Italien

04. März 2011 17:24; Akt: 04.03.2011 17:24 Print

Vermisste 13-jährige Yara Gambirasio ist tot

Die Leiche lag in einer Wiese, in der Nähe ihres Wohnorts in Brembate I. Das Mädchen fiel einem Verbrechen zum Opfer, wurde aber nicht sexuell missbraucht.

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Drei Monate lang hatte man die 13-jährige Yara Gambirasio aus der norditalienischen Provinz Bergamo gesucht. Die Ermittlungen waren auch auf die Schweiz ausgedehnt worden. Swiss Missing hatte die Bilder des Mädchens in seine Fahndungsliste aufgenommen und die italienische Polizei hielt es für möglich, dass Yara in die Schweiz verschleppt worden war. Die Eltern und Polizei hatten gehofft, Yara sei entführt worden, nachdem sie am 26. November nicht vom Training der Rhythmischen Gymnastik zurückgekehrt war.

Nun herrscht Gewissheit: Das Mädchen ist tot. In den Sportkleidern, in denen sie verschwunden ist, wurde sie am vergangenen Samstag in einem Industriegebiet ausserhalb ihres Wohnorts Brembate gefunden. Ein Jugendlicher, der sein Modellflugzeug fliegen liess, hat sie entdeckt.

Die Wiese wurde abgesucht

Die Ermittler vermuten, dass Yara wenige Stunden nach dem Verlassen der Sporthalle ums Leben kam. Ihre Haare waren noch vom roten Gummiband zusammengebunden, das sie beim Training trug. Ihr Ipod, ihre Schlüssel und ihr Handy lagen in der Nähe der Leiche. Tragischerweise ist der Fundort nur 300 Meter von der lokalen Polizeistelle entfernt. Von dort aus war zu Beginn des Verschwindens die Suche nach dem Mädchen koordiniert worden.

Auch diese Wiese sollen Freiwillige abgesucht haben. Offensichtlich hat man Yara dabei übersehen. Denn die Ermittler sind sich sicher: «Die Leiche lag die ganzen drei Monate lang dort.»

Erwürgt oder erstochen?

Yara ist einem schrecklich brutalen Verbrechen zum Opfer gefallen. Die neusten Ergebnisse zeigen: Ihr Angreifer hat viel Gewalt ausgeübt. Woran sie genau starb, ist jedoch wegen der weit fortgeschrittenen Verwesung nicht vollständig geklärt. So haben die Rechtsmediziner Stichwunden gefunden, die alle etwa gleich breit, aber unterschiedlich tief sind. Fünf sollen es sein: Vier am Rücken und eine am Hals. Zudem gibt es zahlreiche Abwehrspuren an den Armen und am Handgelenk. Sie beweisen: Die 13-Jährige hat sich heftig gegen ihren Angreifer gewehrt. Doch offenbar sind die Stichwunden nicht tief genug, um tödlich zu sein. Die Mediziner vermuten darum, Yara sei erwürgt worden. Die Autopsie ist noch nicht abgeschlossen

Praktisch gesichert ist aber: Es war kein Sexualdelikt. Es gebe zwar eine Schnittspur auf Sliphöhe, das Mädchen habe aber noch alle Kleider angehabt. «Es sah auch nicht so aus, als habe man ihr die Kleider wieder angezogen, alles war so, wie es sein soll, am richtigen Platz», so ein Ermittler gegenüber den italienischen Medien.

Junge Männer als Hauptverdächtige

Während die Untersuchungen an der Leiche von Yara bald abgeschlossen sind, hat die Jagd nach dem Täter gerade erst begonnen. Das Mädchen sei, so gaben die Ermittler am Donnerstag bekannt, von einer ihr bekannten Person getötet worden. Jemand habe sie in sein Auto gelockt und dann brutal umgebracht. Die Polizei konzentriert sich besonders auf Personen, die wenig älter sind als Yara. Darum stehen nun praktisch alle Jugendlichen aus Brembate und Umgebung unter Generalverdacht. Insbesondere jene, die wie Yara ein Training in der grossen Sporthalle von Brembate besuchten. Denn dort wird nicht nur Gymnastik trainiert, sondern auch Schwimmen und Basketball. Eine heisse Spur hat die Polizei aber noch nicht.

(ann)