Sharm el-Scheich

07. Dezember 2010 08:15; Akt: 07.12.2010 08:37 Print

Was hinter den Haiangriffen steckt

Nach dem tödlichen Hai-Angriff sollen amerikanische Experten klären, wann ein sicherer Badebetrieb wieder möglich ist. Für die Angriffe gibt es drei Theorien.

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Sie sollen es richten: Drei amerikanische Experten sind in Sharm el-Scheich eingetroffen. Sie sollen nun abklären, ab wann im Roten Meer wieder sicher gebadet werden kann, nachdem ein Hai eine deutsche Touristin tödlich verletzte. Bei einer Serie von Hai-Angriffen sind neben der älteren deutschen Frau vier weitere Touristen – drei Russen und ein Ukrainer – schwer verletzt worden. Reiseveranstalter verzeichnen besorgte Anfragen von Urlaubern, die ägyptische Tourismusindustrie bangt um eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen.

Denn nicht Pyramiden und Pharaonen, sondern vor allem Strandurlaube sorgen nach amtlichen Angaben für die meisten Einnahmen aus dem Tourismus: Auf zwei Drittel der 9,3 Milliarden Euro des im Juni abgeschlossenen Haushaltsjahrs bezifferte Tourismusminister Sohair Garanah den Anteil, wie die Zeitung «Al Gomhurija» berichtete.

Die Strände um Sharm el-Scheich sind seit dem tödlichem Angriff am Sonntag von den Behörden für unbestimmte Zeit geschlossen worden. Nur noch Berufstaucher dürfen ins Wasser.

Entscheidung liegt bei amerikanischen Experten

Warum die angreifenden Haie – vermutlich Weissflossenhaie, die normalerweise nicht in Strandnähe kommen – sich so aggressiv verhielten, sollen die US-Experten Geoerge Burgess, Marie Levine und Ralph Collier klären. Burgess ist Direktor einer internationalen Datenbank für Hai-Angriffe, dem International Shark Attack File, Levine ist Direktorin des Haiforschungsinstituts in Princeton und Collier Autor des Buchs «Shark Attacks of the Twentieth Century» («Hai-Angriffe im 20. Jahrhundert»). Sie sollen nach Angaben der ägyptischen Kammer für Tauchen und Wassersport entscheiden, wann es für Touristen wieder sicher ist, im Roten Meer zu schwimmen.

Es gibt drei Erklärungsansätze für die Hai-Angriffe. Umweltschützer vertreten die Theorie, die Überfischung treibe die Haie auf der Suche nach Nahrung in Küstennähe. Es gibt aber auch Vorwürfe gegen die Veranstalter von Bootsausflügen, die bei ihren Exkursionen Fleisch ins Meer werfen sollen. Damit sollen Haie in die Nähe der Boote gelockt werden, so dass die Touristen sie fotografieren können. Drittens soll ein Sharm el-Scheich passierender Frachter kürzlich Tierkadaver ins Meer geworfen haben.

Zuletzt hatte es 2009 einen tödlichen Hai-Angriff im Roten Meer gegeben. Damals war ein französischer Taucher tödlich verletzt worden.

Von einem «Desaster für die Tauchanbieter, aber auch für die Touristen» sprach der Tessiner Gilbert Finckler, Betreiber einer Tauchbasis in Sharm el-Scheich, gegenüber 20 Minuten Online. Er kritisiert, dass die Verantwortlichen versuchten, den Hai zu jagen. Die Köder hätten nur noch mehr Haie angelockt: «Ein komplettes Badeverbot über ein paar Tage hätte meiner Meinung nach viel mehr gebracht als die Jagd.»

(ap)