05. April 2005 07:40; Akt: 05.04.2005 07:42 Print

USA: «Comeback» der Strassengangs

In vielen US-Städten herrscht Alarmstimmung. Denn die Mitglieder der Strassengangs sind jünger und gefährlicher denn je.

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Nach Jahren relativer Ruhe machen Gangs die Strassen wieder unsicher. Sie sind gefährlicher denn je und ihre Mitglieder werden immer jünger.

Die Zahl der Gang-Morde von 1999 bis 2002 stieg um 50 Prozent, wie eine Kommission der Polizei errechnet hat. Allein im Jahr 2002, dem bisher letzten Jahr mit vorliegender Statistik, gingen etwa 1100 von insgesamt 16 200 tödlichen Taten auf das Konto von Strassengangs - die höchste Zahl seit 1995.

Schon Siebenjährige sind dabei

Es gibt verschiedene Gründe für diese Entwicklung. So befinden sich Abertausende von Bandenmitgliedern, die im Zuge massiver Anti- Gang-Operationen vor allem in der ersten Hälfte der 90er Jahre hinter Gittern landeten, nun wieder auf freiem Fuss.

Viele von ihnen sind in ihr altes Umfeld zurückgekehrt -gestählt durch Gangrivalitäten auch im Knast und voller blutiger Geschichten, die sie vor allem in den Augen von Kindern als «Helden» erscheinen lassen.

Das erklärt auch, dass sich immer häufiger schon Sieben- oder Achtjährige Banden anschliessen, wie etwa die Polizei in Washington besorgt registriert.

Spezialeinheiten verkleinert

Bauen die Gangveteranen systematisch neue Netze auf, sind die Behörden machtloser denn je. Fast alle Grossstädte haben nach dem erfolgreichen Durchgreifen vor 15 Jahren ihre Anti-Gang- Spezialeinheiten drastisch verkleinert.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden ausserdem zusätzliche Sicherheitskräfte für den Antiterrorkampf abgestellt. Allein die Stadt Cleveland in Ohio etwa hat 25 Prozent ihrer gesamten Polizeibelegschaft eingebüsst.

Dabei ist das «Territorium» der Banden anders als in den 80er und 90er Jahren nicht mehr nahezu ausschliesslich auf «klassische» Gangmetropolen wie New York, Chicago und Los Angeles beschränkt.

Zunehmend häufig sind Bandenzellen auch in kleineren Städten und städtischen Mittelklasse-Vororten aktiv, etwa in der Umgebung Washingtons. Dort klagt die Polizei auch über die deutliche Zunahme von Mädchengangs.

21 000 verschiedene Gangs

Wie gross die Herausforderung geworden ist, geht auch aus einer Umfrage des Justizministeriums von 2002 hervor: 42 Prozent von rund 2200 Städte gaben an, dass die Gangaktivitäten schlimmer geworden seien. 87 Prozent der Städte mit mindestens 100 000 Einwohnern berichteten, es gebe zum Teil erhebliche Probleme mit Strassenbanden.

Rund 21 000 verschiedene Gangs gibt es nach Schätzungen des Bundeskriminalamts FBI in den USA. Die Gesamtzahl der Mitglieder wird auf 800 000 bis eine Million geschätzt. Allein in Dallas gehören nach Polizeiangaben mehr als 5000 junge Menschen Banden an. In Los Angeles dürfte die Zahl noch weitaus höher sein.

Machete beliebteste Waffe

Vor allem der Zuwachs an Latino-Gangs alarmiert die Behörden. Als besonders gewalttätig wird die Bande «Mara Salvatrucha» eingestuft, auch als «MS-13» bekannt. Die in den 80er Jahren von Salvadorianern in Los Angeles gegründete Gang hat sich fast über die gesamte USA ausgebreitet und nach Schätzungen mehr als 10 000 Mitglieder.

103 von ihnen wurden kürzlich in einer US-weiten Grossaktion festgenommen - ein Tropfen auf dem heissen Stein. Beliebteste Waffe der «MS-13» ist die Machete - als Gartengerät in US-Geschäften schon für knapp neun Dollar zu haben.

(sda)