Nach 3 Monaten aufgetaucht

11. Januar 2019 19:08; Akt: 11.01.2019 19:10 Print

Wurde Jayme vom Mörder ihrer Eltern verschleppt?

Die Eltern waren in ihrem Haus erschossen worden, seither fehlte von Tochter Jayme jede Spur. Jetzt stellt sich heraus, dass die 13-Jährige verschleppt wurde.

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Fast drei Monate nach dem Mord an seinen Eltern ist ein vermisstes 13-jähriges Mädchen in den USA lebend aufgetaucht. Jayme Closs konnte aus den Händen ihres Entführers flüchten, der auch für den Mord an ihren Eltern verantwortlich sein soll, wie die Polizei im Bundesstaat Wisconsin am Freitag mitteilte. Der 21-jährige Tatverdächtige wurde kurz nach Auftauchen des Kindes festgenommen.

Das Schicksal von Jayme Closs hatte seit Oktober in den USA grosse Anteilnahme erregt, die Bundespolizei FBI suchte landesweit nach dem Kind. Am Donnerstag sprach das Mädchen dann auf einer Strasse im Dorf Gordon nahe des Lake Superior (Oberer See) eine Einwohnerin an. Sie war aus einer Hütte in einer Waldgegend entkommen, in der sie der 21-Jährige gefangen gehalten haben soll.

Abgemagert und verschmutzt

Der Überlebenswille der 13-Jährigen sei «unglaublich» gewesen, sagte der Polizeichef des Verwaltungsbezirks Barron, Chris Fitzgerald, bei einer Pressekonferenz. Unklar war zunächst noch, was dem Mädchen in der Gefangenschaft widerfuhr und unter welchen Umständen es flüchten konnte.

Das Mädchen sei «gegen seinen Willen» von dem 21-Jährigen verschleppt worden, sagte Fitzgerald. Die Frage, ob der Teenager in der Gefangenschaft «physischen Missbrauch» erlitten habe, konnte der Polizeichef zunächst nicht beantworten.

Jayme Closs verbrachte die Nacht im Spital und sollte noch am Freitag zu Verwandten gebracht werden. Ihr gehe es «gut», sagte der Polizeichef. Laut regionalen Medienberichten befand sich die 13-Jährige allerdings in verwahrlostem Zustand, als sie entkam. Sie sei abgemagert, verschmutzt und ihr Haar verfilzt gewesen. Auch habe sie übergrosse Schuhe getragen.

Kidnapper festgenommen

Über den Täter wurde zunächst nicht viel bekannt. Der Mann habe in Wisconsin keine Vorstrafen, teilte Fitzgerald mit. Der Verdächtige ging demnach zuletzt keiner Beschäftigung nach. Er wurde nun von den Ermittlern formell des zweifachen Mordes und der Entführung beschuldigt.

Der Ort, an dem Jayme Closs wieder auftauchte, liegt rund 120 Kilometer vom Haus ihrer Eltern entfernt. Eine Einwohnerin von Gordon, die in klirrender Kälte ihren Hund ausführte, wurde von von dem Mädchen auf der Strasse angesprochen, wie die Zeitung «Star Tribune» aus Minneapolis berichtete. Die 13-Jährige habe gesagt, «sie will Hilfe», berichtete die Frau in einem Telefoninterview.

Eltern wurden erschossen

Die Frau klopfte dann bei Nachbarn an die Tür. Dort spielte das Mädchen dem Zeitungsbericht zufolge mit dem neuen kleinen Hund der Bewohner, bis die Polizei eintraf. Nur wenige Minuten, nachdem das Mädchen von der Polizei in Obhut genommen worden war, wurde dann der mutmassliche Kidnapper festgenommen.

Laut Fitzgerald soll der Mann den Überfall auf das Haus der Closs-Familie geplant und dabei ursprünglich das Mädchen als «einziges Ziel» im Blick gehabt haben. Jayme Closs sei im Haus gewesen, als ihre Eltern erschossen wurden, sagte Fitzgerald.

Das Verschwinden des Mädchens hatte eine intensive Suche ausgelöst, die über den im Mittleren Westen gelegenen Staat Wisconsin hinaus die US-Öffentlichkeit beschäftigte. Die örtliche Polizei mobilisierte 2000 Freiwillige für die Suche, das FBI schrieb eine Belohnung von 25.000 Dollar für Hinweise zum Aufenthaltsort des Mädchens aus.

(doz/sda/afp)