Konstanz (D)

10. Februar 2011 15:10; Akt: 10.02.2011 19:23 Print

Taximörder muss lebenslang in Klinik

Er hat eine Taxifahrerin vergewaltigt und ermordet. Das Urteil ist nun gefallen. Für seine Taten wird der Mann lebenslang in einer psychiatrischen Klinik versorgt.

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Andrej W. wurde vom Landgericht Konstanz zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an einer Taxifahrerin verurteilt. (Bild: Keystone)

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Vollkommen regungslos nimmt der 28 Jahre alte Andrej W. sein Urteil entgegen. Seine Mütze, mit der er sein Gesicht vor Kameras schützt, hat er vor Gericht abgenommen. Angestrengt blickt er auf den Boden. Wegen Mordes an einer Taxifahrerin in Hagnau im Juni 2010 hat ihn das Konstanzer Landgericht am Donnerstag zu lebenslanger Freiheitsstrafe sowie Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt.

Zudem wurde er des versuchten Mordes und der Vergewaltigung einer weiteren Taxifahrerin in Singen schuldig gesprochen. Das Opfer, das knapp überlebte, sitzt ihm bei der Urteilsverkündung am Donnerstag im Rollstuhl gegenüber und wendet den Blick nicht ab von ihrem Peiniger. Nach Aussage von Medizinern wird sie wohl für immer an den Rollstuhl gefesselt bleiben.

Richter: «Leichen als Objekt der Begierde»

Sie hört die erschreckenden Befunde des Vorsitzenden Richters, Jürgen Bischoff, mit an. Andrej W. habe gewusst, dass er nicht töten und vergewaltigen dürfe, sagt dieser bei der Urteilsbegründung. Doch der abartige Drang, Sex mit toten Frauen zu haben, sei stärker gewesen, als der Wille sich zu kontrollieren. «Leichen sind das Objekt seiner Begierde», sagte Bischoff.

In der Summe haben die Befunde des Gutachters das Gericht aber dazu bewogen, eine «erheblich verminderte Schuldfähigkeit» festzustellen. Das psychiatrische Gutachten habe gezeigt, dass der Verurteilte an verschiedenen psychischen Störungen leide. Unter anderem zählte der Richter Nekrophilie, Sadismus, dissoziale Persönlichkeit, Unfähigkeit zu Mitgefühl und Hang zu Gewalt auf.

Seelische Störungen nicht vorgespielt

Den Vermutungen der Nebenkläger, Andrej W. habe die seelischen Störungen nur vorgespielt, erteilte das Gericht eine Absage. «Niemand ohne psychologischen Hintergrund und mit einem IQ von 74 täuscht einen erfahrenen psychiatrischen Gutachter auf diese Weise», sagte der Richter weiter.

Eine besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht nicht fest, denn das stehe im Widerspruch zur verminderten Schuldfähigkeit, sagte der Richter. Unter diesen Umständen sei auch eine Sicherungsverwahrung nicht anzuordnen. «Aber ich kann die Öffentlichkeit insofern beruhigen, als dass es in Baden-Württemberg eine Klinik gibt, die der höchsten Sicherheitsstufe entspricht».

(ap)