27. April 2005 11:36; Akt: 27.04.2005 22:10 Print

Wenn Kinder Eltern schlagen

Immer mehr Eltern von Jugendlichen suchen beim Elternnotruf in Zürich Rat. Manche werden von ihren Teenager-Kindern geschlagen.

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45,7 Prozent aller 1965 Personen, die sich im vergangenen Jahr erstmals an den Elternnotruf wandten, suchten Rat für den Umgang mit ihren Kindern im Jugendlichenalter. Das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie es in dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht heisst.

Zunehmend aus der Tabuzone geholt wird das Problem von Eltern, welche die Kontrolle vollends verloren haben und von ihren Kindern im Teenageralter geschlagen werden. Die meisten schämen sich dafür. Viele, die sich schliesslich an den Elternnotruf wenden, erzählten von einer jahrelangen Spirale von Streit, Beschimpfungen, Gewalt.

Der Elternnotruf bietet seit 2002 eigens Gruppen für Eltern von Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren an. Dabei arbeitet er mit der Jugendberatung der Stadt Zürich zusammen.

29,3 Prozent der Anrufenden suchten Hilfe im Umgang mit Babys oder Kleinkindern, 25 Prozent hatten Probleme mit Kindern im Primarschulalter. Wie schon früher machten die Buben mehr Probleme als die Mädchen.

11,5 Prozent mehr Anrufe

Insgesamt stieg die Anzahl Erstanrufe gegenüber dem Vorjahr um 11,5 Prozent. Dass die familiäre Situation oftmals abends oder nachts eskaliert, zeigt der Anteil von 40 Prozent Anrufe ausserhalb der Bürozeiten.

Vor allem die Mütter suchen beim Elternnotruf (044-261 88 66) Hilfe: Sie machten (wie im Vorjahr) 72 Prozent aller Erstanrufenden aus. 15 Prozent (Vorjahr 14) waren Väter, 5 (4) Prozent Verwandte. Die übrigen Anrufe kamen von Institutionen und fremden Personen, etwa Nachbarn. Dabei ging es meist um vermutete Kindsmisshandlung.

Übers Ganze gesehen ging es in jedem siebten Anruf (275 Fälle) um tatsächliche oder vermutete Kindsmisshandlung, sei es körperliche oder psychische Gewalt, sei es sexuelle Ausbeutung oder Vernachlässigung. 713 Anrufende fühlten sich generell überfordert. Am häufigsten - 782 Mal - wurden Erziehungsprobleme als Grund für den Anruf genannt.

Gemäss Jahresbericht wohnten 37 Prozent der Ratsuchenden in der Stadt Zürich, 34 Prozent im übrigen Kanton. 7 beziehungsweise 5 Prozent riefen aus den Kantonen Aargau und Zug an, 5 Prozent aus der Ostschweiz.

3277 Beratungen

Zudem beantworteten die Elternnotruf-Fachleute 14 E-Mail-Anfragen - 9 mehr als im Vorjahr. Erstanrufe und Folgegespräche zusammengerechnet, führte der Elternnotruf im Berichtsjahr 3277 Beratungen durch.

Die Telefonberatung sind kostenlos: Laut Elternnotruf soll niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten müssen, Hilfe zu suchen. Für persönliche Gespräche, Gruppen und Therapien werden einkommensabhängige Honorare verlangt. Sie sorgten im vergangenen Jahr für gut 64 000 Franken einnahmen.

Zur Hauptsache wird der Elternnotruf aber über Spenden, Beiträge der öffentlichen Hand und von Kirchgemeinden fnanziert. Den grössten Anteil entrichtete 2004 der Kanton Zürich mit 284 000 Franken. Bei Einnahmen von insgesamt gut 574 000 und Ausgaben von 570 000 Franken blieb ein kleines Plus von gut 4000 Franken.

(sda)