Hundebesitzer

28. Dezember 2011 06:01; Akt: 28.12.2011 12:52 Print

Wenn das Herrchen nicht gehorchen will

von Johanna Wedl, sda - Viele Hundehalter absolvieren mit ihrem neuen Vierbeiner keinen Kurs in Theorie und Praxis. Dies obwohl die Erlangung eines Sachkundenachweises obligatorisch wäre. Experten wägen ab.

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Hundehalter mit ihren Hunden bei einer Uebung im Erziehungskurs der Hundeplauschschule Oskar in Wallisellen im Wald. (Archivbild vom 7. September 2006/Keystone)

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Obwohl es das Gesetz vorschreibt, besucht nicht jeder neue Hundehalter mit seinem Vierbeiner einen Theorie- und Praxiskurs. Die Kontrollen sind unterschiedlich streng und die Kantonstierärzte sehen den Zweck der Vorschrift vor allem in der Sensibilisierung.

Bis Ende 2010 haben schweizweit rund 35 000 Halterinnen und Halter die obligatorischen Theorie- und Praxiskurse absolviert, wie das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) schätzt. Das seien rund 40 Prozent aller neuen Hundebesitzer, sagt BVET-Sprecherin Regula Kennel auf Anfrage der SDA. «Wir hoffen, dass sich diese Zahl bis Ende nächsten Jahres auf gegen 70 Prozent erhöht.» Für 2011 liegen noch keine Angaben vor.

Ob ein Halter den so genannten Sachkundenachweis (SKN) besitzt oder nicht, müssen in gewissen Kantonen die Wohngemeinden kontrollieren. Gesetzlich verpflichtet sind sie dazu aber nicht überall. Wie viele Hundehalter in den einzelnen Kantonen und Ortschaften ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, lässt sich deshalb nur schätzen.

Zufrieden gibt sich beispielsweise der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche. Sein Veterinäramt kontrolliert jährlich dreissig bis vierzig verhaltensauffällige Hunde. Nur zehn Prozent dieser Halter hätten den praktischen Kurs nicht besucht. «Das ist überraschenderweise ein sehr guter Stand», sagt Fritsche.

Hundebisse: Dunkelziffer ist hoch

Falls ein Halter den Kurs versäumt und er seiner Pflicht auch nach einer Mahnung nicht nachkommt, kann es zu einer Strafanzeige und einer Busse kommen. Wie viele Halter konkret gebüsst wurden, können weder der St. Galler Kantonstierarzt noch seine Kollegen aus Zürich oder Basel-Landschaft sagen.

Der Berner Veterinärdienst mahnte bisher rund 20 Personen, wie Kantonstierarzt Reto Wyss erläutert. Absolvieren diese trotz Mahnung die Kurse nicht, werde der Kursbesuch verfügt und Strafanzeige eingereicht. Die Gerichte entscheiden anschliessend über die Höhe einer allfälligen Busse.

In Bern sowie in St.Gallen überprüft man stichprobenartig oder nach Hinweisen, ob ein Halter den SKN hat oder nicht. «Treffen wir bei einer Tierschutzkontrolle wegen einer Meerschweinchenhaltung in der Wohnung auf einen Hund, überprüfen wir, ob der Halter die Kurse absolviert hat», sagt Wyss. Der Veterinärdienst kontrolliere die Papiere immer auch nach einem gemeldeten Hundebiss.

Genau da liegt das Problem: Viele Leute wollten Bissvorfälle nicht melden, sagt BVET-Sprecherin Kennel. Eine nationale Beiss-Statistik wurde nur von 2006 bis 2009 geführt. «Sie weist eine so hohe Dunkelziffer auf, dass die Aussagekraft nicht mehr gegeben ist.»

Vorfälle werden unter Teppich gekehrt

Insbesondere leichte Hundebisse würden nicht gemeldet, heisst es auch in einem Blog von BVET-Direktor Hans Wyss. Im Schnitt meldeten Tierärzte und Ärzte nur jeden zweiten oder gar jeden dritten Fall. 2009 habe man schweizweit 5090 Hundebisse registriert, die Suva schätze aber, dass die Gesamtzahl bei knapp 10 000 liege.

Die Anzahl Bisse sei im Schnitt aber stabil, sind sich die befragten Kantonstierärzte einig. Im Kanton Zürich wurden letztes Jahr fast 1000 Hundebisse an Menschen oder Tieren gezählt. In Bern waren es rund 750 Bisse, in St. Gallen deren 270 und in Basel-Landschaft gegen 200.

Kantonstierärzte: Neues Gesetz kein «zahnloser Tiger»

Die neue Tierschutzverordnung mit dem SKN sei «ein grosser Aufwand mit beschränkter Wirkung», resümiert der St. Galler Kantonstierarzt Fritsche. Die Kurse könnten keine umfassende Ausbildung sein, fügt sein Berner Kollege Wyss an.

Ziel sei es gewesen, mit den Kursen bei zukünftigen Haltern eine Sensibilisierung für eine verantwortungsvolle Hundehaltung zu erreichen. Das sei mit dieser pragmatischen und kostengünstigen Lösung gelungen. «Das Gesetz ist also kein zahnloser Tiger», sagt Wyss. Hundehalter reagierten gegenüber Nicht-Hundehaltern sensibler, ergänzt Fritsche: «Hunde werden schneller angeleint.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • f. weber am 28.12.2011 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grundsatzfrage

    grundsätzliche frage: wer bestimmt eigentlich, was in sachen hundehaltung, richtig oder falsch ist? wer hat die skn kurse gestaltet? bekanntlich ist wahrjeit das, was die mehrheit als richtig erachtet..- auch wenn diese wahrheit auf irrtümern und fehlinformationen beruht. - ich habe mehre hundert stunden in theorie , psychologie und praxis absolviert- als hundetrainer au rudelstrukturbasis. ich habe zuhauf kunden , die völlig frustriert, teilweise nach dem erfolglosen besuch von mehr als einer hundeschule bei mir landen. es ist einfach nur haarsträubend, was sogenannte hundetrainer ihren kunden für einen schwachsinn erzählen.. mit : sitz,platz, gutzi geh, ist es einfach nicht getan, damit löst man keine alltagsprobleme! auch nicht mit dem ganzen skn alibi-theater! - gut gemeint, aber total daneben gegriffen.

  • Lukas Vogel am 28.12.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Erzieungskurse?

    Früher besuchten viele die Welpenspielstunde... denn Junghundekurs und anschliessend den Erziehungskurs... dies ging ca. 1 jahr während dem der Hund regelmässig geschult und ausgebildet wurde....und Heute?.... viele absolvieren nur noch den SKN... 4 Lektionen... Ich versuchte mit meinem zweiten Hund den Erziehungskurs anzuknüpfen war nicht möglich, da in den meisten Vereinen keine Kurse mehr angeboten werden, oder er wird kurzfristig mangels Teilnehmer abgesagt Hauptsache die Gesellschaft fühlt sich sicher... :-( Schade....

  • Felix Burkhalter am 28.12.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Prüfung für Prüfer

    Als Hundehalter ist man hier einer totalen Willkür dieser SKN-"Fachpersonen" ausgeliefert. Ich habe schon erlebt, dass diese mit einzelnen Kursteilnehmern nicht auskamen. Fazit: Eine Meldung ans Veterinäramt, um den Hundehaltern das Leben schwer zu machen. Dagegen kann man sich beinahe nicht wehren, auch wenn der obligatorische Kurs anschliessend bei einer anderen Fachperson absolviert wurde. Es kann zu einer Abzocke sondergleichen werden, und ich fände es angebracht, wenn einzelne dieser "Trainerinnen" mal auf Herz und Nieren geprüft würden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Küng Eva am 29.12.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung ist nicht delegierbar

    Noch wichtiger finde ich, dass man sich intensiv informiert BEVOR man einen Hund in sein Leben nimmt. Die Züchter genauer hinsehen, wem sie ihre Welpen verkaufen und dies nur mit Schutzvertrag!Sowie die Haltung dann auch kontrollieren. Zu oft kommen Hunde, Grosse und Kleine mit speziellen Eignungen (Jagd-, Hüte-, Schutzhunde) in die falschen Hände, verkümmern und entwickeln Übersprungshandlungen. Wer keine Zeit für einen Hund hat und ihn entsprechend seinen Eignungen auslastet ein ganzes Hundeleben lang, sollte keinen haben! Bin sicher 90% der Probleme hätten wir nicht mehr.

  • Jackman am 28.12.2011 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Lange vor diesem Obligatorium besuchte ich mit meinem Hund die Welpenschule damals. Lernen wollte der Schlawiner nie was, nur spielen. Erst später habe ich ihm so alles beibringen können, was erstaunlicherweise besser funktionierte, als in einer Hundeschule mit etlichen Hunden, die alle querbeet bellten, tollten u sonst was machten. Ich halte wenig von dieser Sache, aber manche Leute lernen noch weniger, als ihre Hunde, drum muss es wohl so sein.

  • ein Hündeler am 28.12.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Katz I

    Viele lizenzierte Ausbildner haben kaum Erfahrung mit Hunden, haben die Kurse gemacht in der Hoffnung absahnen zu können. Aber auch Super-Mega-Hundeausbildner sind nur Menschen - manchmal stimmt die Chemie nicht - mit entsprechendem Misserfolg. Der ganze Hunde-Ausbildungshype ist für die Katz - man würde lieber die bestehenden Gesetze kraftvoll durchsetzen, vermehrte Kontrollen machen (Freilauf, Leinenpflicht, Hundeanmeldung, Kotaufnahme usw.).

  • miggel lüthy am 28.12.2011 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    auch chihuahuas

    ich erhielt eine aufforderung zum besuch eines hundekurses. dabei ist mein chihuahua (gewicht: 1,2 kg) einen ganzen lieben.

    • Sibylle Martin am 29.12.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

      einfach unsinnig

      wir haben eine Zwergspitzhündin 1kg 300 1 halb jahre alt Aufgezogen vom 12. Tag an als Notfall.Sie hat leider Neurologische Störungen.Zum Glück haben wir ein Aerztliches Zeugnis und somit muss und kann sie den Kurs nicht absolwieren Für so winzige Hunde einfach unsinnig !.

    einklappen einklappen
  • Hugo Müller am 28.12.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Super, die Menschheit lebt seit 10000-en von Jahren mit Hunden zusammen und jetzt braucht es eine Prüfung. Es zeigt sich, dass diese nicht funktioniert, also wieder abschaffen. Nur unnötiger Aufwand und Kriminalisierung von irgendwelchen Leuten, die das tun, was man schon immer gemacht hat.