Schnellboot halbiert

06. Januar 2010 08:05; Akt: 06.01.2010 10:20 Print

Walfänger schiessen Tierschützer ab

Tierschutz-Krieg auf dem Wasser: Bei Scharmützeln mit einem japanischen Walfänger ist das Schnellboot einer Tierschutzgruppe zerstört worden. Die Besatzung konnte aus dem eisigen Wasser der Antarktis gerettet werden.

Die Ady Gil, eines der drei Schnellboote der Umweltaktivisten «Sea Shepherd Conservation Society», wurde nahe der Antarktis versenkt. (Video vom japanischen Schiff aus aufgenommen. Quelle: YouTube)
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Beim Commonwealth-Bay in der Antarktis ist es am Mittwoch zu einem Scharmützel zwischen dem 24 Meter langen High-Tech-Boot «Ady Gil» der Umweltaktivisten «Sea Shepherd Conservation Society» und dem Walfänger «Shonan Maru 2» gekommen, der sich seit einiger Zeit in diesem Gebiet auf Walfang befand und von zwei Sicherheitsbooten begleitet wurde.

Die «Ady Gil» wurde bei diesem Aufeinandertreffen regelrecht in zwei Hälften geteilt, wie der Sidney Morning Herald schreibt. Der Bug des Schnellboots wurde auf einer Länge von drei Metern abgerissen.

Sea Shepherd warf der Besatzung des Walfangschiffs «Shonan Maru» vor, die «Ady Gil» in der Nähe der Commonwealth-Bucht absichtlich gerammt zu haben. Das Sea-Shepherd-Boot habe sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nicht bewegt, sagte der Erste Maat des Hauptschiffs der Tierschützer, Locky Maclean. «Als sie bemerkten, dass die 'Shonan Maru' direkt auf sie zuhielt, versuchten sie, zurückzusteuern, um den Bug wegzubewegen, aber das war zu spät. Die 'Shonan Maru' korrigierte ihren Kurs und pflüge direkt über das vordere Ende des Boots.»

Absichtlich vor den Walfänger gefahren?

Das japanische Walforschungsinstitut berichtete dagegen, die Aktivisten seien absichtlich direkt vor den Walfänger gefahren. Die Crew habe versucht, das Boot mit Wasserwerfern fernzuhalten. In Tokio teilte die japanische Fischereibehörde mit, die Einzelheiten des Vorfalls würden noch geprüft. «Wir können bestätigen, dass es eine Kollision gab, aber wir haben keine weiteren Details», sagte Behördensprecher Toshinori Uoya. Der japanische Fischerei-Minister hatte Aktivisten zuvor davor gewarnt, den Walfängern zu nahe zu kommen.

Die sechs Besatzungsmitglieder des 1,5 Millionen Dollar teuren Schnellbootes hätten von einem anderen Boot gerettet werden können, teilte die Sea Shepherd Conservation Society mit.

Der japanische Walfang in der Antarktis findet offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken statt. Naturschützer und mehrere Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) werfen Japan aber vor, dies nur zum Vorwand für den kommerziellen Walfang zu nehmen. Seit Jahren versucht Sea Shepherd, mit ihren High-Tech-Schnellbooten japanische Walfänger zu stoppen und so die Meeressäuger zu schützen. Scharmützel mit Stinkbomben, Lärmpistolen oder Seilen, um die Schiffschrauben zu blockieren, gehören zur Tagesordnung.

(aeg/ap)