12 Tote in Sizilien

04. November 2018 16:26; Akt: 04.11.2018 18:18 Print

«Mir bleibt nichts mehr ausser meiner Tochter»

Nach den schweren Unwettern in ganz Italien ist in Sizilien eine Familie in ihrem Landhaus nahe Palermo ums Leben gekommen, weil ein Fluss das Haus mit Wasser und Schlamm flutete.

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In diesem Haus in der Nähe von Casteldaccia starben neun Personen. Unter den Toten sind auch drei Kinder. «Ich habe alles verloren. Mir bleibt nichts mehr, ausser meiner Tochter», sagte einer der Überlebenden, Guiseppe Giordano, vor Journalisten. Er verlor seine Frau, zwei seiner Kinder, seine Eltern und seine Geschwister bei dem Unglück. Auch Luca Rughoo verlor einen Sohn, seine Frau und seine Mutter in den Fluten. Auch Leichenwagen an der Unglücksstelle angekommen. Der Fluss Milica ging über die Ufer. Taucher fanden die Opfer in ihrem Haus. Es handelt sich um zwei Familien. Das Unwetter in Italien sorgte für Millionen von zerstörten Bäume. Die Bäume hatten der Windgeschwindigkeit von bis zu 180 Stundenkilometern nichts entgegen zu setzen. Ein Grossteil davon geht auf den Norden Italiens zurück. Der Lago di Vodo ist voller Bäume. Die Schlechtwetterfront mit Starkregen und Sturmböen lähmt seit Tagen weite Teile Italiens. Wegen der Unwetter wurden in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen geschlossen. Ankommende Schiffe müssten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten, teilte Regionalpräsident Giovanni Totti am Montagabend mit. In Venedig löste starker Scirocco-Wind im Zusammenspiel mit Hochwasser in der Lagune die als «Acqua Alta» bekannten Überschwemmungen aus. (29. Oktober 2018) Land unter in Venedig. Der Markusplatz stand 1,56 Meter tief unter Wasser, Restaurants und Bars wurden überflutet. Davide Natale (21) wurde Opfer des Sturms in Italien: In der Nähe von Neapel wurder er von einem Baum erschlagen. Er starb noch im Spital. In der Region Venetien wurden Überschwemmungen und Erdrutsche befürchtet. Schulen in der gesamten Region, in der auch Venedig liegt, blieben am Montag geschlossen. (29. Oktober 2018) In Venedig wurde am Nachmittag ein Hochwasser von 150 Zentimetern erwartet - so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Schon am Sonntag war der Markusplatz überflutet, die Menschen bewegten sich - wie in solchen Situationen üblich - auf Holzstegen fort. Touristen haben es in Venedig zurzeit nicht leicht. In Norditalien nahe Udine kam es nach Starkregen zu Überflutungen. Auch Rom wurde vom Unwetter getroffen. Der Sturm entwurzelte zahlreiche Bäume. In Rom blieben Schulen und Kindergärten geschlossen, die Menschen sollten nach Möglichkeit zuhause bleiben. Auf der Insel Elba stürzte ein historischer Bergwerks-Steg im Meer ein. (28. Oktober) Im Südtirol ging am vergangenen Sonntag eine Mure auf die Brenner-Autobahn nieder. (28. Oktober 2018) Die wichtige Verkehrsachse zwischen Österreich und Italien musste zwischen Brenner und Sterzing gesperrt werden, wie der Betreiber mitteilte. Ein Orkan hatte im österreichischen Kärnten als Vorbote erwarteter Überflutungen Dächer abgedeckt und rund 1400 Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten. Heftige Unwetter haben auch weite Teile Italiens getroffen: Eine Strasse in Davagna, Genua. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben.

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Nach den verheerenden Unwettern in Italien ist die Zahl der Toten landesweit auf über 30 gestiegen. Auf der süditalienischen Insel Sizilien starben allein in der Nacht zum Sonntag mindestens zwölf Menschen durch Überschwemmungen, darunter neun Mitglieder einer Familie, die in ihrem Landhaus nahe Palermo ums Leben kamen.

Die Familie aus Palermo verbrachte das Wochenende in dem Landhaus in Casteldaccia, als der kleine Fluss Milicia nach starken Regenfällen am Samstag über die Ufer trat und das Haus mit Wasser und Schlamm flutete. Unter den Toten waren Kinder im Alter von einem, drei und 15 Jahren. Die anderen toten Familienmitglieder waren nach Angaben der Feuerwehr zwischen 32 und 65 Jahre alt.


Drei weitere Familienangehörige konnten sich Medienberichten zufolge in Sicherheit bringen, einer von ihnen rettete sich auf einen Baum. «Ich habe alles verloren. Mir bleibt nichts mehr, ausser meiner Tochter», sagte einer der Überlebenden, Guiseppe Giordano, vor Journalisten. Er verlor seine Frau, zwei seiner Kinder, seine Eltern und seine Geschwister bei dem Unglück.

«Totale Katastrophe»

Der sizilianische Staatsanwalt Ambrogio Cartosio sprach nach einem Flug über Casteldaccia von einer «totalen Katastrophe». Die Behörden leiteten Ermittlungen ein, um zu klären, ob die Häuser nahe des Flusses den rechtlichen Sicherheitsvorschriften entsprachen.

Ein 44-jähriger Tankstellenbetreiber kam der Agentur Agi zufolge am Samstagabend in derselben Region in der Gemeinde Vicari ums Leben, als er einem Mitarbeiter mit seinem Jeep zu Hilfe eilen wollte. Ein 20 Jahre alter Beifahrer wurde weiterhin vermisst, ebenso ein 40 Jahre alter Arzt, der auf dem Weg zum Krankenhaus in Corleone war und wegen des Unwetters sein Auto unterwegs stehen lassen musste.

Zwei Personen wurden tot in ihrem Mietwagen gefunden

Weiter südlich in der Region Agrigente wurden zwei in Deutschland lebende Sizilianer – ein Mann und eine Frau – tot in ihrem Mietwagen gefunden, der von den Fluten mitgerissen worden war, wie die Feuerwehr berichtete.

Soldaten wurden zur Überprüfung der wichtigsten Verkehrswege in der Region entsandt. Bereits Anfang der Woche hatte heftiger Regen auf Sizilien Überschwemmungen ausgelöst. Viele Strassen waren unpassierbar, Schulen blieben geschlossen.

Bereits seit einer Woche herrschen in weiten Teilen Italiens Unwetter mit Starkregen und Sturm. Am Freitag wurden auf Sardinien eine 62-jährige deutsche Urlauberin und eine 87 Jahre alte Frau bei einem Gewitter vom Blitz erschlagen.

Im Nordosten Italiens wurden Millionen Bäume entwurzelt.


Unwetter in Italien

(roy/sda)