Ferguson

28. November 2014 10:16; Akt: 28.11.2014 10:46 Print

Was geschah am Tag, als Michael Brown starb?

Für die Grand Jury ist klar: Der Polizist, der Michael Brown erschoss, handelte aus Notwehr. So interpretiert sie den Tathergang. Und doch bleiben Fragen offen.

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Der weisse Polizist Darren Wilson erschoss am 9. August 2014 in der US-Stadt Ferguson den unbewaffneten Schwarzen Michael Brown. Angeklagt wird er nicht. Laut Entscheid der Grand Jury handelte Wilson in Notwehr. Und doch bleiben Fragen offen. Was geschah genau an jenem verhängnisvollen Tag?

1. Wilson spricht Brown und seinen Freund an
Um 11:45 Uhr fährt Wilson auf dem Canfield Drive an Brown und seinem Freund Dorian Johnson vorbei, die mitten auf der Strasse laufen. Er sagt ihnen, sie sollen die Strasse verlassen. Dieser Version widerspricht Browns Begleiter, Dorian Johnson. Laut «Vice News» sagt er, Wilson sei auf die beiden zugerast und habe ihnen zugerufen: «Bewegt euch, verdammt nochmal, von der Strasse».

2. Wilson fährt weiter
Wilson merkt, dass Brown Cigarillos in den Händen hält. Dieser Version widerspricht die «Huffington Post». Demnach weiss Wilson zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Browns Überfall auf einen Tabakladen. Das gehe aus seiner ersten Aussage hervor. Erst in einer späteren Zeugenaussage habe er von den Cigarillos gesprochen.

3. Wilson setzt zurück und blockiert das Trottoir
Brown und sein Kumpel gehen weiter die Strasse hinunter. Wilson funkt nach Hilfe, fährt mit seinem Fahrzeug zurück und schneidet den beiden den Weg ab.

4. Erneuter Wortwechsel und Rangelei
Viele Augenzeugen berichten von einer heftigen Auseinandersetzung und einem Gerangel zwischen Wilson, der im Auto sitzt, und Brown, der am Fenster steht.

5. Der Streit eskaliert
Was jetzt passiert, ist nicht ganz klar. Die Zeugen machen gemäss «Independent» unterschiedliche Aussagen dazu: Einige sagen, Brown habe Wilson geschlagen und dass Brown teilweise im Auto war. Andere erzählen hingegen, dass Brown nicht im Auto war und Wilson auf ihn gefeuert habe. Bei Wilson werden später rote, geschwollene Flecken im Gesicht festgestellt. Die Version von Browns Begleiter Johnson: Wilson packt Brown mit seiner linken Hand durch das Fenster am Hals. Um sich zu befreien, stützt sich Brown am Auto ab. Wilson droht: «Ich schiesse!» – und tut dies, ohne weiter zu zögern.

6. Wilsons Pistole geht zweimal los
Zwei Schüsse werden aus dem Auto abgegeben. Eine in der Obduktion entdeckte Verletzung an Browns Finger stammt sehr wahrscheinlich von einem dieser Schüsse. Browns Blut wird später im Auto sowie auf Wilsons Kleidern gefunden. Zu dem Geschehen gibt es widersprüchliche Aussage von Wilson: Direkt nach dem Vorfall gab er an, nur einmal vom Inneren seines Wagens geschossen zu haben. Vor Gericht sagte er dann, es seien zwei Schüsse gefallen, zudem habe es mehrere Fehlzündungen gegeben, so die «Washington Post». Anderen Angaben zufolge konnten aber keine Fehlzündungen an der Tatwaffe nachgewiesen werden.

7. Brown rennt davon
Laut den Aussagen fast aller Zeugen hält Brown kurz inne, als die Schüsse fallen. Dann rennt er die Strasse hinunter.

8. Wilson verfolgt ihn
Wilson steigt aus seinem Wagen und verfolgt Brown.

9. Wilson feuert
Einige Zeugen sagen, Wilson fängt an zu schiessen, während Brown wegrennt. Browns Freund Dorian Johnson sagt, der Polizist habe Brown in den Rücken getroffen. Die Autopsie belegt jedoch, dass Brown keine Schüsse in den Rücken erhalten hat. Es gab jedoch einen Streifschuss, der auf einen Schuss von hinten hindeuten könnte, so die «Zeit». Andere Zeugen sind sich sicher, dass Wilson zu diesem Zeitpunkt nicht geschossen hat.

10. Brown stoppt und dreht sich um
Brown hält an und dreht sich in Richtung Wilson um.

11. Brown bewegt sich auf Wilson zu
Die Grand Jury ist der Meinung, dass Wilson jetzt aus Selbstverteidigung auf Brown schiesst, weil dieser sich auf ihn zubewegt oder rennt. Die Jury beruft sich dabei auf die Aussagen einiger der Zeugen. Eine in der Nähe wohnende Person sagt, Brown sei wohl eher wegen der bereits vorhandenen Wunden zwei oder drei Schritte auf Wilson zugestolpert. Andere Zeugen sagen jedoch, Brown habe sich nicht auf Wilson zubewegt, sondern sei mit erhobenen Händen stehen geblieben. Wieder andere sagen, er habe seine Hände nur kurz gehoben oder seinen Bauch gehalten.

12. Wilson schiesst auf Brown
Laut den Aussagen einiger der Zeugen schiesst Wilson erst wieder, als Brown auf ihn zukommt. Drei Autopsien bestätigen, dass Brown von sieben bis acht Kugeln getroffen wurde – alle von vorne. Der tödliche Schuss traf ihn in den Kopf. Browns Blut wurde auch bis zu sieben Meter von seiner Leiche entfernt entdeckt. Diese lag über 46 Meter von Wilsons Auto entfernt.

(cfr)