01. April 2005 07:25; Akt: 01.04.2005 08:22 Print

Terris letzte Momente

Mit mühevollem, schnellem Atem und rot gefleckter Haut klammerte sich Terri Schiavo in ihren letzten Momenten an eines ihrer geliebten Stofftiere.

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Ihr Mann Michael war bei ihr in dem Hospiz, wo er seit dem Ende der künstlichen Ernährung vor zwei Wochen jede Nacht verbracht hatte.

Am frühen Mittwochmorgen war klar geworden, dass für die 41-Jährige die letzte Phase ihres Lebens begonnen hatte. Michael Schiavos Anwalt George Felos kam an diesem Tag um 10.30 Uhr (Ortszeit) in das Hospiz und blieb, untypischer für ihn, den restlichen Tag dort. Am Abend dann wurde Terri Schiavos Atem schwer. «Wir dachten, das Ende ist nah», sagte Felos. Ein Mitarbeiter des Hospizes erleichterte daraufhin Schiavo das Atmen noch einmal, indem er sie in eine andere Position brachte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schlief Michael Schiavo, wie in den anderen 13 Nächten zuvor, in einem kleinen Raum neben dem seiner Frau. Wenn Schiavos Familie sie besuchen wollte, verliess der Ehemann gewöhnlich das Zimmer, so auch am Donnerstagmorgen um sieben. Um 8.45 Uhr baten Hospizmitarbeiter den Vater und die Schwester von Terri Schiavo, für eine Untersuchung aus dem Zimmer zu gehen. Daraufhin sei der sichtlich verzweifelte Vater mit einem Wachmann in Streit geraten, sagte der Anwalt. «Wir wollen dabei sein, wenn sie stirbt», soll Bob Schindler dem Pfarrer der Familie zufolge gesagt haben.

Das grösste Anliegen sei seinem Mandanten «ein friedlicher und würdevoller Tod für Terri» gewesen, sagte Felos. Schindlers Ersuchen, dabei zu sein, liess er von der Polizei zurückweisen. Etwa zur selben Zeit kamen Hospizmitarbeiter zu Michael Schiavo und sagten ihm, wenn er seine Frau noch einmal sehen wolle, bevor sie sterbe, dann «kommen Sie besser sofort».

Michael Schiavo wiegte seine Frau, während sie eine getigerte Stoffkatze mit ihren kalten, fürchterlich angezogenen Armen umklammerte. Ebenfalls anwesend waren Felos, ein weiterer Anwalt, Michael Schiavos Bruder Brian und mehrere Mitarbeiter des Hospizes, die die Patientin während ihres fünfjährigen Aufenthaltes gepflegt hatten. Ein Strauss weisser Lilien und Rosen verbreitete seinen Duft.

Um 9.00 Uhr war Terri Schiavo tot. Ihre Eltern Bob und Mary Schindler waren zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Hospizgelände. Nach einiger Zeit ging Michael Schiavo und erlaubte der Familie seiner Frau, den Leichnam zu sehen. Als auch die Schindlers gegangen waren, wuschen Hospizangestellte den Leichnam. Der Ehemann sah sie sich ein letztes Mal an, bevor die Leiche zur Autopsie gegeben wurde. Etwa 40 Hospizmitarbeiter nahmen in einem Kreis Abschied von Terri Schiavo, als sie auf der Trage lag.

Um 11.00 Uhr versammelten sich die Demonstranten vor dem Hospiz und vernahmen die Nachricht von Schiavos Tod. Zwei Lieferwagen verliessen das Hospizgelände in unterschiedliche Richtungen.

(ap)