18. Januar 2007 12:05; Akt: 18.01.2007 12:37 Print

Vor der Bluttat Video reingezogen

Zuerst schauten sie sich «Final Fantasy» an, dann schritten zwei 17-Jährige im deutschen Tessin zur Tat und töten ein Ehepaar mit zahlreichen Messerstichen.

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Danach haben sie ihr Gefühl bei der Tat als gar nicht so schlimm bezeichnet, sagte die von den beiden als Geisel genommene Eyleen am Mittwochabend in der RTL-Sendung «Stern TV». Die Täter hätten gesagt, «dass es sich ganz leicht angefühlt hat, so als würde man einfach nur in eine Schlägerei verwickelt sein», erzählte die 15-Jährige.

Am Samstagabend haben die beiden Jungen zunächst im Haus von Felix den «Final Fantasy» angesehen, erzählte Eyleen. Die Jungen seien auch von dem dazugehörenden Computerspiel begeistert gewesen und hätten ihr schon früher gesagt, es gehe dabei um dem Kampf zwischen Gut und Böse. «Und dass am Ende die Bösen trotzdem gewinnen, weil sie geheilt werden», erzählte Eyleen. Auch wenn sie sich am Samstagabend gewundert habe, dass die Jungen sie irgendwann aus dem Zimmer geschickt haben, habe es sonst keine Hinweise auf die spätere Tat gegeben.

Als die Jungen sie später in einer Scheune fesselten und knebelten, habe sie das für einen Scherz gehalten. Auch als Felix ihr ein Messer gezeigt habe, habe sie das nicht ernst genommen, sagte Eyleen: «Ich hab gedacht, die wollen mir ein bisschen Angst einjagen, sich einen Spass draus machen.» Von der Tat selber habe sie nichts mitbekommen. «Bis ich dann wirklich in dem Haus drin war und gesehen habe, was da passiert ist», sagte Eyleen. Die Jungen haben sie in das Haus gebracht und ihr die Leiche des Mannes und die sterbende Frau gezeigt. Ab da sei sie nur noch leer gewesen, sagte die 15-Jährige.

Nach der Tat sei kein Anzeichen von Verzweiflung bei den beiden zu erkennen gewesen, sagte Eyleen. In dem Auto, in dem sie mit ihr zu fliehen versuchten, sagten die beiden demnach, dass es ganz interessant sei zu wissen, wie es sich anfühlt, Menschen zu töten. «Und dass es gar nicht so ein schwieriges, schlimmes Gefühl ist», erzählte Eyleen. Die beiden hätten gesagt, «dass es sich ganz leicht angefühlt hat, so als würde man einfach nur in eine Schlägerei verwickelt sein».

Die bis zur Tat als nett und hilfsbereit geltenden Gymnasiasten hatten am Samstagabend im westmecklenburgischen Tessin die Eltern eines Freundes mit mehreren Messern und zahlreichen Stichen getötet. Ihnen wird Totschlag, Geiselnahme und schwerer Diebstahl vorgeworfen. Die Tat haben die Jungen gestanden, zunächst aber keine plausiblen Erklärungen für das Motiv genannt. Bei der Suche nach dem Tatmotiv rückte in den vergangenen Tagen ihre Begeisterung für Computerspiele in den Fokus. Die Ermittler haben die Computer der beiden sichergestellt, aber über die Erkenntnisse aus dem ausgewerteten Material noch keine Angaben gemacht.

(ap)