«Luftmine Koblenz»

02. Dezember 2011 13:26; Akt: 02.12.2011 13:40 Print

Teile von Koblenz werden evakuiert

Am Sonntag wird in Koblenz eine Bombe entschärft. Deshalb müssen bereits jetzt 45 000 Menschen ihre Häuser verlassen. Auch Patienten auf der Intensivstation müssen daran glauben.

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Koblenz bereitet sich weiter intensiv auf die für Sonntag geplante Entschärfung einer 1,8 Tonnen schweren Luftmine vor. Die Evakuierung mehrerer Stadtteile laufe auf Hochtouren, sagte ein Sprecher des extra eingerichteten Lagezentrums «Luftmine Koblenz» am Freitag auf dapd-Anfrage. Die Verlegung von Patienten aus den Intensivstationen zweier betroffener Krankenhäuser sei weitgehend abgeschlossen.

Insgesamt müssen den Angaben zufolge 180 Patienten verlegt werden. Hinzu kommen 350 Bewohner aus sieben Altenheimen, die im Sperrbezirk liegen, und 130 pflegebedürftige Menschen aus Privathaushalten. Auch die Räumung eines Gefängnisses mit 200 Häftlingen sollte am Freitag beginnen.

Bis Sonntag 9.00 Uhr müssen 45 000 der 106 000 Koblenzer ihre Wohnungen verlassen haben. Es ist eine der grössten Evakuierungsmassnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte, bei der mehr als 2000 Helfer von Polizei, Feuerwehr und verschiedenen Hilfsorganisationen im Einsatz sein werden.

Vier Bundesstrassen werden gesperrt

Während der Entschärfung werden auch vier Bundesstrassen in Koblenz für den Verkehr gesperrt. Es handelt sich um die linksrheinische B 9 und die rechtsrheinische B 42, sowie um die B 327, die in der Stadt in die B 49 übergeht und den Fluss überquert. Auch für den Schiffs- und Zugverkehr wird Koblenz am Sonntag gesperrt sein.

Der Bau eines künstlichen Damms rund um den im Rhein liegenden Sprengsatz aus dem Zweiten Weltkrieg ist unterdessen weitgehend abgeschlossen. Am Freitag würden noch letzte Arbeiten vorgenommen, sagte der Sprecher. Der Damm besteht aus 350 überdimensionalen Sandsäcken, die jeweils rund eine Tonne schwer sind.

Im Laufe des Freitags wollte die Feuerwehr damit beginnen, das Areal leerzupumpen. Über der Bombe soll anschliessend ein Zelt errichtet werden, um die Einsatzkräfte des Kampfmittelräumdienstes vor möglichen Regenfällen zu schützen.

Aufgrund des derzeit niedrigen Wasserstands des Flusses sind in den vergangenen Wochen immer wieder gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg im Rhein aufgetaucht. In Koblenz liegen noch ein Nebelfass und eine amerikanische 125-Kilogramm-Bombe in der Nähe der Mine, die ebenfalls am Sonntag entschärft werden sollen.


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(ap)