Haiti

05. Juli 2014 18:08; Akt: 05.07.2014 18:08 Print

Virus verursacht höllische Schmerzen

In Haiti hat ein Virus tausende Bewohner infiziert. Besonders die Armenviertel sind von der schmerzhaften «Chikungunya»-Erkrankung betroffen. Eine Impfung gibt es nicht.

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In einer Hütte eines Armenviertels in Port-au-Prince versucht eine junge Mutter, ihre kranke Tochter vor der sengenden Tropensonne zu schützen. Die Zweijährige hat Fieberschübe und starke Schmerzen. «Seit drei Tagen wird ihr Körper sehr heiss, und alles tut ihr weh», sagt Delimene Saint Lise. «Ich weiss das, weil ich diese schreckliche Krankheit vor ihr hatte.»

Die jüngste Plage in Haiti heisst Chikungunya. Es handelt sich um eine selten tödlich verlaufende, aber extrem schmerzhafte Viruserkrankung, die von Stechmücken übertragen wird. Ausbrüche von Chikungunya in Afrika und Asien sind seit langem bekannt. Doch seit kurzem verbreitet sich die Krankheit rasch in der Karibik und Teilen Lateinamerikas.

Leben auf engem Raum

Ende vergangenen Jahres trat sie erstmals im französischen Teil der Insel St. Martin auf, eingeschleppt vermutlich durch einen infizierten Flugpassagier. In Haiti grassiert das Virus besonders stark, denn dort leben viele Menschen wie Saint Lise und ihre Nachbarn auf engem Raum unter schlechten Hygieneverhältnissen und mit idealen Brutstätten für die Stechmücken.

«Chikungunya ist in Haiti gnadenlos. Mangel an grundlegender Infrastruktur, unzureichende Massnahmen zur Moskitobekämpfung und tiefe soziale und wirtschaftliche Unterschiede haben die Vorbeugung und Behandlungsbemühungen behindert», heisst es in einem Bericht des brasilianischen Igarapé-Instituts. Seit das Virus dort im Mai erstmals registriert wurde, verzeichneten Mitarbeiter der Gesundheitsdienste nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation fast 40'000 Verdachtsfälle.

Die Infektionsrate sei im gesamten Land sehr hoch, nicht nur in verarmten Bezirken. Auch Bewohner wohlhabender Gegenden wie dem Hauptstadtvorort Pétionville oder der Küstenstadt Jacmel klagen über das Virus.

Keine Impfung

Fälle örtlicher Übertragung wurden aus etwa 20 Ländern und Gebieten der Region gemeldet, von den Jungferninseln, Dominica, Martinique und Puerto Rico über El Salvador, Französisch-Guayana und Guyana bis Suriname im Norden Südamerikas. Das Virus verursacht solch starke Schmerzen, dass manche Patienten tagelang nicht gehen oder ihre Finger benutzen können.

Eine Impfung gibt es nicht, behandelt wird die Krankheit lediglich mit Schmerzmitteln und Flüssigkeitszufuhr gegen Dehydrierung. Die Symptome klingen im Allgemeinen nach einer Woche ab, die Betroffenen sind danach immun. Bei einigen Patienten kommt es allerdings zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Atemstillstand.

Im Karibikraum, wo die Krankheit neu ist, wird versucht, die Bevölkerung mit Aufklärungskampagnen über das Virus zu informieren. Medikamente können sich die wenigsten leisten. Deshalb gibt es Gratis-Arznei. Doch Gretta Lataillade Roy, Leiterin einer kleinen staatlichen Klinik im Armenviertel Delmas, sagt, die kostenlose Arznei sei dort wegen der hohen Nachfrage bereits nach 48 Stunden vergriffen gewesen. Die meisten Betroffenen litten nun wieder zu Hause, und die Preise für Paracetamol seien wieder gestiegen. Viele Menschen können sich auch Mückenspray oder Fliegengitter schlicht nicht leisten.

Auch behandelte Moskitonetze, eine weitere empfohlene Vorsichtsmassnahme, werden nur selten genutzt. Hinzu kommt, dass in einer Umfrage des Igarapé- Instituts fast jeder Fünfte erklärte, er glaube Gerüchte, wonach Chikungunya von Geschäftsleuten vorsätzlich nach Haiti gebracht worden sei, etwa aus Profitgier.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Charlotta am 05.07.2014 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist

    eigentlich aus dem ganzen Spenden Geld geworden nach dem Sturm?

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  • chipsy am 05.07.2014 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spendengeld

    ja, dass wurde bestimmt unter den Politiker verteilt, an dessen Familien und Verwandte. So läuft dass in diesen Ländern, doch die Menschen, die Spenden, schnallen dies leider nicht!

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  • René Z. am 05.07.2014 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Haiti ist ansich eine wunderschön Insel

    aber die Armut ist sehr gross. Die Haitianer wurden immer von ihren geldgierigen Herrschern ausgenutzt und betrogen. Die hygienischen Zustände sind wirklich katastrophal. Die Menschen müssen sich mit dem Abwasser von den Luxuxhotels duschen und ihre Wäsche waschen. Das war bereits schon vor 20 Jahren in Pétionville so und wie man hört, hat sich nichts gebessert. Es ist eine absolute Schande, dass Menschen unter so unwürdigen Zuständen leben müssen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 06.07.2014 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Novartis, Pfizer usw.

    Novartis, Pfizer und wie alle diese Milliardengewinnkonzerne heissen, sind gefordert eine Tonne dieser Medikamente den armen Menschen zu liefern. Gratis natürlich. Eine oder zwei Mllionen weniger Gewinn können diese doch locker verkraften!!!!

  • Joe am 05.07.2014 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist glaub auch schon in der Schweiz

    Hatte letzten Sommer auch so einen miesen Virus eingefangen! Hallwilersee, dort gibts die tigermücke. Ich glaub es war chicky fieber. ich hatte zu viel schmerzen um zum doktor zu gehen.

  • René Z. am 05.07.2014 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Haiti ist ansich eine wunderschön Insel

    aber die Armut ist sehr gross. Die Haitianer wurden immer von ihren geldgierigen Herrschern ausgenutzt und betrogen. Die hygienischen Zustände sind wirklich katastrophal. Die Menschen müssen sich mit dem Abwasser von den Luxuxhotels duschen und ihre Wäsche waschen. Das war bereits schon vor 20 Jahren in Pétionville so und wie man hört, hat sich nichts gebessert. Es ist eine absolute Schande, dass Menschen unter so unwürdigen Zuständen leben müssen.

  • chipsy am 05.07.2014 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spendengeld

    ja, dass wurde bestimmt unter den Politiker verteilt, an dessen Familien und Verwandte. So läuft dass in diesen Ländern, doch die Menschen, die Spenden, schnallen dies leider nicht!

    • Päde am 05.07.2014 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Grund

      und das ist der Grund weshalb Du nicht spendest und sogar ein gutes gewissen hast? Denn es wird ja eh den falschen gegeben ......

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  • Charlotta am 05.07.2014 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist

    eigentlich aus dem ganzen Spenden Geld geworden nach dem Sturm?

    • Carina am 05.07.2014 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie naiv bist du?

      Das Geld wurde logischerweise für die Soforthilfe und das Notwendigste eingesetzt. Meinst du, es reicht ewig aus, um die Menschen zu versorgen? Dazu braucht es langfristige und dauernde Hilfe/Projekte....

    • marco solo am 05.07.2014 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      weg ist das geld

      wahrscheinlich umverteilt bzw in die eigene Tasche erwirtschaftet...Entwicklungshilfe sollte nur noch am vorort stattfinden!!

    • J. Meyer am 05.07.2014 19:29 Report Diesen Beitrag melden

      Eine gute Frage

      Vielleicht sollte man sich mal dort umschauen, wo diese Armen erst gar nicht hinkommen / hin dürfen? Dann sieht man vielleicht, wo all die Spenden abgeblieben sind. In allen Ländern, wo solche sozialen Unterschiede herrschen wie z.B. eben in Haiti, gedeiht Korruption u Vetternwirtschaft am ehesten u leider auch am Erfolgreichsten.

    • Egon am 05.07.2014 19:56 Report Diesen Beitrag melden

      Kaltherzig

      @Charlotta Ihr Mitgefühl ist erdrückend.

    • Gutmensch am 05.07.2014 23:28 Report Diesen Beitrag melden

      Administration und Werbung

      Leider versandet bei vielen Hilfsorganisationen das meiste Geld in der *Administration*... sehr viel geht auch für die Werbung drauf :(

    • Besserwisser am 06.07.2014 01:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Haiti

      In Haiti gab es keinen Sturm sondern ein Erdbeben

    • Marc am 06.07.2014 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Haiti

      Hallo ! Sturm?!? War nicht das massive Erdbeben das Hauptproblem

    • Walter Spahni am 11.07.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      Es wurden ein paar Hütten gebaut!

      Der Rest ist im grossen Loch der Korruption verschwunden!

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