Religion versus Rechtsstaat

05. Januar 2019 16:25; Akt: 05.01.2019 16:25 Print

Fünf Fakten zum Tempel-Konflikt in Indien

1400 Festnahmen, Tränengas, Ausgangssperren – der Streit um das Zutrittsrecht für Frauen zu einem heiligen Hindutempel eskaliert. Die Hintergründe.

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Der Sabarimala-Tempel auf einem Berg im südindischen Kerala ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Seit dem 2. Januar 2019 steht er jedoch im Mittelpunkt eines Konfliktes. Zwei Frauen hatten sich erstmals heimlich Zutritt zu dem Tempel verschafft - und damit in mehreren Städten für wütende Proteste von Hindu-Hardlinern gesorgt. Über Jahrhunderte war Frauen im gebärfähigen Alter der Zutritt zum Tempel verboten. Für Hindu-Fundamentalisten gelten sie als «unrein». Nach Bekanntwerden der Aktion ordnete der oberste Priester die Schliessung des Tempels an, um ein «Reinigungsritual» vorzunehmen. In dem Tempel befindet sich der mit viel Gold verzierte Schrein zu Ehren des Hindu-Gottes Ayyappa, des Sohnes von Shiva und Vishnu. Mit zwölf Jahren gab Ayyappa sich demnach als Gottheit zu erkennen, als er auf einer Tigerin reitend aus dem Wald zurückkehrte. Der Junge schoss einen Pfeil ab. Dieser landete dort, wo heute der Tempel steht. Nur Männer und Buben dürfen den Sabarimala-Tempel besuchen. Sie müssen dafür 41 Tage lang enthaltsam leben und auf Sex, Fleisch, Rauschmittel und auch auf das Rasieren verzichten. Mit rituellen Perlenketten geschmückt wandern die Gläubigen kilometerweit. Die 18 goldenen «heiligen Stufen» zum Haupthof dürfen aber nur diejenigen besteigen, die enthaltsam waren und eine Opfergabe wie Kokosnüsse, Rosenwasser oder Reis mitbringen. Das Oberste Gericht in Indien hatte im September 2018 nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Aktivistinnen versuchten seither immer wieder vergeblich, zu dem auf einem Berg gelegenen Schrein zu gelangen. Sie wurden jedoch stets von Hindu-Traditionalisten abgehalten. Gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts legten zahlreiche konservative Hindu-Bewegungen sowie die hinduistisch-nationalistische Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Regierungschef Narendra Modi Widerspruch ein. Bei Zusammenstössen zwischen Hindu-Hardlinern und der Polizei wurden am 2. und 3. Januar 2019 1370 Menschen festgenommen. Ein Mensch wurde getötet, 15 weitere verletzt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten ein.

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Im südindischen Bundesstaat Kerala eskaliert ein Streit um das Zutrittsrecht für Frauen zu einem heiligen Hindutempel: Am Donnerstag betete eine dritte Frau im Sabarimala-Tempel und sorgte damit für eine neue Provokation für Hindu-Hardliner.

Am Mittwoch hatten sich erstmals zwei Frauen heimlich Zutritt zu dem Tempel verschafft – und damit in mehreren Städten wütende Proteste von Hindu-Traditionalisten ausgelöst. Bei Zusammenstössen mit der Polizei wurden 1370 Menschen festgenommen. Ein Mensch wurde getötet, 15 weitere verletzt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten ein. Nach heftiger Gewalt am Donnerstag verhängten die Behörden in den Städten Palakkad und Kasaragod eine Ausgangssperre.

1. Was ist der Grund für die Proteste?

Der Sabarimala-Tempel gilt als einer der heiligsten Hindutempel. Seit Jahrhunderten dürfen Frauen in gebärfähigem Alter den Tempel nicht betreten. Dem Verbot liegt die im Hinduismus verbreitete Annahme zugrunde, dass menstruierende Frauen unrein seien.


2. Warum gehen Frauen trotzdem in den Tempel?

Das Oberste Gericht Indiens hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Frauenaktivistinnen versuchen seither immer wieder vergeblich, zu dem Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen.

3. Wo befindet sich der Tempel?

Der Sabarimala-Tempel liegt auf einem 915 Meter hohen Berg in einem Wald, zu dem auch ein Tigerreservat gehört, und ist erst nach einem etwa vierstündigen Aufstieg zu erreichen.

4. Wem ist der Tempel gewidmet?

In dem Tempel befindet sich der mit viel Gold verzierte Schrein zu Ehren des Hindu-Gottes Ayyappa, des Sohnes von Shiva und Vishnu. Der Überlieferung nach wurde er von einem König der Pandalam-Dynastie aufgezogen. Mit zwölf Jahren gab Ayyappa sich demnach als Gottheit zu erkennen, als er auf einer Tigerin reitend aus dem Wald zurückkehrte. Der Junge schoss einen Pfeil ab. Dieser landete dort, wo heute der Tempel steht.

5. Wer darf den Tempel betreten?

Männer und Buben. Bevor sie den Tempel besuchen, müssen sie 41 Tage enthaltsam leben und auf Sex, Fleisch, Rauschmittel und auch auf das Rasieren verzichten. Mit rituellen Perlenketten geschmückt wandern die Gläubigen anschliessend kilometerweit. Die 18 goldenen «heiligen Stufen» zum Haupthof dürfen aber nur diejenigen besteigen, die enthaltsam waren und Opfergaben wie Kokosnüsse, Rosenwasser oder Reis mitbringen.

(kle)