Opfer von Schlägern

10. März 2010 17:19; Akt: 10.03.2010 19:51 Print

Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war

Wie ist es, unvermittelt durch eine Gewaltattacke aus dem bisherigen, unbeschwerten Leben gerissen zu werden? Ein Paar aus Basel hat solch einen brutalen Übergriff von vier jungen Männern erlebt.

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Sie wurden zufällig ausgesucht: Die Opfer der drei jugendlichen Schläger vom Zürichsee waren in München gerade zur falschen Stelle am falschen Ort, als sie durch schwere Gewalteinwirkung der drei Teenager brutal zusammengeschlagen wurden. Derzeit wird den Tätern in der bayerischen Landeshauptstadt der Prozess gemacht.

Der Angriff kam unvermittelt

Ereignisse wie diese machen nachdenklich. Auch die SF-Redaktorin Helen Arnet dachte an den Fall, der zurzeit in München verhandelt wird, als sie in der «BAZ» auf einen Artikel stiess. Dort wurde von einem Paar berichtet, das völlig unvermittelt auf dem Heimweg von einem Konzert in Basel von vier Männern im Alter zwischen 19 und 24 Jahren angegriffen und schlimm zugerichtet worden war: «Das hat mich auf die Idee gebracht, einen Film über diese neue Qualität der Gewalt und ihre Opfer zu machen», erzählt Arnet auf Anfrage von 20 Minuten Online.

In der Dokumentation, die heute Abend im Rahmen der Reihe «Reporter» zu sehen ist (siehe Info-Box), zeichnen die 55-jährige Sängerin Theresa Stucki und ihr Partner, der Zahnarzt Hanspeter Schöpflin die Ereignisse des frühen Morgens im November nach. Es war gegen fünf Uhr, als sich die beiden beschwingt nach einer langen Nacht auf den Heimweg machen. Plötzlich schlugen und traten vier junge Männer auf Schöpflin ein. Sie trafen ihn am Kopf und am Bauch und hörten selbst dann nicht auf, als er bewusstlos am Boden lag. Geschockt vom Geschehen, befürchtete Stucki, ihr Freund sei bereits tot. Sie begann aus Verzweiflung zu schreien, dann schlugen die Täter auch auf sie ein.

Seit dem Überfall hat sich das Leben der beiden Opfer stark verändert - die Angst ist Theresa Stucki und Hanspeter Schöpflins neue ständige Begleiterin. Das einst unternehmungslustige Paar traut sich seit der brutalen Attacke kaum mehr aus dem Haus. «Sie fühlen sich heute nicht mehr frei. Früher waren Sie häufig im Ausgang – heute wird sogar das Tramfahren zur Mutprobe, denn überall könnte Gefahr lauern», deutet Arnet die Situation. Doch die Verarbeitung der schlimmen Erlebnisse ist längst nicht alles, mit dem Stucki und Schöpflin heute leben müssen. Für sie begann nach der Tat eine lange, verwirrende Odyssee: Behördengänge, Anwaltstermine, polizeiliche Befragungen, Arztbesuche, Psychotherapie.

Die Zivilcourage und die grosse Angst

Theresa Stucki und Hanspeter Schöpflin waren am besagten Morgen nicht die einzigen Opfer der Schläger: Der 24-jährige Autist Marc Hofmann eilte dem Paar zur Hilfe. Später begab er sich dann selbst auf den Heimweg und begegnete dabei erneut den Angreifern: Auch er wurde vom gewalttätigen Quartett mit Fusstritten und Schlägen traktiert und dabei schwer verletzt. Hofmann scheint das Ereignis gut verarbeitet zu haben - doch seine Mutter lebt immer noch in ständiger Angst.

(sf/rre)