Loveparade-Katastrophe

18. Juli 2014 20:14; Akt: 18.07.2014 20:24 Print

Verantwortlichen droht Klagewelle

Vier Jahre nach der schweren Katastrophe an der Loveparade in Duisburg müssen sich die Richter mit Millionen-Klagen befassen. Zum ersten Mal wird auch das Land Nordrhein-Westfalen verklagt.

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An dieser Stelle in Duisburg starben am 24. Juli 2010 bei einer Massenpanik 21 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt. (Bild: Keystone/Archivbild)

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Eine Massenpanik hat am 24. Juli 2010 an der Loveparade in Duisburg zu einer Katastrophe geführt. Jetzt, vier Jahre später, rollt eine Klagewelle auf die mutmasslichen Verantwortlichen zu. Eine Anwältin brachte am Freitag die ersten von rund 30 Zivilklagen von Opfern, die von ihr vertreten werden, auf den Weg.

Verklagt würden die Stadt Duisburg, Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller und seine Firma Lopavent sowie erstmals das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) als Dienstherr der Polizei, sagte die Bochumer Anwältin Bärbel Schönhof auf Anfrage.

Die Anwältin ist der Ansicht: «Sie alle haben die Leute sehenden Auges in die Katastrophe gehen lassen.» Es gehe nun darum, den Opfern die notwendigen Mittel für Therapien und ihren Verdienstausfall zu erstreiten. Sie fordere bis zu 300'000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld pro Opfer. Die beantragten Schmerzensgeldsummen lägen dabei zwischen 50'000 und 80'000 Euro.

21 Tote, 500 Verletzte

Die mit dem Land NRW erstmals beklagte Polizei habe – unabhängig von den Sicherheitskonzepten der Veranstalter – eine eigene Pflicht zur Gefahrenabwehr. Sie hätte rechtzeitig eingreifen können, glaubt die Anwältin.

Bei der Tragödie am 24. Juli 2010 waren in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 500 verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anfang 2014 Anklage gegen zehn Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Schaller ist nicht darunter. Die Entscheidung des Duisburger Landgerichtes über die Zulassung dieser Anklage steht noch aus.

Bislang seien zwei Zivilklagen um vergleichsweise geringe Summen von 5000 und 6000 Euro durch Vergleich entschieden, sagte ein Sprecher des Duisburger Landgerichts am Freitag. Zwei weitere Verfahren seien derzeit noch anhängig.

(sda)