Mumia Abu-Jamal

07. Dezember 2011 22:44; Akt: 07.12.2011 23:00 Print

US-Journalist wird nicht hingerichtet

Er wurde 1982 wegen Mordes an einem weissen Polizisten zum Tode verurteilt. Nach drei Jahrzehnte wurde die Todesstrafe gegen den US-Journalisten Mumia Abu-Jamal in eine lebenslange Haft umgewandelt.

storybild

Der schwarze US-Journalisten Mumia Abu-Jamal (links) wird nicht hingerichtet. Dies gab der Bezirksstaatsanwalt (rechts) in Philadelphia bekannt. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach einem drei Jahrzehnte dauernden Kampf bleibt dem wegen Polizistenmordes verurteilten schwarzen US-Journalisten Mumia Abu-Jamal die Todesstrafe erspart.

Wie Abu-Jamals Anwälte am Mittwoch mitteilten, akzeptierte die Staatsanwaltschaft die Umwandlung der Strafe in lebenslange Haft. Massive Zweifel an seiner Schuld hatten Abu-Jamal zu einer Symbolfigur im Kampf gegen die Todesstrafe in den USA gemacht.

Abu-Jamal war 1982 wegen Mordes an einem weissen Polizisten zum Tode verurteilt worden. Der heute 57-Jährige hatte stets seine Unschuld beteuert. Zudem waren immer wieder Vorwürfe laut geworden, in dem Verfahren habe es rassistische Vorbehalte gegeben.

Der Geschworenen-Jury hatten damals zehn Weisse und nur zwei Afroamerikaner angehört. Zudem seien die Ermittlungen schlampig geführt und Entlastungszeugen nicht gehört worden, argumentieren Abu- Jamals Unterstützer.

Jahrelanges juristisches Tauziehen

Jahrelang beschäftigte der umstrittene Fall die Gerichte. Nachdem ein Bundesberufungsgericht in Philadelphia im Jahr 2008 das Todesurteil gegen Abu-Jamal aufgehoben hatte, zog der Bundesstaat Pennsylvania vor dem Obersten Gerichtshof in Washington.

Der Supreme Court wies den Fall Anfang 2010 wieder an das Bundesberufungsgericht mit dem Auftrag einer Neuprüfung zurück. Dort sollte eine Jury über das Strafmass befinden.

Angesichts des juristischen Tauziehens liess die Staatsanwaltschaft in Philadelphia ihre Forderung nach der Todesstrafe nun fallen. Staatsanwalt Seth Williams erklärte, die Entscheidung sei «nicht leicht» gewesen.

Er sei weiterhin der Überzeugung, dass die Todesstrafe die «angemessene» Strafe gewesen wäre. «In meinem Kopf hat es niemals nur einen Zweifel daran gegeben, dass Mumia Abu-Jamal den Polizisten erschossen hat», sagte Williams.

Abu-Jamals Anwalt John Payton erklärte dagegen, die Staatsanwaltschaft habe «das Richtige» getan. «Nach drei langen Jahrzehnten war es an der Zeit, das Streben nach der Todesstrafe für Abu-Jamal zu beenden», sagte er.

«Schlecht informierte Jury»

Die ebenfalls zu Abu-Jamals Verteidigerteam gehörende Juraprofessorin Judith Ritter sagte, dass die Gerechtigkeit gesiegt habe, weil das Todesurteil einer «schlecht informierten Jury» aufgehoben werde.

Abu-Jamal, der früher in der radikalen afroamerikanischen Black- Panther-Bewegung aktiv war, konnte in seinem Kampf auf ein Netzwerk von Unterstützern auf der ganzen Welt zählen.

Anfang 2010 richteten mehr als 7000 Menschen einen Appell an US- Präsident Barack Obama, sich für Abu-Jamal einzusetzen und die Todesstrafe abzuschaffen. Zu den Unterzeichnern der Petition gehörte unter anderem der Literaturnobelpreisträger Günter Grass.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Azra kucerova am 08.12.2011 00:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unschul- oder schuldig das ist die Frage

    Wie kann es sein, dass solch ein Fall nicht neu eröffnet wird? Ich finde Abu-Jamal hätte ein Urteil verdient dass nicht aufgrund seiner Hautfarbe gemacht wurde. Sie sperren Ihn lebenslänglich ein ohne die Gewissheit zu haben, dass er wirklich schuldig ist.Wie kann es sein, dass Sie ihn ohne ein schlechtes Gewissen zu haben lebenslang hinter Gittern sperren? Faulheit?! In 20 Jahren werden wir vielleicht lesen: " 40 Jahre unschuldig im Gefängnis", er erhielt als Abfindung 5Milionen. Wozu kann er 5 Milionen brauchen, wenn er sein Leben lang die selben Wände anstarren musste?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Azra kucerova am 08.12.2011 00:58 Report Diesen Beitrag melden

    Unschul- oder schuldig das ist die Frage

    Wie kann es sein, dass solch ein Fall nicht neu eröffnet wird? Ich finde Abu-Jamal hätte ein Urteil verdient dass nicht aufgrund seiner Hautfarbe gemacht wurde. Sie sperren Ihn lebenslänglich ein ohne die Gewissheit zu haben, dass er wirklich schuldig ist.Wie kann es sein, dass Sie ihn ohne ein schlechtes Gewissen zu haben lebenslang hinter Gittern sperren? Faulheit?! In 20 Jahren werden wir vielleicht lesen: " 40 Jahre unschuldig im Gefängnis", er erhielt als Abfindung 5Milionen. Wozu kann er 5 Milionen brauchen, wenn er sein Leben lang die selben Wände anstarren musste?

    • Steph am 08.12.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Todesstrafe abschaffen

      Oft ist es schwer nach so vielen Jahren noch die Beiweise aufbringen zu können. Ausserdem ist er nur einer der vielen die unschuldig im Gefängnis sitzen. Und das nicht nur in Amerika! Auch in Deutschland und der Schweiz gibt es unschuldig Inhaftierte. Ich finde die Todesstrafe sollte abgeschafft werden. Wie viele Unschuldige mussten wohl schon sterben?

    einklappen einklappen