Nach Tod von Studentin 2012

20. März 2020 03:11; Akt: 20.03.2020 10:51 Print

Vergewaltiger in Indien hingerichtet

Vor mehr als sieben Jahren hatten vier Männer eine Studentin vergewaltigt und getötet. Jetzt sind sie exekutiert worden.

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Mit dem jüngsten Urteil will Indien ein Exempel statuieren: Im Dezember letzten Jahres protestierten Menschen in Indien gegen Vergewaltigungen. (Archivbild) Nach der jüngsten Statistik wurden im Jahr 2016 in Indien durchschnittlich hundert Frauen pro Tag vergewaltigt. Jedes dritte Opfer ist nach UNO-Angaben minderjährig: Kinder an einer Demonstration gegen Missbrauch in Bhubaneswar. (Archivbild) Im Mai 2018 sorgte ein weiterer Vergewaltigungsfall für Entsetzen: Eine 16-Jährige wurde im Bundesstaat Madhya Pradesh missbraucht und angezündet. Ein 19-Jähriger wurde nach der Gewalttat festgenommen. In Indien gingen Tausende Menschen aus Protest gegen zwei Vergewaltigungsfälle auf die Strasse. In Amritsar versammelten sich am 17. April 2018 Frauen und Studenten zu einer Kundgebung. In Delhi unterstützen Aktivistinnen Swati Maliwal von der Delhi Commission of Women, die wegen der Vergewaltigungen in einen Hungerstreik getreten war. Die Demonstranten empören sich zum einen über den Fall der achtjährigen Asifa, die im Januar über Tage vergewaltigt und dann getötet wurde. Zum anderen ging es um eine Jugendliche, die von einem Politiker der Regierungspartei BJP vergewaltigt wurde. In verschiedenen Städten in Indien formierten sich während mehrerer Tage Proteste, wie hier in Srinagar. Kritiker werfen der Regierungspartei vor, die Täter zu schützen. Demonstranten in Ahmedabad am 16. April 2018. Der Fall eines getöteten Mädchens wurde zum Politikum ... ... da es einem muslimischen Nomadenstamm angehörte. Die Täter sind Hindus. Sie wollten die Familie des Opfers offenbar aus dem Dorf Kathua im Bundesstaat Jammu und Kaschmir vertreiben. Acht Männer stehen wegen des Falles vor Gericht.

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Vier Männer wurden in Indien am Freitagmorgen durch den Strang exekutiert, wie der Leiter der Tihar-Haftanstalt in Delhi, Sandeep Goeel, mitteilte. Die Männer hatten die 23-jährige Frau 2012 in einem Bus so brutal missbraucht, dass sie knapp zwei Wochen danach an ihren Verletzungen starb.

Der Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und ein grundlegendes Problem in Indien gezeigt: Alle 15 Minuten wird nach offiziellen Zahlen eine Frau oder ein Mädchen Opfer einer Vergewaltigung.

Statuieren eines Beispiels

Vollstreckungen der Todesstrafe sind in Indien selten - zuletzt war 2015 ein Mann hingerichtet worden, der 1993 für einen der schlimmsten Terroranschläge der indischen Geschichte mit mehr als 200 Toten und Hunderten Verletzten verantwortlich gewesen war. Mit der jetzigen Hinrichtung will Indien exemplarisch zeigen, dass etwas für mehr Sicherheit der Frauen getan wird. In Indien sitzen derzeit rund 400 Menschen in der Todeszelle.

Gleichzeitig versuchten die Verteidiger der Täter und von deren Familien, den angesetzten Todestag bis wenige Stunden zuvor zu verhindern. Ein Gericht in Delhi hatte den letztmöglichen Antrag auf Verschiebung der Hinrichtung durch den Strang abgelehnt, wie die Anwältin der Familie des Opfers am Donnerstag gesagt hatte. Die Täter hatten damit alle ihre rechtlichen Mittel ausgeschöpft.

Nach der Hinrichtung sagte die Mutter des Opfers: «Es hat gedauert, aber Gerechtigkeit wurde endlich geschaffen.» Vor dem Gefängnis hatte sich eine grosse Menschenmenge versammelt. Als die Menschen erfuhren, dass die Hinrichtung vollstreckt war, brachen sie in Jubel aus. Hunderte Polizisten hatten sich vor dem Gefängnis in Position gebracht, um die Lage zu sichern.

Abscheuliche Tat

Im Dezember 2012 hatten die Medizinstudentin und ein Freund nach einem Kinoabend für den Heimweg einen Bus genommen, in dem auch sechs betrunkene Männer waren. Sie verprügelten den Freund und vergewaltigten die Frau. Für ihre Tat nutzten sie auch Metallstangen. Danach warfen sie die beiden aus dem Bus.

Bereits kurz nach der Gruppenvergewaltigung hatten Tausende auf den Strassen die sofortige Hinrichtung der Männer gefordert. Die Wut der Leute damals führte zu härteren Gesetzen gegen Vergewaltiger. Das Urteil stand zwar bald fest, die Täter gingen jedoch jahrelang juristisch dagegen vor, sie versuchten es auch mit Gnadengesuchen beim Präsidenten. So wurde das Datum der Hinrichtung mehrmals verschoben. Ein weiterer Täter war damals minderjährig und ist mittlerweile auf freiem Fuss, ein anderer wurde tot in seiner Gefängniszelle gefunden.

(roy/sda)