Nach Streit

06. Dezember 2011 10:59; Akt: 06.12.2011 22:09 Print

Vater erschiesst Tochter auf offener Strasse

Wegen eines Konflikts erschoss ein 35-jähriger Iraker seine Tochter im niedersächsischen Stolzenau. Bekannte der Familie beobachteten die Szene - und liessen den Vater flüchten.

storybild

Das 13-jährige Opfer wurde vom eigenen Vater auf offener Strasse erschossen. (Bild: Keystone/AP)

Fehler gesehen?

Nach dem Mord einer 13-Jährigen im niedersächsischen Stolzenau hat das Amtsgericht Verden Haftbefehl gegen den flüchtigen Vater des Mädchens erlassen. Die Fahndung nach dem unter Mordverdacht stehenden 35-Jährigen laufe, sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gebe es nicht.

Die Eltern der 13-Jährigen hatten am Montagnachmittag mit dem Mädchen in einer Jugendhilfeeinrichtung ein Gespräch geführt. Danach tötete der Mann die Tochter auf offener Strasse mit mehreren Schüssen.

Nach Angaben des Landkreises Nienburg fand das zur Versöhnung gedachte Gespräch zwischen Eltern und Tochter in einer privaten Jugendhilfeeinrichtung in Stolzenau statt. Das Mädchen sei nach Konflikten innerhalb der Familie seit einem halben Jahr auf eigenen Wunsch ausserhalb des Landkreises Nienburg untergebracht gewesen, sagte Landkreissprecher Torsten Rötschke. Das Mediationsgespräch in der Einrichtung in Stolzenau, das dem Mord vorausging, habe den weiteren Kontakt zwischen den in Nienburg lebenden Eltern und der Tochter regeln sollen.

Am Tatort vor der Jugendhilfeeinrichtung legten Bürger von Stolzenau am Dienstag Blumen nieder und stellten als Zeichen der Anteilnahme Kerzen auf. Am Nachmittag beteten sie in einer Andacht für das ermordete Mädchen. Die seit 2008 in Nienburg lebende Familie, zu der drei weitere minderjährige Kinder zählen, stammt aus dem Irak.

Tödliche Schüsse in Kopf und Oberkörper

Der 35-jährige Vater floh nach Polizeiangaben nach den Schüssen auf seine Tochter zunächst zu Fuss vom Tatort und später wahrscheinlich später mit einem grauen VW Golf. Zum Ziel der Flucht oder zum Versteck des Mannes machten Polizei und Staatsanwaltschaft keine Angaben. Auch das Motiv des Täters sei noch nicht ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Marcus Röske. Für die Mordkommission stünden erst einmal Fahndung, Spurensicherung und Untersuchungen am Tatort im Vordergrund.

Der Tatort wurde am Dienstag unter anderem vom Hubschrauber aus und mit Spürhunden abgesucht. Gleichzeitig wurde der Leichnam des Mädchens in der Rechtsmedizin in Hamburg untersucht. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis sei die 13-jährige von mehreren Schüssen in Kopf und Oberkörper getroffen worden und daran gestorben, sagte der Oberstaatsanwalt. Die Tatwaffe, die vom Flüchtenden möglicherweise weggeworfen wurde, habe die Polizei zunächst nicht finden können.

(ap)