Völkermord an den Armeniern

24. April 2011 12:43; Akt: 24.04.2011 14:02 Print

Türkei bekämpft Genozid-Denkmal in Genf

In der Rhonestadt soll ein Mahnmal an die Opfer des Völkermords an den Armeniern erinnern. Die offizielle Türkei und Türken in der Schweiz wollen das verhindern.

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Infografik: Der Völkermord an den Armeniern

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Am 24. April gedenken Armenierinnen und Armenier jeweils weltweit dem Völkermord im Ersten Weltkrieg, dem rund 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Ein geplantes Mahnmal für den Völkermord in Genf stösst nun auf vehemente türkische Proteste. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, hat die türkische Regierung beim Aussendepartement (EDA) gegen das geplante Monument interveniert.

Der Verband der Türken der Romandie will das Mahnmal verhindern, «koste es, was es wolle», wie der Verband jüngst seinen Mitglieder schrieb. Der Verband ruft die Genfer Türken dazu auf, die verantwortlichen Genfer Politiker abzuwählen. Zudem droht der Verband, die Schweiz müsse ihre Vermittlung im armenisch-türkischen Konflikt beenden, wenn das Mahnmal gebaut werde.

Das EDA reagiert wegen der türkischen Proteste alarmiert und hat bei der Genfer Stadtpräsidentin Sandrine Salerno (sp.) interveniert, wie die «NZZ am Sonntag» weiter berichtet.

Obama vermeidet das «G-Wort»

US-Präsident Barack Obama hat am Samstag an die Tötung von rund 1,5 Millionen Armeniern auf dem Gebiet der heutigen Türkei während des Ersten Weltkrieges erinnert. Er sah aber erneut davon ab, von einem Völkermord («genocide») zu sprechen. Der Massenmord sei «eine der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts», hiess es in einer schriftlichen Stellungnahme Obamas.

Während seiner Kandidatur für das Präsidentenamt hatte Obama wiederholt versprochen, den Völkermord an den Armeniern als solches anzuerkennen, sollte er Präsident werden. In seiner Erklärung betonte Obama, seine Betrachtungsweise der damaligen Ereignisse habe sich seit dem Präsidentschaftswahlkampf nicht geändert. «Eine vollständige, aufrichtige und gerechte Anerkennung der Fakten ist in unser aller Interesse», hiess es.

Türkischer Botschafter: «inakzeptabel»

Seit seinem Amtsantritt 2009 hat Obama das Wort Völkermord im Zusammenhang mit den Ereignissen im Jahr 1915 aber nie benutzt. Grund dafür ist offenbar der Widerstand der Türkei, einem wichtigen NATO-Verbündeten der USA.

Der türkische Botschafter in den USA, Namik Tan, wies Obamas Kritik umgehend zurück. Dessen Erklärung zeuge von einer «ungenauen, fehlerhaften und politisch einseitigen Geschichtsbetrachtung», erklärte er. Obamas Aussagen seien daher «inakzeptabel» und «unvertretbar».

Für Türkei «kriegsbedingte Massnahmen»

Die meisten Historiker betrachten die Tötungen der Armenier während des Ersten Weltkriegs auf dem Gebiet des damaligen Osmanischen Reichs als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Sie gehen von über einer Million bis zu 1,5 Millionen getöteten Armeniern aus. Das Morden hatte sich auch gegen christliche Aramäer und Assyrer sowie Griechen, insbesondere an der Schwarzmeerküste, gerichtet. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Anteil an Menschen christlichen Glaubens in Kleinasien noch rund 25 Prozent an der Gesamtbevölkerung betragen. Heute sind es in der Türkei wenige Promille.

Die türkische Regierung und mit ihr grosse Teile der Bevölkerung leugnen den Völkermord jedoch noch immer. Bei den erzwungenen Gewaltmärschen bis in die syrische Wüste habe es sich um kriegsbedingte Massnahmen mit rund 200 000 Opfern gehandelt.

24. April als Gedenktag

Armenien gedenkt jeweils am 24. April der Opfer der Massaker - am 24. April 1915 nahmen die Behörden des Osmanischen Reiches im damaligen Konstantinopel über 200 armenische Intellektuelle und Gemeindevertreter fest. Diese Verhaftungen gelten als der Anfang der Verbrechen an den Armeniern in den Jahren 1915 bis 1917.

Armenien und verschiedene Länder des Westens, darunter die Schweiz, fordern, dass die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern als Völkermord eingestuft wird.

(rub/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Safarian am 26.04.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schande!

    Es ist ein Wahnsinn welch fremdenfeindliche Beiträge hier veröffentlicht werden. Mein armenisches Herz blutet, wenn ich lese wie verachtungsvoll und verantwortungslos mit dem Thema Völkermord umgegangen wird!

  • Eidgenoss am 26.04.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Genozid akzeptieren.

    Ob Denkmal hin oder her. Interessant ist jedoch wie oben im Text beschrieben. Der Verband der Türken will das Mahnmal verhindern, koste es was es wolle. Alle Genfer Türken dazu aufrufen Politiker abzuwählen. Sich freiwillig in die Schweiz zu intrigieren auf keinen Fall. Dankbar sein dass man in einem Land wie der Schweiz leben darf! Und dazu gehört auch zu akzeptieren dass es zur Intrigation von Türken gehört, den Genozid an der Armenier anzuerkennen. Und wenn das nicht möglich ist. Steht es natürlich jedem Türken frei, zu gehen.

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  • Daniel Imboden am 24.04.2011 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Verklärung der eigene Historie

    Eigentlich ist die kritische Haltung gegenüber der Türkei gut und recht. Trotzdem gibt es aber auch zahlreiche Kräfte in der Schweiz, welche bspw. einen Bergierbericht als einseitig und falsch bezeichnen, bzw. die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs noch immer schönreden wollen. Es ist natürlich ein Leichtes, mit dem Finger auf andere zu zeigen und von Tatsachen und Fakten zu sprechen, während man zugleich die eigene Geschichte verklärt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alain am 14.04.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdiger Umgang mit Steuergeldern

    Die Genfer Regierung hat meines Wissens einen sechsstelligen Betrag öffentlicher Gelder zum Bau des Denkmals ausgegeben. Nach Medieninformation liegen Einsprachen der Baubewilligung aber immer noch beim Bundesgericht. Sollte dieses gegen den Bau entscheiden, dürfte der Rückbau die Stadt Genf nochmals Geld kosten. Bonne chance!

  • Benoît am 14.04.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Sättigung erreicht

    Jährlich werden wir mit dem gleichen Thema berieselt. Inzwischen sollte dieser historische Fakt aber jedem bekannt sein.

  • R. Bühl am 26.04.2011 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei in die EU, - ach - passt - ähm

    Die Türkei, ja da geht man ja gerne hin in die Ferien. Aber in die EU - nein da gehört die EU nicht hin. Sorry. Guantanamo gibt es in ähnlicher Art auch in der Türkei.

  • El Kurdo am 26.04.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Armenier

    Die Türkei hat nicht nur 1.5 Millionen Armenier massakriert, sondern auch tausende Kurden. Die schmutzigen Beziehungen zwischen den westlichen Staaten insbesondere USA und der Türkei sind mitverantwortlich, dass der Faschismus in der Türkei weiterhin sein Unwesen treibt. Es ist traurig, dass die Weltgemeinschaft die Massaker an Armeniern wegen den schmutzigen, wirtschaftlichen Beziehungen nicht verurteilt. Die Schweiz sollte sich meines Erachtens nicht dem Druck der Völkermörder beugen!

    • Roman am 29.04.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Kurden, Armenier, Türken

      Naja, damals haben Kurden für die Türken Armenier getötet. Heute werden Kurden von Türken getötet.

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  • Martin Safarian am 26.04.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schande!

    Es ist ein Wahnsinn welch fremdenfeindliche Beiträge hier veröffentlicht werden. Mein armenisches Herz blutet, wenn ich lese wie verachtungsvoll und verantwortungslos mit dem Thema Völkermord umgegangen wird!