Bischof Tebartz-van Elst

15. Oktober 2013 17:49; Akt: 15.10.2013 18:35 Print

Was seine Mimik verrät – und was nicht

Der Limburger Bischof soll unter Eid gelogen haben. Ein Experte untersuchte, was der Ausdruck des Gottesmannes über dessen Wahrheitsliebe verrät. Auch wir haben Antworten gefunden.

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Noch ist unklar, wann der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seine Audienz mit dem Papst haben wird. Er steht wegen des 31-Millionen-Euro-Neubaus seiner Residenz, wegen eidesstattlich abgegebener Falschaussagen sowie wegen seines Führungsstils seit Wochen in der Kritik. Es wird spekuliert, dass im Vatikan demnächst eine Entscheidung über die Zukunft des Bischofs fällt.
Sicher ist, dass der Skandal um den Gottesmann der katholischen Kirche in Deutschland enorm schadet.

Kirchenexperten zufolge sei der Fall sogar mit der Debatte über den Kindsmissbrauch zu vergleichen, zumal er unter den Gläubigen dauerhaft Misstrauen gesät habe. Von «hochgradig menschlichem Versagen» ist die Rede.
Der sündige Gottesmann wird von den Medien genüsslich auseinandergenommen.
Es ist auch die Stunde der selbsternannten Experten, wie ein in der «Wirtschaftswoche» publiziertes Beispiel zeigt. Diese lässt einen «Trainer, Speaker und Autoren» untersuchen, was Mimik und Körpersprache von Tebartz-van Elst über seine Wahrheitsliebe verraten.

Der Experte für nonverbale Kommunikation schickt voraus, dass es «nicht DAS Signal für eine Lüge gibt». Dennoch analysiert er folgende kurze Interviewsequenzen mit Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (ab 0:59 und ab 4:22):

Anhand dieser Ausschnitte stellt er fest, dass der Bischof bei den beiden Interviews flunkert: Es seien «deutliche nonverbale Hinweise auf eine Lüge» erkennbar. Abgelesen hat der Emotions-Choach dies anhand der Körpersprache («Sein Körper widerspricht deutlich dem, was er inhaltlich sagt»), am schnellen Blinzeln des Bischofs («ein deutliches Zeichen für einen Stressanstieg») sowie am Zögern und der Blickrichtung («Der dritte Hinweis auf eine Lüge ist hier, dass er einen Moment zu lange zögert, bevor er antwortet. Gleichzeitig schaut er kurz nach links oben» – Letzteres offenbar ein Indiz dafür, dass er «etwas innerlich konstruiert»).

«Definitiv nicht wissenschaftlich

Von derlei Einschätzungen hält Verhaltensforscher Christian Fichter wenig. 20 Minuten hat beim Professor für Sozial- und Wirtschaftspsychologie nachgefragt: Ist ein Lügner wirklich so einfach zu entlarven? «Anhand dieser Videosequenzen ist wissenschaftlich seriös definitiv nicht zu beurteilen, ob der Bischof lügt oder nicht», sagt Fichter.

Eine Lüge sei bis heute wissenschaftlich nicht beweisbar, erst recht nicht durch die Physiognomie. Auch die Körpersprache sei kein eindeutiger Indikator zur Messung von Aufrichtigkeit. «Wenn man Dutzende von Menschen prüft, findet man vielleicht irgendwann einen Zusammenhang zwischen Aufrichtigkeit und Körperhaltung. Aber daraus darf man keine Aussage über einen konkreten Einzelfall ableiten.» Dass der Bischof beim Interview so oft blinzle, lasse keinesfalls Rückschlüsse auf seine Aufrichtigkeit zu. «Es kann ihn in der Situation der Befragung geblendet haben, er könnte an Heuschnupfen leiden oder durch starken Wind irritiert worden sein.»

Attraktiv ist eher sympathisch

Die Geschichte kennt indes einige Beispiele von Lügnern, die die Herzen der Menschen trotz allem eroberten. Denken wir an Bill Clinton, Pinocchio oder Karl May. Doch Tonnen hämischer Leserkommentare machen klar: Der Mann dürfte nie zum Sympathieträger werden.
«Wer als attraktiv wahrgenommen wird, wirkt eher sympathisch», weiss Christian Fichter. Symmetrische Gesichtszüge, Gesichtsknochen oder reine Haut bestimmten Attraktivität – aber auch Durchschnittlichkeit. «Der Bischof hat zwar prononcierte Gesichtsknochen, aber weder ein besonders symmetrisches, noch ein besonders durchschnittliches Gesicht.»

Will heissen: Egal, was der fehlbare Gottesmannes jetzt auch noch tun und wie sehr er sühnt – die Herzen seiner Schafe erreicht der Mann mit dem Gollum-Gesicht kaum mehr. Gegen die menschliche Natur kommen höchstens noch göttliche Gnade und päpstlicher Segen an.

(gux)