22. April 2005 12:24; Akt: 22.04.2005 15:43 Print

Vermutlich Lebenslänglich für Kannibalen

Der «Kannibale von Rotenburg» muss erneut vor Gericht. Er muss mit lebenslanger Haft wegen Mordes rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Freitag das Totschlagsurteil gegen Armin Meiwes auf.

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Er hatte im März 2001 einen Bekannten mit dessen Einverständnis erst entmannt und dann getötet. Danach hatte er die Leiche zerlegt und einen Grossteil des Fleisches verzehrt.

Die Tat hatte Meiwes auf Video aufgezeichnet, hinterher betrachtet und sich dabei sexuell befriedigt. Im Prozess legte der damals 42-Jährige ein umfassendes Geständnis ab.

Das Landgericht Kassel hatte gegen den Computerfachmann im Januar 2004 achteinhalb Jahre Haft verhängt. «Die Verurteilung nur wegen Totschlags und nicht wegen Mordes hält rechtlicher Überprüfung nicht stand», entschied nun das Karlsruher Gericht.

Terminologie - «Lustmord»

Die Kasseler Richter hatten in ihrem Urteil den Mordvorwurf mit der Begründung verworfen, es handele sich nicht um einen Lustmord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs. Dem widersprach der Karlsruher Strafsenat nun.

Die Tötung eines Menschen könne durchaus ein solches Mordmerkmal erfüllen, wenn der Täter damit eine spätere sexuelle Befriedigung mit Hilfe eines Videos anstrebe, teilte der BDH mit.

Zudem sei das Mordmerkmal der Tötung in der Absicht, weitere Straftaten zu begehen, erfüllt. Im vorliegenden Fall kämen etwa die Störung der Totenruhe durch Zerlegen als eine Straftat in Betracht.

Der BGH ordnete eine neue Verhandlung beim Landgericht Frankfurt am Main an. Der 2. Strafsenat folgte damit der Revision der Bundesanwaltschaft. Dagegen verwarfen die Richter die Revision vom Meiwes, der ein milderes Urteil wegen Tötung auf Verlangen durchsetzen wollte.

(ap)