Laredo, Texas

17. September 2018 21:27; Akt: 17.09.2018 21:27 Print

Grenzwächter als Serienkiller überführt

Innert zwei Wochen wurden in Webb County in Texas vier Personen getötet – zwei von ihnen nur Stunden bevor der Mörder verhaftet werden konnte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie kannte ihn nur unter dem Namen «David». Er hatte die Frau, die als Prostituierte in Webb County in Texas arbeitete, mit nach Hause genommen. Danach sollte er sie irgendwo absetzen. Doch auf der Rückfahrt in den Hauptort Laredo war ihr der Mann unheimlich geworden.

Im Auto hatte sie die Morde an zwei Prostituierten angesprochen, eine davon war ihre Kollegin gewesen. Der Mann habe darauf «merkwürdig» reagiert, berichtete sie später der Polizei. Auf einmal habe er eine Schusswaffe gezogen und sie am T-Shirt gepackt. Das Shirt sei gerissen, sie sei aus dem Auto in die Dunkelheit gehechtet, er sei davongefahren.

Er tötete weiter – nur Stunden vor seiner Verhaftung

Die Frau rannte zu einer Tankstelle, wo ein Polizist gerade Benzin holte. Sie erzählte ihm von dem Mann und seiner Waffe und gab an, wo «David» wohnte. Die Polizei fand schnell heraus, dass es sich bei besagtem «David» um Juan David Ortiz handelte, der seit zehn Jahren als Grenzwächter in der Region am Rio Grande arbeitete.

Eine kurze Fahndung verlief erfolgreich: Ortiz wurde in der Nacht auf Sonntag auf dem Parkplatz eines Hotels festgenommen. Der 35-Jährige gestand nicht nur, die Frau bedroht zu haben. Er gestand auch, die zwei Prostituierten ermordet zu haben, die die geflohene Frau angesprochen hatte. Weiter gab er an, in den Stunden vor seiner Verhaftung zwei weitere Menschen getötet und ihre Leichen verscharrt zu haben.

Bewusst ausgesucht

«Dieser Mann ist ein Serienkiller, der einem Opfer nach dem anderen auflauerte», sagte Staatsanwalt Isidro Alaniz der «Washington Post». Ortiz habe enge Kontakte zu den Sexarbeiterinnen im County gehabt, und die Polizei geht davon aus, dass er zumindest seine zwei ersten Opfer bewusst ausgesucht hatte.

Im Verhör gab Ortiz an, mit seinem ersten Opfer, Melissa Ramirez, am 2. September in ein abgelegenes Gebiet gefahren zu sein. Als die zweifache Mutter ausstieg, um zu urinieren, habe er ihr in den Kopf geschossen. Zehn Tage später fuhr er wieder in die Nähe des Tatorts, diesmal mit Claudine Ann Luera. Auch ihr schoss er in den Kopf. Die Frau erlag ihren Verletzungen im Spital.

«Dieser Mann ist eiskalt»

Kurz vor seiner Verhaftung verfiel Ortiz offenbar in einen regelrechten Blutrausch. Er nahm eine Frau mit, die von der Polizei bislang noch nicht identifiziert werden konnte. Auch sie erschoss er in einem abgelegenen Gebiet. Auf dem Weg zurück nach Laredo traf er auf eine Transgender-Frau, fuhr mit ihr in die Nähe des Ortes, wo er soeben seinen dritten Mord verübt hatte, und erschoss auch sie. Der Polizei gegenüber verriet er, wo sie die beiden verscharrten Leichen finden würde.

Staatsanwalt Alaniz zufolge handelte Ortiz allein. Von weiteren Opfern geht er nicht aus – was er auch dem Mut der Frau zuschrieb, die vor Ortiz geflohen war: «Ohne sie hätte er vielleicht noch mehr Menschen getötet.» Das Motiv des Grenzwächters steht bislang noch nicht fest. «Er schoss seinen Opfern von hinten in den Kopf oder voll ins Gesicht», so der Staatsanwalt. «Dieser Mann ist eiskalt.»

(gux)