die Mediziner machten der Familie wenig Hoffnung auf Genesung.

Der mutmassliche Täter, dessen Gewaltakt von einer Kamera aufgezeichnet wurde, schweigt bis heute. Von den beiden bedrängten Mädchen, die Tugçe A. schützen wollte, fehlt jede Spur. Zurück bleiben die Familie des Opfers und ihr Verlobter – im kommenden Jahr wollte die junge Frau heiraten.

(mlr/hae)