07. April 2005 15:39; Akt: 07.04.2005 15:43 Print

Vier Millionen Pilger in Rom

Zur Beisetzung von Johannes Paul II. haben sich rund vier Millionen Pilger in Rom versammelt.

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Allein aus Polen, dem Heimatland des Papstes, kamen etwa zwei Millionen Menschen. Unter den Teilnehmern der Trauerfeier sind auch mehr als 200 Staats- und Regierungschefs sowie Würdenträger aller Religionen, unter ihnen Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Noch einmal zogen am Donnerstag mehrere hunderttausend Menschen an dem im Petersdom aufgebahrten Papst vorbei. Nachdem die Wartezeit am Mittwoch zeitweise 24 Stunden erreicht hatte, sperrte die Polizei in der Nacht für mehrere Stunden den Zugang zu der Warteschlange. Viele Pilger waren bitter enttäuscht, dass ihnen der Gang in den Petersdom verwehrt blieb. Zur Vorbereitung der Exequien, wie Requiem und Bestattungsrituale genannt werden, sollte der Petersdom am Donnerstagabend um 22.00 Uhr geschlossen werden.

Zu den ersten Staatsgästen der Trauerfeier am Freitag gehörte US-Präsident George W. Bush, der zwei Jahre nach dem vom Papst scharf kritisierten Irak-Krieg vor dem aufgebahrten Leichnam zu einem stillen Gebiet niederkniete. Während der fünf Gedenkminuten erklang Orgelmusik. Auf dem Flug nach Rom bezeichnete Bush den Papst als einen «Mann des Friedens», der unvergesslich bleiben werde. Begleitet wurde der US-Präsident von seinem Vater George Bush, seiner Frau Laura, Expräsident Bill Clinton und Aussenministerin Condoleezza Rice. Die Staatsgäste wurden durch einen Sondereingang in den Petersdom geführt.

Zur Sicherung der Veranstaltung und der Staatsgäste brachten die italienischen Streitkräfte Flugabwehrraketen in Stellung. Während der Beisetzung wird der Luftraum in einem Umkreis von acht Kilometern gesperrt. Auf dem Tiber patrouillierten Marineboote, auf den Hausdächern waren Scharfschützen in Bereitschaft.

Entscheidung über Ort der Beisetzung den Kardinälen überlassen

Fünf Tage nach dem Tod des Papstes wurde am Donnerstag sein Testament veröffentlicht. Darin bekennt Johannes Paul, dass er im Jahr 2000 ernsthaft erwogen hat, sein Amt niederzulegen. Als Anlass nannte er seinen 80. Geburtstag und den Beginn des neuen Jahrtausends. Er habe sich damals aber gegen einen Rücktritt entschieden. Johannes Paul verfügt in seinem Testament, dass er keine materiellen Güter hinterlässt. Auch ordnet er an, dass alle persönlichen Schriften verbrannt werden sollen.

Zum Fall seines Todes erklärte der Papst, dass er die Möglichkeit einer Bestattung in seinem Heimatland Polen erwogen habe. Dann habe er aber beschlossen, die Entscheidung darüber dem Kollegium der Kardinäle zu überlassen. Diese bestimmten, dass Johannes Paul am Freitag in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom beigesetzt werden soll.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen würdigte Papst Johannes Paul II. am Mittwoch als grossen moralischen Kirchenführer und unermüdlichen Kämpfer für Frieden und Menschenrechte. Der Präsident der Vollversammlung, der gabunische Aussenminister Jean Ping, erinnerte in New York an einen Auftritt des Papstes vor dem UN-Gremium im Jahr 1995 anlässlich des 50. Gründungstages der Weltorganisation. Danach erhoben sich die Mitglieder der Vollversammlung zu einer Schweigeminute für den Verstorbenen.

Im Anschluss an die Beisetzung beginnen neun Trauertage, an denen weitere Messen für den Verstorbenen gelesen werden. Ab dem 18. März bestimmen die unter 80-jährigen Kardinäle den Nachfolger von Johannes Paul II. Die Wahlversammlung, das Konklave, beginnt um 16.30 Uhr, wie das Kollegium der Kardinäle am Donnerstag festlegte. Zu den einzelnen Wahlgängen werden die voraussichtlich 116 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen. Erforderlich ist eine Zweidrittelmehrheit. Nach dem 30. Wahlgang genügt die einfache Mehrheit.

(ap)