Prozess um Entmannung

31. März 2011 11:06; Akt: 31.03.2011 12:38 Print

Vater kastriert Freund seiner Tochter

In Bielefeld steht ein Vater vor Gericht, der dem 59-jährigen Freund seiner 17-jährigen Tochter die Hoden abgeschnitten hat. Der Kastrierte soll das Mädchen zum Sex genötigt haben, doch dieser spricht «von grosser Liebe».

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Seit Mittwoch steht ein 47 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Bielefeld. Er wird beschuldigt, den 59-jährigen Liebhaber seiner Tochter kastriert zu haben. Laut Anklageschrift hatten die beiden ein mehrmonatiges Verhältnis. Der Vater ist geständig, behauptet aber, dass das Opfer seine Tochter sexuell genötigt habe.

Das Opfer bestreitet, jemals Gewalt gegen die 17-Jährige angewendet zu haben. Für ihn sei es «die grosse Liebe» gewesen, gab er vor Gericht an. Er habe seine Frau, mit der er fünf Kinder hat, nach 36 Jahren Ehe verlassen. Seine Familie habe ihn verstossen, ebenso wie seine mennonitische Gemeinde. «Die Liebe war zu stark!», behauptet er.

Dem Vater drohen drei Jahre Haft

Der Vater des Mädchens sieht das offenbar anders: Am 2. November 2010 suchte er gemeinsam mit zwei noch unbekannten Komplizen den 59-Jährigen in dessen Wohnung auf. Der Anklage zufolge habe er diesen mit Gewalt entkleidet und danach mit mitgebrachten Handschellen und Klebeband gefesselt. Anschliessend soll der Angeklagte dem Opfer mit einem Messer beide Hoden abgeschnitten haben. Danach flohen die Täter. Der Angeklagte soll seine Frau veranlasst haben, den Rettungsdienst zu alarmieren, damit der Schwerverletzte nicht verblutet. Bei der Tat soll der Angeklagte unter Einfluss von Alkohol und Medikamenten gehandelt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Vater schwere Körperverletzung vor. Der Liebhaber tritt zudem als Nebenkläger auf – und verlangt ein Schmerzensgeld von 150 000 Euro. Sollte der angeklagte Vater verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren. Ein Urteil wird am 1. April erwartet.

(kle)