Höhle in Thailand

05. Juli 2018 17:53; Akt: 05.07.2018 18:36 Print

Was die Rettung der Buben so schwierig macht

Seit fast zwei Wochen sitzt ein Fussballteam in einer Höhle in Thailand fest. Ein Rettungsszenario: Sie sollen selber aus dem Tunnelsystem tauchen. Doch das ist hochriskant.

Die Belastung beim Tauchen in einer Höhle ist gross und auch für Profitaucher eine Herausforderung. (Video: Glomex/Sat.1)

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Erwartete neue Regenfälle in Thailand lassen die Sorge um das weiterhin in einer Höhle eingeschlossene Fussballteam wachsen. Die grösste Sorge der Retter sei das Wetter, sagte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osotthanakorn, am Donnerstag. Für Freitag sind neue Regenfälle vorhergesagt, die die Fluten in der Höhle wieder ansteigen lassen könnten.

Der Krisenstab unter der Leitung des Gouverneurs prüfte die verschiedenen Möglichkeiten zur Bergung der in der Höhle eingeschlossenen zwölf Jungen und ihres Trainers. «Wir rechnen aus, wie viel Zeit wir noch haben, wenn es regnet, wie viele Stunden und Tage», sagte Narongsak.

Abgepumptes Wasser könnte etliche Bassins füllen

Britische Taucher hatten die Fussballer am Montag nach neuntägiger Suche in der kilometerlangen Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands entdeckt. Sie wurden mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut. Die endgültige Rettung des Fussballteams ist aber kompliziert, da viele Kammern der Höhle überflutet sind.

Schon seit Tagen wird rund um die Uhr Wasser abgepumpt, der Wasserpegel sinkt um einen Zentimeter pro Stunde. 128 Millionen Liter Wasser wurden so bereits aus der Höhle befördert, mit den Wassermassen könnten 50 Olympia-Schwimmbecken gefüllt werden. Der wiederkehrende Monsunregen dürfte das Abpumpen aber erschweren.

Hochriskante Rettungspläne

Nach Angaben von Provinzgouverneur Narongsak wägen die Rettungskräfte angesichts der Wettervorhersage ab, ob die elf bis 16 Jahre alten Jungen doch fit genug sind, um aus der Höhle hinauszutauchen. Marinetaucher haben den Jungen bereits Grundkenntnisse im Tauchen beigebracht und für jeden eine Tauchausrüstung bereitgestellt.

Diese Art der Rettung gilt eigentlich als hochriskant, da keiner der Jungen tauchen und einige nicht einmal schwimmen können. Sie müssten zunächst tauchen lernen und dann in schlammigem Wasser praktisch blind durch extrem enge Stellen tauchen. Selbst erfahrene Profitaucher brauchen rund sechs Stunden, um zu den Jungen zu gelangen.

Doch die Belastung beim Tauchen in einer Höhle ist extrem. «Der grösste Stressfaktor ist der eigene Kopf, die eigene Furcht», sagt Profitaucher Achim Schöffel in einem Interview mit der «Bild». Man brauche einen gesunden Umgang mit Angst.

Fussballmannschaft in Höhle entdeckt

Schwalbennest-Sammler sollen Zugang finden

Alternativ könnten die Jungen die Höhle durch einen Gang verlassen, der aber erst noch gefunden oder in die Felsen gebohrt werden müsste. Auf der Suche nach möglicherweise vorhandenen Felsspalten und Schächten erhalten die Rettungsteams inzwischen Unterstützung von Schwalbennest-Sammlern aus dem Süden Thailands. Die acht freiwilligen Helfer von der Insel Li Bong klettern mit Leichtigkeit über die dicht bewachsenen Felsen über der Höhle.

Schliesslich könnte das Fussballteam das Ende der Monsun-Zeit abwarten, um dann nach Monaten durch trockene Höhlengänge endlich ins Freie zu gelangen. Doch diese Möglichkeit gilt als letzter Ausweg und könnte bei stark steigenden Wassermassen komplett verworfen werden.

«Sie reden, essen und schlafen»

Unterdessen versuchten die Rettungshelfer weiter, eine Telefonleitung zu den Jungen und ihrem Trainer zu legen, um den Familien eine ständige Kommunikation zu ermöglichen. Wie die Jungen in der Höhle sich die Zeit vertreiben, schilderte Bancha Duriyaphan, Ko-Chef des Krisenstabs: «Sie sprechen mit den Tauchern über Gott und die Welt. Sie reden, essen und schlafen.»

(kko/afp)