«Psycho» in Brooklyn

10. Juli 2014 09:13; Akt: 10.07.2014 09:30 Print

Tote Mutter als Mitbewohnerin

Eine Frau in Brooklyn lebte mindestens ein Jahr lang mit der verwesenden Leiche ihrer Mutter in einer Wohnung. Sie kleidete sich wie die Tote und schlief in einem Stuhl neben ihr.

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In Alfred Hitchcocks berühmtem Horrorfilm «Psycho» umsorgt der Leiter eines Motels seine tote Mutter so, als sei sie noch am Leben. Ein ähnlich gestörtes Drehbuch spielte sich im New Yorker Stadtteil Brooklyn ab. Dort konnte sich eine junge Frau nicht mit dem Tod der Mutter abfinden.

Die schreckliche Situation im Quartier Borough Park kam zum Vorschein, als die Verwaltung eines Apartmenthauses der Quelle eines Wasserschadens auf die Spur kommen wollte. Der Abwart versuchte am Montagnachmittag in die Wohnung B5 vorzudringen, aber er konnte die Tür wegen eines dahinterliegenden Abfallbergs kaum öffnen.

Grausige Entdeckung

Nach einem Bericht der «New York Daily News» sah er vom Eingang aus die 28-jährige Chava Spira in der völlig zugemüllten Küche auf einem Stuhl sitzen. Er rief ihr zu, doch sie reagierte nicht. Da alarmierte der Abwart die Polizei, und gemeinsam konnten sie die verstörte Frau nach zwei Stunden zum Verlassen der Wohnung bewegen.

Darauf sei Spiras Tante Janis Gellis vorbeigekommen, um wie jeden Tag vor der Wohnungstür Essen zu deponieren. Sie sagte den schockierten Gesetzeshütern, in der Wohnung lebe auch ihre 61-jährige Schwester Susie Rosenthal. Da begannen die Polizisten, die Berge von Abfall und Hausrat zu durchsuchen.

«Nur Knochen»

Unter einem Meter Müll verborgen fanden sie schliesslich in der Küche die sterblichen Überreste einer Frau. Nach Polizeiangaben musste sie vor über einem Jahr verstorben sein. «Es gab nichts für eine Beerdigung, nur Knochen», sagte ein Nachbar zur «Daily News». «Küchenschaben, Ratten, Mäuse – sie wurde aufgefressen.»

Während es die Zeitung mit diesem Bericht belässt, geht die «New York Post» ins Detail. Die junge Frau habe sich in Schwarz gekleidet wie die Mutter. Regelmässig habe sie neben ihr geschlafen, indem sie einen Stuhl an ihre Seite gerückt habe. Die Tochter habe womöglich zwei bis drei Jahre lang mit der toten Mutter zusammengelebt, sagte eine Polizeiquelle zur «Post». «Dies ist einer der merkwürdigsten Fälle, die ich je gesehen habe – es ist wie eine Szene aus ‹Psycho›.»

Immer in der Wohnung

Nachbarn beschreiben das Mutter-Tochter-Paar als extrem einzelgängerisch. Sie hätten ihre Wohnung niemals verlassen, und nur manchmal seien durch die Wände Geräusche oder Schreie hörbar gewesen. Rätselhaft bleibt, dass den Mitbewohnern der Verwesungsgeruch über all die Monate nicht aufgefallen war.

Chava Spira wird derzeit psychiatrisch untersucht. Bisher weist nichts darauf hin, dass die Mutter eines unnatürlichen Todes gestorben ist.

(sut)