Tragödie in Rom

07. Februar 2011 08:01; Akt: 07.02.2011 17:52 Print

Vier Kinder in Roma-Lager verbrannt

Vier Roma-Kinder sind am Sonntag bei einem Brand in einem illegalen Baracken-Lager in Rom ums Leben gekommen. Politiker und NGOs stellen die Schuldfrage.

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Die Feuerwehr konnte nichts mehr für die Kinder tun (Bild: AFP)

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Die Roma-Kinder im Alter von drei, fünf, sieben und elf Jahren verbrannten am Sonntag elend in ihrer Hütte. Die Baracke war eine von fünf notdürftigen Unterkünften, zusammengeflickt aus Plastikteilen, Wellblech und Holz. Ein defekter Ofen soll das Feuer ausgelöst haben, berichteten Medien.

«Schuld ist die verdammte Bürokratie», sagte Roms Bürgermeister Gianni Alemanno von der Regierungspartei «Volk der Freiheit» (PdL) am Unglücksort. Er werde einen Trauertag für die Kinder ausrufen.

Vor allem verlangte er grössere Befugnisse, um neue Unterkünfte einzurichten. Bislang gibt es rund um die italienische Hauptstadt sieben legale Roma-Lager. Drei weitere für 6000 Roma will Alemanno bis Ende Jahr errichten lassen. Nach Behördenangaben leben rund 7200 Sinti und Roma in Rom und 150 000 in ganz Italien.

Kritik am Bürgermeister

«Für Alemanno sind die Roma nur Schmutz, den man entfernen muss», sagen hingegen Kritiker. Für die christliche Organisation «Comunità di Sant'Egidio» bringen grosse Lager, wie Alemanno sie bauen will, nur neue Probleme. Sie fordert stattdessen kleinere Siedlungen.

Die Hilfsorganisation «Save the children» beklagte eine fehlende Organisation bei Räumungen. «Roma-Kinder bezahlen den höchsten Preis dabei», sagte Valerio Neri, Direktor der Hilfsorganisation. Der Präsident des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF in Italien, Vincenzo Spadafora, forderte die Regierung zum Einsatz für die Rechte der Roma-Kinder auf.

Der Europarat in Strassburg erklärte, der Brand weise darauf hin, wie schlecht die Lebensbedingungen der Roma seien. Obwohl die Ursache noch ermittelt werden müsse, sei klar, dass die Roma eine schutzbedürftige Minderheit seien, sagte die stellvertretende Generalsekretärin des Rates Maud De Boer Buquicchio.

Vor einem Jahr hatte auch der UNO-Menschenrechtsrat in Genf Italien kritisiert - unter anderem wegen Gewaltakten gegen Roma und Sinti.

Siedlung abgerissen

In der abgebrannten Hütte lebten noch drei Menschen, die Eltern der Kinder und ein Verwandter. Sie waren zum Zeitpunkt des Brandes Wasser kaufen gegangen. Das Lager verfügt weder über fliessendes Wasser noch über Strom.

Bereits am Montag rissen die Behörden die restlichen Baracken der Siedlung ab. Die rund 20 Bewohner wurden in einem Auffanglager untergebracht. Das Lager war 2005 schon einmal geräumt worden.

Elf Millionen Menschen

In Europa leben etwa elf Millionen Sinti und Roma. Die Räumung von Lagern in Frankreich hatte letztes Jahr in der EU eine Debatte über deren Integration ausgelöst.

Als einer von wenigen war Italiens Innenminister Roberto Maroni Präsident Nicolas Sarkozy beigesprungen, als dieser für Massenausweisungen kritisiert wurde. «Leider haben die meisten Nomaden bei uns die italienische Staatsbürgerschaft, daher sind solche Ausweisungen nicht möglich», kommentierte Maronis damals.

(sda)