Lungenerkrankungen

21. September 2019 05:03; Akt: 21.09.2019 05:32 Print

Walmart verkauft keine E-Zigaretten mehr

In den USA wurden nach dem Genuss von E-Zigaretten 530 Fälle von Lungenerkrankungen registriert. Der Einzelhandelsgigant Walmart zieht nun die Notbremse.

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Bei der Zahl der Lungenerkrankungen handelt es sich laut der Gesundheitsbehörde vielleicht nur um «die Spitze des Eisbergs»: E-Zigarette. (Archivbild) Das Verbot in Massachusetts verbietet alle E-Zigaretten, nicht nur die aromatisierten. (Archivbild) Der E-Zigaretten-Hersteller steht schon länger in der Kritik: Eine Frau raucht eine Juul. (Archivbild) Adam Hergenreders Mutter ist sich sicher: Juul ist dafür verantwortlich, dass ihr Sohn mit Sauerstoffschlauch und an ein EKG angeschlossen im Spital liegt und eventuell sogar eine neue Lunge braucht. Während der anderthalb Jahre, in denen Adam pro Tag einen Juul-Pod leer vapte und THC-haltige Lösungen mit der E-Zigi verdampfte, verschlechterte sich sein Zustand. Bei seiner Einlieferung ins Spital attestierten die Ärzte, dass seine Lunge der eines etwa 70 Jahre alten Mannes entspreche. Adams Schicksal ist kein Einzelfall. Im Sommer 2019 kamen erstmals Meldungen auf, wonach mehrere Menschen in den USA mit unerklärten Atemwegserkrankungen ins Spital eingeliefert wurden. Zurzeit sind in den USA rund 450 Fälle dokumentiert, in denen Menschen im Zusammenhang mit dem Konsum von E-Zigaretten lungenkrank geworden sind. Sie alle hatten zuvor E-Zigaretten konsumiert. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Sechs Menschen verstarben in der Folge sogar. Trotzdem ist bislang unklar, was genau die Gesundheitsprobleme auslöst. Doch nun scheint es eine erste heisse Spur zu geben. Laut der «Washington Post» haben Untersuchungen der gerauchten Liquids einen Stoff in den Fokus gerückt ... (Im Bild: einige der untersuchten Liquids) ... der die Atemwegserkrankungen auslösen könnte: Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Doch der Stoff kann wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden. Es ist nicht das erste Mal, dass über die Gefährlichkeit des E-Zigi-Konsums diskutiert wird. Studien zeigten, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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Der US-Einzelhandelsgigant Walmart stellt den Verkauf von E-Zigaretten ein. Angesichts zunehmender gesetzlicher Bestimmungen und der Ungewissheit über die Risiken dieser Produkte werde der Verkauf nun beendet, teilte der Konzern am Freitag mit.

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Die vorhandenen Bestände würden noch veräussert, danach werde das Geschäft mit den E-Zigaretten nicht fortgeführt.

Am Donnerstag hatte die US-Gesundheitsbehörde CDC neue Zahlen zu Erkrankungen veröffentlicht, die mit dem Genuss von E-Zigaretten offenbar in Zusammenhang stehen. Demnach wurden 530 Fälle von Lungenerkrankungen registriert, sieben Patienten starben. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 25, drei Viertel der Erkrankten sind Männer. 16 Prozent der Betroffenen sind minderjährig.

Die Betroffenen leiden unter Symptomen wie starken Atemproblemen und Brustschmerz, viele müssen künstlich beatmet werden. Mehrere Jugendliche in den USA liegen im künstlichen Koma. Die US-Bundesstaaten Michigan und New York verhängten bereits ein Verbot von aromatisierten E-Zigaretten; die Stadt Los Angeles erwägt diesen Schritt

Risiken für Konsumenten

In den USA und Kanada sind elektronische Zigaretten seit 2006 auf dem Markt. Die grossen Tabakkonzerne bewerben die E-Zigaretten auf der Suche nach neuen Kunden: Nach ihren Angaben sind diese Produkte deutlich weniger gefährlich als traditionelle Zigaretten und können Rauchern dabei helfen, komplett auf «sicherere» Alternativen umzusteigen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bergen die batteriebetriebenen Geräte, bei denen mit Nikotin versehene Flüssigkeiten verdampft werden, aber ebenfalls Gesundheitsrisiken für die Konsumenten. Sie fordert deshalb deren Regulierung. Kritiker befürchten vor allem, dass E-Zigaretten Jugendliche nikotin-abhängig machen.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Igel am 21.09.2019 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut Atmen

    Das beste gar nie mit Rauchen beginnen, egal was. Die Lunge wird schon genug von der Umwelt belastet.

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  • Mimi am 21.09.2019 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liquids

    Schon mal aufgefallen das alle Fälle aus Amerika sind? In Europa sind keine Fälle bekannt. In Europa gibt es Richtlinien wie die Liquids hergestellt werden sollen und welche Inhaltsstoffe enthalten sein dürfen. Also nicht in irgend einem Schuppen zusammen gemixt!

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  • Lukas am 21.09.2019 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobby

    Das ist ein Schritt der Tabaklobby. Wenn sich Walmart um das Leben seiner Kunden sorgen machen würde - dann würden sie keine Waffen verkaufen. Wer kriegt am meisten Geld von der Tabaklobby? Die Republikaner. Natürlich...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W.ürg am 23.09.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar!

    Wie auch immer ich kann aus Langeweile auch rasen...auch tödlich! Und wird auch mit Strafe belegt. Also alles was Spass macht, gefährlich ist und jederzeit überall Verfügbar ist muss Gebüsst werden! Wo kämen wir hin wenn wir Spass haben und früh sterben und das noch ohne Strafe?

  • Karl am 22.09.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unbedingt

    Diese böse ezigis. Walmart hat recht man muss diese umbedingt verbannen. Die ezigis machen ja viel mehr Tote als die Waffen die sie verkaufen

  • Heisenberg am 22.09.2019 03:16 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot in Indien

    Mit dem Verbot in Indien drohen den dortigen 42 Millionen Dampfern Gefängnisstrafen. 42 MILLIONEN

    • Heisenberg am 22.09.2019 03:34 Report Diesen Beitrag melden

      Thailand, Singapur, Indien..

      Damit wurde knapp die Hälfte des Dampfermarktes weltweit geschlossen. Der Grossteil der Geräte wird in Shenzen/China produziert. Sind wir Dampfer Opfer des Handelsstreits, oder ist den Indern eine Raucherquot von 70% nicht hoch genug? Aber es geht ja um die Kinder.

    • Heisenberg am 22.09.2019 04:43 Report Diesen Beitrag melden

      Master Settlement Agreement

      Dass diverse Staaten in den USA dank dem Master Settlement Agreement lieber den Bankrott verhindern wollen als Gesundheitspolitik zu verfolgen kann ich iregendwie noch nachvollziehen. Wieso aber übernehmen unsere Medien unreflektiert all diese Meldungen?

    • Kück am 22.09.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heisenberg

      Indien ist eh nicht normal.

    • Kück am 22.09.2019 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heisenberg

      Verstehe ich auch nicht.

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  • ex-Raucher am 21.09.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind nur Pressemeldungen.

    Ich verweise hier Informationssuchende gerne an den Youtube Kanal des Toxikologen Dr. Bernd Mayer. Er hat sowohl das Thema Dampfen als auch das dieser mysteriösen Krankeheiten in den USA aus meiner Sicht gut verständlich erklärt.

  • bern am 21.09.2019 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    E-Zigaretten

    Vielleicht gibt es auch Fälle in Europa, nur sind sie vielleicht noch nicht registriert.