830 Tote nach Tsunami

01. Oktober 2018 08:31; Akt: 01.10.2018 09:17 Print

Wurde die Warnung zu früh aufgehoben?

Über 830 Menschen sind bei der Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi ums Leben gekommen. Kritisiert wird das Warnsystem des Landes.

Drohenaufnahmen: Das grosse Ausmass der Zerstörung aus der Luft. (Video: Tamedia/AP/AFP)
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Nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien wehren sich die Behörden gegen Kritik am Warnsystem. Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) rechtfertigte den Entscheid, die ausgerufene Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben.

Zu diesem Moment habe es keine Flutwellen mehr gegeben, sagte Behördenchefin Dwirkorita Karnawati der Zeitung «Jakarta Post» vom Montag. Der Behörde zufolge wurde die Küstenstadt Palu nach der Serie von Erdbeben innerhalb weniger Minuten von mehreren Flutwellen getroffen. «Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert», sagte sie der Zeitung. «Die dritte und höchste hat Häuser und Kioske mit sich gerissen.»

Dutzende Opfer nach Tsunami

Die Tsunami-Warnung sei dann erst einige Minuten später aufgehoben worden, um genau 18.37 Uhr Ortszeit. Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ) war jedoch auch dies zu früh. «Das System sieht vor, dass die Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden darf», hatte GFZ-Sprecher Josef Zens dem «Tagesspiegel» gesagt.

Internationale Hilfe ersucht

Nach bisherigen Angaben kamen auf der Insel Sulawesi bei der Serie von Erdbeben und der folgenden Flutwelle mehr als 800 Menschen ums Leben. Befürchtet wird, dass die Zahl der Opfer in den nächsten Tagen noch deutlich steigen wird. Vereinzelt hatten bereits Medien unter Berufung auf Rettungsbehörden von über 1200 Todesopfern gesprochen.

Indonesien hat unterdessen um internationale Hilfe gebeten. Präsident Joko Widodo habe der Regierung in der Zwischenzeit erlaubt, internationale Katastrophenhilfe anzunehmen, sagte der für Investitionen zuständige Regierungsvertreter Tom Lembong am Montag. Zuvor hatten schon zahlreiche Staaten und internationale Organisationen Hilfsangebote gemacht.


Das Erdbeben und der folgende Tsunami haben die Insel verwüstet. (Video: AFP/Tamedia)

1200 Häftlinge getürmt

Nach Katastrophe sind mehr als tausend Häftlinge aus Gefängnissen entkommen. Eine Vertreterin des indonesischen Justizministeriums sagte am Montag, insgesamt seien aus drei Haftanstalten der betroffenen Insel Sulawesi rund 1200 Insassen geflohen. Zwei der Gefängnisse befinden sich in der verwüsteten Stadt Palu.

«Ich bin sicher, sie sind geflüchtet, weil sie Angst hatten, vom Erdbeben betroffen zu sein», sagte Ministeriumsvertreterin Sri Puguh Utami. «Für die Häftlinge ist das sicherlich eine Frage von Leben und Tod.» Die meisten Häftlinge waren demnach wegen Korruption und Drogendelikten verurteilt worden.

(sda)