Wachsende Sorge

25. Juni 2011 14:38; Akt: 25.06.2011 14:38 Print

Verirrter Kaiserpinguin hängt am Tropf

Der an der Küste Neuseelands gestrandete Kaiserpinguin ist dehydriert und leidet unter Hitzeerschöpfung. Er hatte viel Sand gefressen, den er für Schnee gehalten hatte.

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Dem Kaiserpinguin mussten Kehle und Magen ausgespült werden. (Bild: Keystone/AP)

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Der an der Küste von Neuseeland gestrandete arktische Kaiserpinguin hängt am Tropf: Der Vogel, der am Freitag in einen Zoo in Wellington gebracht wurde, ist dehydriert und leidet unter Hitzeerschöpfung. Am Samstag erholte er sich von zwei medizinischen Eingriffen.

Ihm wurden die Kehle und der Magen ausgespült. Zuvor hatte er Unmengen von Sand gefressen in der Annahme, es sei Schnee, den Pinguine in der Antarktis gegen Flüssigkeitsmangel trinken. Doch immer noch ist nicht aller Sand aus dem Körper des schätzungsweise zehn Monate alten Vogels gespült worden, daher steht ihm am Montag ein weiterer medizinischer Eingriff bevor.

Pinguin machte erst gesunden Eindruck

Der Kaiserpinguin machte einen gesunden Eindruck, als er am vergangenen Montag das erste Mal am malerischen Peka Peka Beach auf der Nordinsel Neuseelands gesichtet wurde. Die Aufruhr war gross, schliesslich ist es 44 Jahre her, seit sich zuletzt ein wilder Kaiserpinguin nach Neuseeland verirrt hatte.

Doch im Laufe der Woche wurde der 81 Zentimeter grosse Vogel, ob Männchen oder Weibchen ist noch unklar, immer lethargischer. Oft fiel er im nassen Sand um und die Behörden fürchteten, dass er ohne ihr Eingreifen nicht überleben würde.

Zu warm für den jungen Vogel

«Er wird am Strand nicht überleben, wenn wir ihn hierlassen», sagte ein Programmmanager der neuseeländischen Umweltbehörde DOC, Peter Simpson. «Der öffentliche Druck ist zu gross.»

Der Pinguin hatte ab und an etwas Treibholz und sehr viel Sand gefressen, wahrscheinlich, weil er ihn für Schnee hielt, wie Experten sagen. Zudem war es mit zehn Grad sehr heiss für den an Minustemperaturen gewöhnten Vogel.

Die Mitarbeiter vom Wellington Zoo erklärten, der Pinguin sei dehydriert und leide an Hitzeerschöpfung. Am Freitag, als die Behörden sich zum Eingreifen entschlossen, habe er sich schon nicht mehr sehr viel bewegt, sagte ein Pinguinexperte.

Dem Pinguin wurde mit Wasser die Kehle ausgespült und anschliessend auch der Magen. Eine dritte Prozedur ist für Montag geplant. Er blieb am Samstag an einer Tropfinfusion gegen die Austrocknung.

Für die 65 Kilometer lange Fahrt zum Zoo musste der Vogel noch nicht einmal ruhig gestellt werden, so erschöpft war er. Stattdessen trat er die Reise in einem Kübel mit Eis auf dem Rücksitz eines Lastwagen an.

Die Zukunft des Vogels ist ungewiss. Neuseeland hat keinen Zoo, der auf lange Sicht die Pflege eines Kaiserpinguins übernehmen kann, die 122 Zentimeter gross und 34 Kilogramm schwer werden können. Der Meerestierpark SeaWorld im kalifornischen San Diego hat schon angeboten, für das junge Tier zu sorgen.

Falsch abgebogen

«Er ist ein junger Vogel, der draussen schwamm und auf Futtersuche war und getan hat, was Pinguine eben so tun. Er ist einfach irgendwo falsch abgebogen», sagte Lauren DuBois von SeaWorld in San Diego

Die Vögel legten weite Strecken zurück, erklärte DuBois. «Was ungewöhnlich bei diesem Pinguin ist, ist, dass er an Land kam und jede Menge Aufregung verursacht hat. Alles über null Grad und sie (die Pinguine) werden gestresst.»

Am besten wäre es, wenn der Kaiserpinguin sich genügend erholen würde, um wieder in die Wildnis entlassen zu werden. Doch eine Rückkehr in seine Heimat, die Antarktis, ist - zumindest derzeit - nicht machbar.

Es gibt keinen Transport zu dem Kontinent während des harschen Winters. Zudem befürchten Experten, dass sich der Pinguin beim Schwimmen in wärmeren Gewässern eine Infektion geholt haben könnte.

(sda)