Glacier-Express entgleist

24. Juli 2010 12:02; Akt: 24.07.2010 21:27 Print

Tote ist eine 64-jährige Japanerin

Das Aufräumen nach dem schweren Zugunglück im Wallis mit einem Todesopfer und 42 Verletzten dauert an. Eine Person schwebt in Lebensgefahr. Die Strecke soll am Sonntag wieder offen sein.

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Die Entgleisung eines «Glacier Express»-Zuges im Oberwallis hat in Japan viel Aufsehen erregt. Das Land ist vom Unfall stark betroffen: Die meisten Verletzten und auch das Todesopfer stammen aus Japan. Die Unfallursache war auch am Samstag noch unbekannt.

Die am Freitag am Unfallort verstorbene Frau war nach Angaben der Walliser Kantonspolizei vom Samstag eine 64-jährige Japanerin aus Osaka. Insgesamt wurden 40 Menschen verletzt in Spitäler gebracht. Sie stammen aus Japan (28), der Schweiz (5), Spanien (4), Österreich (2) und Indien (1).

Schwerverletzte sind Japaner

17 Personen - 16 aus Japan und eine aus Spanien - befanden sich am Tag nach dem Unfall noch in Spitalpflege, wie Nicole Bayard, Kommunikationschefin von Spital Wallis, auf Anfrage sagte. Neun Personen aus Japan sind demnach schwerverletzt, darunter befinden sich 2 in kritischem Zustand. 23 Leichtverletzte konnten das Spital bis am Samstag wieder verlassen.

Zahlreiche Medienschaffende aus Japan begaben sich Samstag ins Oberwallis an den Unfallort. Auf der telefonischen Help-Line der Polizei für Angehörige gingen vor allem am Freitag zahlreiche Anrufe ein. Inzwischen arbeite die Polizei mit dem japanischen Konsulat in der Schweiz zusammen, das ebenfalls Fragen beantworte, sagte Polizeisprecher Jean-Marie Bornet.

Ebenfalls in die Schweiz begab sich der Vertreter von Schweiz Tourismus in Japan, Roger Zbinden. Es gebe auch für die japanischen Reisebüros eine Hotline rund um die Uhr, sagte Zbinden am Samstag im Westschweizer Fernsehen TSR. Er glaube aber nicht, dass sich jetzt ein Gefühl der Angst verbreiten werde.

Unfallursache unbekannt

Weshalb der Zug entgleiste, war am Tag nach dem Unfall nach wie vor unklar. «Wir tappen im Dunkeln», sagte Thomas Werlen, Sprecher der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB).

Die Experten des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hätten sich noch nicht geäussert, sagte Werlen. Er schloss nicht aus, dass die Untersuchung noch einige Zeit in Anspruch nehmen könnte.

Der verunfallte Zug war am Freitag mit ungefähr 210 Passagieren von Brig herkommend in Richtung Bündnerland unterwegs, als zwischen Lax und Fiesch drei Waggons entgleisten. Die beiden hintersten Wagen des Panoramazuges kippten um. Der dritte blieb stehen.

Etwa 170 Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Sie wurden am Freitag mit Bussen nach Andermatt UR oder St. Moritz GR gebracht.

Die Reparaturarbeiten am Unfallort liefen am Samstag ohne Unterbruch. Die drei entgleisten Waggons wurden am Samstag geborgen und in ein Depot nach Brig gebracht, wie Polizeisprecher Bornet sagte. Dort stünden sie den Ermittlern und dem wissenschaftlichen Dienst der Polizei für weitere Abklärungen zur Verfügung.

Zwei Züge am Sonntag

Am Sonntag will die MGB die «Glacier Express»-Züge auf der Unfallstrecke wieder fahrplanmässig fahren lassen, wie die MGB am Samstagabend mitteilte. MGB-Direktionsmitglied Willi In Albon sagte auf Anfrage, zwei Züge würden sicher fahren. Am Samstag verkehrten sie lediglich auf dem Walliser Abschnitt zwischen Zermatt und Visp sowie zwischen Andermatt UR bis St. Moritz GR.

Der «Glacier Express» wird von zahlreichen Touristen benützt und gilt als äusserst beliebt bei Japanern. Er legt die Strecke vom Oberwalliser Ferienort Zermatt bis nach St. Moritz im Oberengadin oder Davos GR in rund sieben Stunden zurück, pro Tag vier Mal in beiden Richtungen und überwindet dabei grosse Höhendifferenzen.



(Video: YouTube)

(kub/sda)