Argentinische «ARA San Juan»

17. November 2018 19:45; Akt: 17.11.2018 19:45 Print

«Das U-Boot ist in 800 Metern Tiefe implodiert»

Vor einem Jahr verschwand die argentinische «ARA San Juan» mit ihrer 44-köpfigen Besatzung spurlos. Nun wurde das Wrack im Atlantik entdeckt.

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Die Suche nach der vermissten ARA San Juan blieb über ein Jahr erfolglos: Ein US-Soldat beobachtet das Meer am 27. November 2017. (Archivbild) Die Atombehörde CTBTO mit Sitz in Wien teilte am 23. November 2017 der argentinischen Marine mit, dass sie am Tag des Verschwindens der ARA San Juan eine Explosion vernommen haben. Das aufgezeichnete Ereignis sei «anormal, einzig, kurz, gewaltig und nicht nuklearen Ursprungs» gewesen, teilte die CTBTO mit. Marine-Sprecher Enrique Balbi erklärte, dass das akustische Signal 3 Stunden und 31 Minuten nach der letzten Funkmeldung mit der U-Boot-Besatzung vernommen wurde. Schiffe und Flugzeuge waren daraufhin in das Suchgebiet zurückgekehrt, um dem Geräusch nachzugehen. Auch die US-Behörden hatten wenige Stunden nach dem letzten Kontakt mit dem U-Boot eine «hydro-akustische Anomalie» verzeichnet. Bisher aufgefangene Geräusche oder Signale hatten sich als nicht von der ARA San Juan stammend herausgestellt. An der Suche nach dem verschollenen U-Boot ARA San Juan beteiligten sich die USA mit vier unbemannten Mini-U-Booten der US-Marine und einem Nasa-Suchflugzeug. Die Suche wurde durch Sturm und bis zu sieben Meter hohe Wellen erschwert. «Wir sind alle in Angst, aber wir geben die Hoffnung nicht auf», sagte Marcela Moyano, deren Mann Hernán Rodríguez als Maschinist zur Besatzung der ARA San Juan gehört. «Ich will, dass mein Mann zurückkommt.» Wurde seit dem 15. November 2017 vermisst: das argentinische U-Boot San Juan. (Archivbild) Hoher Wellengang und schlechtes Wetter behinderten die Suche durch Schiffe und Flugzeuge. (18. November 2017) An Bord war auch der erste weibliche U-Boot-Offizier Argentiniens und ganz Südamerikas, die 35-jährige Eliana Maria Krawczyk. Kontakt verloren: San-Juan-U-Boot in der Nähe von Buenos Aires. (Archiv) Auf dem Rückweg von einem Einsatz im Süden Argentiniens verschwand die San Juan vom Radar. Die Marine suchte mit zwei Korvetten und einem Zerstörer nach dem verschollenen U-Boot.

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Das seit einem Jahr verschollene argentinische U-Boot «ARA San Juan» ist gefunden worden. Wie Argentiniens Militär am Samstag mitteilte, wurde das implodierte U-Boot in 800 Metern Tiefe entdeckt. Die «San Juan» hatte 44 Menschen an Bord.

Angehörige der Vermissten zeigten sich bestürzt über die Nachricht und forderten Aufklärung über den Unfall. Der argentinische Marinechef José Villán sagte vor der Presse, die Beschaffenheit des Meeresgrunds habe die Suche erschwert.

Die von der argentinischen Regierung mit der Suche betraute US-Firma Ocean Infinity ortete das Wrack am Freitag. Ihr Schiff «Seabed Constructor» ist mit Unterwasserkameras ausgerüstet, die in einer Tiefe von bis zu 6000 Metern den Meeresboden absuchen können.

Ein mit Kameras ausgestattetes unbemanntes Mini-U-Boot der US-Firma lieferte erste Bilder der «ARA San Juan». Das Wrack des im November 2017 verunglückten U-Boots befindet sich rund 400 Kilometer vor der Küste Patagoniens am Meeresgrund.

Entdeckung des Wracks war ein Glücksfall

Die Entdeckung des Wracks war ein Glücksfall. Das Hightech-Schiff «Seabed Constructor» sollte nach rund zweimonatiger Suche eigentlich zu Wartungsarbeiten nach Südafrika aufbrechen. Dann entschied die Mannschaft, erst noch ein zuvor wegen schlechter Wetterbedingungen bei der Suche ausgelassenes Gebiet zu überprüfen. Dabei stiessen die Spezialisten auf das verunglückte U-Boot.

In ihrem letzten Funkspruch hatte die U-Boot-Besatzung am 15. November 2017 einen Kurzschluss und ein Feuer an Bord gemeldet. Kurz darauf ereignete sich im Südatlantik eine Explosion.

Ein argentinischer Marineoffizier sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag, die «ARA San Juan» hätte wegen des Wasserdrucks nicht mehr als 300 Meter tief tauchen dürfen. «Was auch immer die Unglücksursache war, bei 600 Metern ist das U-Boot implodiert», fügte der Offizier hinzu, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Das 65 Meter lange und sieben Meter breite Diesel-Elektro-Boot vom Typ TR-1700 wurde in der Werft Thyssen Nordseewerke in Emden gebaut und lief 1983 vom Stapel. Die argentinische Armee kaufte es 1985. 2007 und 2014 wurde die «ARA San Juan» generalüberholt. ARA steht für Armada de la República Argentina (Flotte der Republik Argentinien). Die argentinische Marine verfügt über insgesamt drei U-Boote aus deutscher Produktion.

Am Tag vor dem Fund hatte der argentinische Präsident Mauricio Macri an einer Gedenkveranstaltung auf dem Marinestützpunkt von Mar del Plata teilgenommen. Dessen Kommandant Gabriel Attis bestätigte am Samstag die Implosion des U-Boots. Dieses sei aber mehr oder weniger intakt geblieben.

Eines der schwersten U-Boot-Unglücke

Die argentinische Marine hatte die Suche nach dem Wrack, an der sich zunächst 13 Länder beteiligten, aus Kostengründen nach einigen Wochen eingestellt. Die Angehörigen forderten monatelang eine Fortsetzung der Suche. Im Februar lobte das argentinische Verteidigungsministerium eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) für Hinweise auf den Verbleib der «San Juan» aus.

Im September schliesslich teilte das Ministerium mit, dass die Suche wieder aufgenommen und von Ocean Infinity übernommen werde. Im Erfolgsfall solle die US-Firma 7,5 Millionen Dollar erhalten.

Der Untergang der «ARA San Juan» ist eines der schwersten U-Boot-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte. Beim Unfall des russischen U-Boots «Kursk» während einer Übung in der Barentssee waren im Jahr 2000 alle 118 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.

(sda/afp)