Rätselraten

20. März 2011 13:03; Akt: 20.03.2011 13:03 Print

Ursache für Knuts Tod weiter unklar

Die Umstände, unter denen der im Berliner Zoo leblos aufgefundene Eisbär Knut starb, bleiben weiter rätselhaft. Eine Obduktion am Montag soll Aufschluss geben.

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Die Ursache für den plötzlichen Tod von Eisbär Knut ist immer noch unklar. Die Obduktion des Tieres sei erst am Montag möglich, weil am Wochenende die geeigneten Pathologen nicht arbeiteten, sagte Heiner Klös, Bärenkurator des Berliner Zoos, am Sonntag der Nachrichtenagentur dapd. Bei der Bergung des toten Eisbären am Samstagabend sei das Wasser im grossen Eisbärengehege fast vollständig ausgelassen worden. Proben des Wassers seien nicht genommen worden. Dies sei aber bei Bedarf noch möglich, sagte Klös.

Der Berliner Zoo zeigte sich unterdessen tief betroffen über den plötzlichen Tod von Eisbär Knut. «Dieser Bär hat nicht nur in Berlin die Menschen verzaubert, sondern in der ganzen Welt die Herzen erobert», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Berliner Zoos, Frank Bruckmann. Der Zoo kündigte zudem an, dass bis zur Sektion von Knuts Leiche die Eisbären-Anlage vorsorglich leer bleibe. Ausserdem werde es ab Montag ein Sonderkonto geben, auf das Spenden zugunsten der Erforschung und Erhaltung des Lebensraumes für Eisbären eingezahlt werden können.

Ungewöhnlich jung verstorben

Zoodirektor Bernhard Blaskiewitz bedauerte den Tod Knuts ebenfalls. «Der Verlust ist traurig für uns alle», sagte der «B.Z. am Sonntag». Er habe Knut das letztes Mal bei seinem obligatorischen Zoorundgang am vergangenen Donnerstag gesehen. Knut habe fit gewirkt und gespielt, sagte Blaszkiewitz. «Es ist schon ungewöhnlich für einen Eisbären im Alter von vier Jahren zu sterben. Und es ist schade, denn Knut sollte zur Nachzucht beitragen», sagte der Direktor. Allerdings sei der Tod eines Tieres ein «normaler Vorgang in einem Zoologischen Garten, der immer wieder auftritt».

Tierschützer kritisieren Berliner Zoo und Eisbären-Haltung

Mehrere Tierschutzvereine kritisierten hingegen den Berliner Zoo und die Haltung von Eisbären in Gefangenschaft überhaupt. So sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, «aus Zuchtehrgeiz» habe der Zoo Knut gemeinsam mit seinen Artgenossinnen untergebracht. Für Eisbären, die eigentlich Einzelgänger seien, sei dies «purer Stress». Dies habe sicherlich dazu beigetragen, Knut zu schwächen, sagte Apel. Unabhängig davon, was das Ergebnis der Obduktion ergebe, trage der Berliner Zoo in jedem Fall die alleinige Verantwortung für den Tod Knuts.

Die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» forderte erneut das Ende der Eisbärenhaltung in Zoos. Zentrale Bedürfnisse wie Partner- und Nahrungssuche, Jagd- und Fluchtverhalten würden dauerhaft unterdrückt, sagte Wildtierexperte Thomas Pietsch. Die Folge seien schwere Verhaltensstörungen. Auch die Zucht von Eisbären im Zoo kritisierte er. Laut Pietsch sind die Verluste sehr hoch, viele Junge werden kurz nach der Geburt von ihren Müttern verstossen oder getötet. Eine Handaufzucht durch den Menschen wie bei Knut führe dazu, dass die Bären lebenslang Probleme im Umgang mit Artgenossen hätten und es nicht schafften, erfolgreich eigenen Nachwuchs grosszuziehen.

Der weltbekannte Eisbär war am Samstag kurz nach 15.00 Uhr in seinem Wasserbecken gestorben. Es hatte tagsüber keinerlei Anzeichen für ein Unwohlsein des Bären gegeben. Knut war allein im Wasser. Seine drei Mitbewohnerinnen Tosca, Nancy und Katjuscha waren bereits eingesperrt gewesen, als sich der Bär ins Wasser begab und urplötzlich starb. Augenzeugen berichteten von einer Art Anfall, den das Tier im Wasser erlitten habe. Zahlreiche Zoobesucher hätten seinen Tod beobachtet.

(ap)