18. April 2005 12:38; Akt: 18.04.2005 12:38 Print

Vater sperrte Sohn zwölf Jahre ein

Sechs Wochen nach dem Hungertod der kleinen Jessica ist ein neuer Fall von schwerer Vernachlässigung eines Kindes in Hamburg bekannt geworden.

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Ein Junge ist erst mit 12 Jahren eingeschult worden, wie ein Sprecher der Schulbehörden am Montag einen Bericht der «Hamburger Morgenpost» bestätigte. Der heute 14 Jahre alter Junge und dessen Mutter sind nach dem Zeitungsbericht vom Vater jahrelang «fast wie Gefangene» gehalten worden.

Die Schulbehörde teilte mit, dass der Junge inzwischen in einem besonderen Heim in Niedersachsen lebe und zur Schule gehe. Behördensprecher Alexander Luckow erklärte am Montag, der Junge sei nicht im Melderegister angemeldet gewesen, deshalb sei er in der Schule nicht vermisst worden. Nach dem Bericht brachte die Mutter dem Kind mit Hilfe des Videotextes im Fernsehen lesen bei.

Erst im März hatte es grosse Empörung in der Stadt gegeben, nachdem ein Elternpaar die siebenjährige Jessica hatte verhungern lassen. Die Behörden hatten nicht eingegriffen und später erklärt, von nichts gewusst zu haben.

Der neue Fall liegt nach Informationen der «Morgenpost» schon zwei Jahre zurück. So habe der Vater den Sohn 12 Jahre versteckt gehalten. Erst als der Mann im Sterben lag, hab die Mutter sich an die Behörden gewandt. Der Junge sei daher erst mit 12 eingeschult worden, als andere Kinder schon sechs Jahre Unterricht hinter sich hatten.

«Papa wollte nicht, dass ich zur Schule gehe», zitiert die Zeitung den Jungen, der mit geändertem Namen und geschwärztem Gesicht gezeigt wurde. Inzwischen besuche er die 7. Hauptschulklasse. Die 44 Jahre alte Mutter hat sich laut Zeitung aus Angst dem viel älteren Vater gefügt.

(ap)