Zoo-Schliessung

29. Mai 2017 15:17; Akt: 29.05.2017 15:17 Print

Tiere warten seit einem Jahr auf neues Zuhause

Ob Garoto, das Nilpferd, oder Shaki, die Giraffe – sie sollten längst aus ihren Käfigen befreit sein. Doch noch immer ist unklar, wohin mit den Tieren.

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Löwengebrüll vermischt sich in Buenos Aires mit dem Aufröhren von Automotoren, trompetende Elefanten übertönen das Hupen von Bussen. Doch der 1875 eröffnete Zoo der Stadt ist so sehr in die Jahre gekommen, dass die Verantwortlichen im vergangenen Jahr nur noch eine Möglichkeit sahen: die sofortige Schliessung. In der Praxis hat sich bisher aber kaum etwas geändert. Die meisten Tiere leben noch immer unter nicht artgerechten Bedingungen.

«Es war schon schlimm, doch inzwischen ist es noch schlimmer geworden», sagt Claudio Bertonatti, ein Ex-Direktor des Zoos, der heute Berater der Naturschutz-Organisation Fundación Azara ist. «Alles deutet darauf hin, dass die Arche Noah Schiffbruch erleiden wird.» Geplant war eine Umgestaltung des Geländes in einen Ökopark. Die meisten der 1500 Tiere sollten ausgewildert oder in weitläufigere Wildtiergehege umgesiedelt werden.

«Wir werden uns Zeit nehmen»

Bürgermeister Horacio Rodriguez Larreta hatte betont, dass die Zootiere ein «Schatz» seien, der nicht in Gefangenschaft und nicht in unmittelbarer Nähe zum Lärm und zur Luftverschmutzung der Strassen gehalten werden dürfe. Seitdem wurden einige Kondore freigelassen. Zudem konnten etwa 360 Tiere, die aus dem illegalen Wildtierhandel beschlagnahmt worden waren, an andere Institutionen übergeben werden. Von den eigentlichen Zootieren, die der Stadt gehören, hat bisher jedoch kein einziges eine neue Bleibe gefunden.

«Wir wussten, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen würde», sagte Rodriguez Larreta kürzlich an einer Pressekonferenz. «Sollten wir den Prozess beschleunigen, würden wir die Tiere in Gefahr bringen. Deswegen werden wir uns die Zeit nehmen, die erforderlich ist.»

Gemeinsam mit dem für Modernisierung zuständigen Minister Andy Freire präsentierte der Bürgermeister neue Pläne für das Gelände. Einige Tiere sollen dauerhaft bleiben, allerdings nicht mehr in Käfigen, sondern in «kontrollierten Zonen». Zur Abgrenzung der Bereiche sollen nicht mehr Gitterstäbe dienen, sondern natürliche Barrieren wie Felsen oder Gräben. Die Grünflächen des Parks sollen von 10,9 auf 13,5 Hektar ausgeweitet werden. Zudem ist ein futuristisches Gebäude geplant, das ein neues «Zentrum der Biodiversität» beherbergen soll.

Hindu-Tempel, chinesische Pagode

Kritiker monieren, dass die Pläne zu langfristig angelegt seien und der Schwerpunkt auf ambitionierter Architektur und Parkgestaltung liege, während das Schicksal der Tiere ungewiss sei. Ein Bündnis aus Naturschutz- und Veterinärgruppen forderte am 28. April klare Aussagen darüber, welche Tiere dauerhaft in dem Park bleiben sollten. Die einzigen Veränderungen seit der Schliessung des Zoos seien «ein neuer Name, höhere Eintrittspreise, die Abschirmung von einigen Teilbereichen und zusätzliches Personal, was allerdings nicht den Tieren zugute gekommen sei», hiess es.

Nach dem Konzept des ersten Zoodirektors vor gut 140 Jahren wurden die Gehege in Anlehnung an die Herkunft der jeweiligen Tierart angelegt. Für die asiatischen Elefanten wurde ein Hindu-Tempel nachgebaut, auf dem Gelände der Giraffen steht ein arabisch anmutendes Gebäude und die Roten Pandas können in einer chinesischen Pagode spielen. Viele der Konstruktionen stehen bis heute, sind aber stark renovierungsbedürftig. Und während das Gelände des Zoos zur Zeit seiner Gründung noch am beschaulichen Stadtrand lag, ist es heute von der lärmenden Metropole fest umschlungen. Vor allem aber sind fast alle Gehege nach heutigen Standards viel zu klein.

Nur noch 2000 Besucher am Tag

Immerhin eine Verbesserung hat die offizielle Schliessung des Zoos vor einem Jahr den Tieren gebracht. Der Park kann zwar nach wie vor besucht werden. Doch während sich früher oft bis zu 10'000 Menschen pro Tag an den Käfigen entlang drängelten, werden heute nur noch maximal 2000 Besucher hereingelassen. Einige Bereiche sind zudem komplett für die Öffentlichkeit gesperrt.

Experten zufolge ist im Falle vieler Tiere fraglich, ob die geplante Auswilderung sinnvoll ist. Manche dürften so sehr an das Zoo-Dasein gewöhnt sein, dass sie selbst in einem geschützten Wildtier-Reservat nicht lange überleben würden. Für andere wiederum wäre allein der Transport ein enormes Risiko. Darüber hinaus ist noch unklar, welche Reservate, Parks oder sonstige Institutionen eigentlich Interesse an Tieren aus Buenos Aires haben könnten.

Ein Festhalten am Status quo ist nach Ansicht von Tierschützern keine Option. Bisher habe die Stadtverwaltung bloss für einige kleinere Aufwertungen gesorgt, insgesamt aber sei die Anlage vom totalen Verfall geprägt, sagt Juan Carlos Sassaroli, ein Veterinär, der früher für den Zoo gearbeitet hat. «An den Gehegen hat sich nichts geändert. Und es ist offensichtlich, dass die Tiere leiden.»

(B. Wünsch/ap)